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Aus dem Leben eines Taugenichts

oder: Des Grafen Pückler toller Schwager


Aufzeichnungen eines Ungenannten
über das Leben in Muskau,
Beziehungen zur gräfl. Pücklerschen Familie,
ferner über des Schreibers Sohn
(Taugenichts, Officier etc.)
1801-1809.

Aus der Handschrift übertragen
von Bernd-Ingo Friedrich


1801

D. Jahr fing sich für mich traurig an. Briefe von mein Sohnes Herrn waren nicht tröstlich u. die Rechnung unerwarteter Beweis v. deßen Leichtsinn. Am 23. April erkrankt. Kaum war ich hergestellt, so sank die Hoffnung auf meines Sohnes Beßerung dahin. Stettiner Brief. Gott stehe mir bei.
d. 15. Juli wieder k. guten Briefe v. Stettin.


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1802

7. Jan. Stettiner Briefe gaben mir ke Gewißheit, verursachten mir aber auch nicht Sorgen
9. Zufrieden mit Stettiner Brief v. Jahn. Gottes Fügung [...] m. Sohn.
14. Sehr viel Freude brachten mir meines Sohnes Briefe.
28. Briefe v. H. P. erregten gerechtes Mistrauen in meines Sohnes vollendete Beßerung.

11. Febr. [Fluch] über Augusts Briefe.
20. Besuch v. Stettin machte mir k. Freude, einen Zeugen v. Augusts Ausschweifungen am Ort zu wißen.
25. Briefe v. P. gaben keine Zufriedenheit.

15. März. Feierten wir Augusts Geb.Tag
März 17. Briefe v. Aug. erstickte den Verdruß einer Einladg.

19. April. Z. Geburtstag auf dem Schloße groß Diner

Juni 27. wiederum schlechte Briefe v. Stettin. Ein Undankbarer, Heuchler, Lügner u. Verschwender. Ach Gott, das thut weh. Mein einziger Wunsch ist ein gut Gewißen, das mir ke Vorwürfe macht.

12. Juli. Vogelschießen wegen Grafens Geburtstag.
[Es folgen verschied. Jahreszahlen, Ereignisse u. Namen ohne Ordnung: 1802, 1803, Spaziergang, Gesellschaft; Zapfenhäuschen, „Laube“; Hempel, Vogel, Brescius u.a.]
19. Juli. erträgl Briefe v. Stettin, Kummer über starke Rechnung.
26. Brief v. August erweckt Hoffnung, daß nicht alle Gefühle in ihm erstorben seien.


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1803

14. Juni. Auf d. Schloße gegeßen.

3. Julius. Die gräfl Kinder bei mir auf [...] ...
20. ’’ Adends herrschaftl Comödie.
12. Vogelschießen wegen Grafens Geburtstag.

August 2. Souper bei H. wegen Brescius aus Riga
22. Im Schloße Ball.

21.-23. Novbr. Der elende Ball der Gräfin wegen Rublacks Hochzeit [...]


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1804

1. Jan. Nur meines Sohnes Breduile trübte mir manche Stunde, aber auch diese Wolke vertrieb d. Güte Gottes am Schluße des Jahres, als H Poszert Brief mich versicherte, daß A. die letzten beiden Monate sich beßer aufgeführt.
19. Jan. 1804. Briefe v. H. Poszert erheiterten mich u. bewirkten frohen Muth in die Meinigen. Er ist mit Aug. zufrieden, hat Hoffnung, ihn in [Bugenhagen] unterzubringen u. giebt ihm Erlaubniß, uns Ostern zu besuchen.
23. Januar. Die Comteßen ließen sich gestern anmelden; ich war also gedrungen, sie heut zu bitten. Sie waren sehr vergnügt. (Holzhändler v. Cottbus. Medoc.)
31. Jan. Briefe v. P. bestärkten mich, daß er [...] treu sei u. bleibe.

9. Febr. Zu Hause gekommen erbrachen wir e. Brief v. August. Eiskalt war der Inhalt. Nicht eine Spur eines feinen Gefühls. Gern wollte ich den Anblick eines Menschen entbehren, der m. Herzen so fern steht Vielleicht ist’s gut u. auch Gefühllosigkeit nöthig, um mir die wahrscheinl Trennung von ihm erträglich od. unmerklich zu machen. S. Aufführung war 4 Jahre lang eine reiche Quelle des Kummers f. s. Aeltern.
10. Ich bemühe mich, m. undankbaren Sohn zu vergeßen.
15. Febr. Ein Reisediener Strauchs aus Stettin brachte keine guten aber auch keine schlechten Nachrichten.

