Reiselied
Aus dem Bändchen Gedichte von 1808
Von Carl August Heinrich Seidel

Lustig in’s Leben,
Rasch durch die Welt!
Freiheit zum Führer,
Kühn wie ein Held!
Früh auf die Reise;
Sonne nicht glüht.
Auf! eh der kühle
Morgen entflieht.
Berg auf und nieder!
Thal aus Wald ein!
Oeden vorüber,
Grünender Hain!
Von dir die Lasten;
Mittag drückt schwer.
Offen den Busen!
Kühlung woher?
Schattige Stille,
Quelle dich ruft;
Blüthenbaum spendet
Stärkenden Duft.
Abend hernieder –
Pfade schon leer –
Einsam in Klüften –
Tröstung woher?
Sonne hinunter,
Sterne hinauf!
Nächtliche Stunde
Schließet den Lauf.
Müde der Wandrer –
Nebel umher –
Stab ihm zerbrochen –
Ruhe woher?
Klagen verstummen –
Steht nun am Ziel;
Lager gebettet
Ruhig und kühl! –
Morgen mag dämmern,
Sonne mag glüh’n:
Wandrer wird schlummern,
tagt nicht für ihn!

(24.11.2009.)
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