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Reiselied

Aus dem Bändchen Gedichte von 1808

Von Carl August Heinrich Seidel



seidel reiselied gedicht 1808 nestroy hartmann 1834


Lustig in’s Leben,
      Rasch durch die Welt!
Freiheit zum Führer,
      Kühn wie ein Held!

Früh auf die Reise;
      Sonne nicht glüht.
Auf! eh der kühle
      Morgen entflieht.

Berg auf und nieder!
      Thal aus Wald ein!
Oeden vorüber,
      Grünender Hain!

Von dir die Lasten;
      Mittag drückt schwer.
Offen den Busen!
      Kühlung woher?

Schattige Stille,
      Quelle dich ruft;
Blüthenbaum spendet
      Stärkenden Duft.

Abend hernieder –
      Pfade schon leer –
Einsam in Klüften –
      Tröstung woher?

Sonne hinunter,
      Sterne hinauf!
Nächtliche Stunde
      Schließet den Lauf.

Müde der Wandrer –
      Nebel umher –
Stab ihm zerbrochen –
      Ruhe woher?

Klagen verstummen –
      Steht nun am Ziel;
Lager gebettet
      Ruhig und kühl! –

Morgen mag dämmern,
      Sonne mag glüh’n:
Wandrer wird schlummern,
      tagt nicht für ihn!


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(24.11.2009.)

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