14. März. Br. v. Aug. bestärkte mich von der Notwendigkeit, nach Stettin zu reisen.
19. März. Jahn schrieb, daß August oft Händel suche u. öffentlich Streit habe.
21. März. Brief Poszerts v. Leipzig, daß er heute in Cotbus sein werde. Reise hin mit Qual.
24. März. Abends 6 Uhr kam P. v. Cottbus an. Wir würden ganz glückl gewesen sein, wenn uns [...] über August mehr gefallen hätten.
29. 9 früh verließ uns P. begleitet von uns. Dank u. Segenswünschen.

April 13. Die unerwartete Ankunft unseres Sohnes Nachts 12 Uhr.
15. August hat ziemlich guten Verstand, aber er will glänzen u. s. Jugend genießen. Geld hat nur zu dies. Endzweck für ihn Werth.
18. April. Gest. Zank. Augusts Stolz, Härte, Hitze.
19. April. Wieder ein schreckl Tag. Ein Brief v. P. mit d. Nachricht, daß u. Sohn eine Schlägerei gehabt u. dieß mit 60 rtl büßen sollte. S. Leichtsinn ist grenzenlos.
21. April. Mir machte Augusts Rückreise Sorgen. Ich konnte keine Pferde bekommen. Gott half. Fuhrleute gingen durch. Mit ihnen kann Aug. bis nach [Razdorf] gehen.
24. April. Eher als wir vermutheten kamen die Fuhrleute zurück. Thränen.
26. April. Heute wird er wohl v. Frankfurt abreisen. Daß ein Schiffer gleich in Razdorf sein sollte, darf ich kaum hoffen.

1. Mai. Nachricht, daß Aug. in Razdorf glücklich angekommen u. zu Schiff weiter gegangen ist. (Schützenältester gest./ 2ten Jul.)

9. Juni. Leider wieder eine Hiobsbotsch. v. P. August lebt häusl. u. eingezogen, hat ab. ein Liebesverhältniß mit ein. Dienstmädchen des Hauses u. dadurch alle Liebe s. Prinzipals gänzl. verscherzt.
Juni 14. Auf d. Schloße gegeßen.
20. V. August nur ein Blättchen, aber ein desto sehr freundschaftl Brief v. Poszert. Er klagt nicht über August, möchte aber, daß er mehr auf d. Zukunft denken möge. Also ist er immer noch leichtsinnig.

12. Juli. Feier des Geburtstages des Grafen.
30. Julius- P. nun mit Aug. zufrieden.
30. Juli. Am Geb.tage: erhalte u. vermehre die fast nie erlebte Hoffnung an m. Sohne einst Freude zu erleben.

2. Aug. Ein Brief v. P. Augusten ist d. Urtheil gesprochen, er wird Michaelis entlaßen.
9. Aug. Hoffnung erweckender Brief v. Jahn macht mich heiter.
16. Aug. Briefe v. Aug. ohne Gehalt. Die fortdauernde Ungegewißheit wegen der Lage meines Sohnes macht mich betrübt.
20. Aug. Geburtst. der Comt. Clem. Die Mädels waren nicht zum Souper u. Ball geladen. – Dank sei Gott, daß ich dem Schloße zu weiter nichts als den gewöhnl Artigkeiten verpflichtet bin. Menschen, die sonst über die declassirte Maetreße des Grafen lachten u. spotteten, buhlten frech schon um ihre Gunst.
24. August. Brief v. H. P. störte meine Ruhe u. Zufriedenheit aufs Neue. Nach selbigen u. den letzten Briefen ms Sohnes, die ich durch die rückkommenden Leinwand-Wagen erhielt, mußte ich ein Rezitif sr. alten Seelen-Krankheit befürchten. letztere überzeugten mich wenigstens daß er gegen s. Eltern nicht die geringste Liebe mehr habe.

1. Septbr. Im Laufe dies. Mon. muß sich das Schicksal meines Sohnes entscheiden.
8. Septbr. Besuch v. [Strauch].
9. Briefe v. August.
12. Septbr. Br. v. P. August lebt nur dem Augenblicke.
26. Septbr. Die Herrschaft gab eine elende Comödie, um ihre Freude über des H. Grafen glückliche Wiederkehr aus dem Bade mit der [Marco] zu beweisen u. wir wanderten alle trotz des ungestümen Wetters dahin.
30. Septbr. Michaelisschießen. Die ganze Herrschaft war anwesend.

8. Octbr. Briefe v. P, aber so wenig günstig f. Aug. als für m. Ruhe.
11. Octbr. Mein Sohn ist u. bleibt ein Taugenichts wie Hfr Jahns Brief mit heute zeigt. [...] hat noch kein Mensch mich getäuscht, als mein Sohn. Ich sehe keine Möglichkeit den Aufwand ferner zu bestreiten.
18. Octbr. Gevatterschaft bei ... Die anwesende Herrschaft machte die Gesellschaft zahlreicher, aber nicht heiterer.
21. Br. v. Aug. gab mir Beweis sr Heuchelei. Er erwähnte s. abermalige Vergehg mit kr Silbe.
27. Octbr. Der Graf ließ die Mädel zum Souper u. Ball bitten, der Vater schlug es aber ab.
28. Der Gr. hatte sich besonnen, daß er einen dummen Streich gemacht, ließ um Verzeihg u. die Aeltern auch bitten. Ich blieb nach einer schlecht gelieferten Comödie zu Hause, Fr. u. Kinder depreziren das Eßen und gingen um 12. Uhr zum Balle. Leider mußte ich der Car. auch eine Rolle für’s künftige Stück erlauben.

1. Novbr. Brief an Hfr [Poszert]: Kann er nicht retten, so soll er [...] d. Mutter u. der Ehre d. Familie. Briefe v. Aug. so so.
7. Novbr. Carol. zum Diner, weil sie Comödie spielen muß morgen. morgen Schloß Fete.
8. Novbr. [Pagenstreiche]. Souper u. Ball wegen des alten Grafen Geburtstag.
9. Novbr. Die Christel soll zur Hochzeit einer Schloß-[Nymphe] mitgehen, die der H. Graf ausrichtet.
13. Novbr. Hochzeit auf d. Schloße, [Colbel] mit der Crügerin. Christel zum Eßen, Caroline mit der Mutter zum Ball.
20. Die gräfl Kinder bei Hempels.
24. Novbr. traf Graf Henkel hier ein.
25. Novbr. Comödie. Pagenstreiche. Caroline zum Souper.
26. Novbr. Abends Mutter mit d. Mädels zum Balle auf d. Schloße.
27. [...] der Fremden wegen.

10. Decbr. Ein Brief v. Aug.
24. Decbr. Brief v. [Poszert]. Er ist beßer zufrieden u. giebt um 5 Reichstaler p. Monat Gehalt.


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1805

10. Jan. Ein [...] mit Gänsebrüsten a. Stettin. Eine [...] v. Poszert: Ob Aug. abermal Ursache zur Unzufriedenheit s. Prinzipal gegeben habe.

13. Febr. eine Comödie.
27. Febr. ein Ball – [...] wie ihre Masken.
28. ’’ Caroline wegen der Comödie zur Tafel, dann wieder Ball

11. März. Br. v. P. [...] Klagen [...] daß Aug. [...] sei.
21. März. Wieder e. Hiobspost v. Stettin. August hat wieder Händel gehabt u. [Poszert] ist sehr aufgebracht. Ich soll ihn zu mir nehmen. Er hat sich seit einiger Zeit gut betragen, heißt es im Briefe.
22. Schrieb ich n. Stettin, auch an den v. mein. Sohn geschlagenen [Kristmann].
28. März. Ich war zieml weg. Stettin beruhigt. Aber heute ward m. Ruhe durch einen Brief v. P. der Alles was Hübner schreib, wiederholte, aufs Neue erschüttert.
31. März. Comödie

19. April. 2. Ostert. Briefe v. P. überzeugten mich von m. Sohnes Unwürdigkeit u. Leichtsinn. Die Gräfin zelebrirte ihrer Schwester Geburtstag bei Edelmann. Ihr Wille, eine große Gesellschaft zu bewirthen, war gut, aber die Witterung nachmal nicht.
20. April. Eine Verlegenheit, die Grund in der Muskauer Sittenlosigkeit hat. Meine Tochter soll [...] sticken lernen. Gemeiner Umgang ist unvermeidlich.
22. Die Comteßen ließen sich zum [...] melden
28. April. Mündl Kunde, daß mein Sohn n. Frankreich od. Spanien ginge, macht mich etwas frieren.

Mai:
2. Alex. Röhde
6. der Abschied v. Alex. Röhde machte mich weichmüthig.
20. Mai. Ein kl. Briefchen an die Mutter. Wahrscheinl auch wieder ein windiges Project. Er schreibt, daß er nach Frankr. gehen werde. In Alexanders Brief [stahl] Cadix. In 3 Tagen will er ausführlich schreiben.
23. Mai. Endl ein Br. v. Aug. Wie er in Stettin angefangen hat, will er auch enden. Aufs Geradewohl will er nach Bordeaux gehen. Die Franzosen sollen s. Talenten huldigen. Beinahe werde ich gleichgültig gegen d. Menschen.
26. Mai. Ankunft der Mad. Weidner v. Stettin. Wenn nur die Hälfte wahr ist von dem, was sie von Aug. Leben erzählt so ist er keine Thräne mehr werth.

13. Juni. Heute schrieb P. daß Augusts Projecte Wind wären, er aber Aussicht hätte, ihn unterzubringen. Er ist ein edler Mann, mein Sohn ein Narr.
16. Der von Riga verschriebene Kahn hatte Zollfreiheit [...] Trauerspiele: Der Handel in Händen v. Juden. Holzhandel nach [...]

12. Juli. Der Graf feiert heute seinen Geburtstag in Reichwalde.
24. Juli. Ein nichts enthaltender fehlerhafter Brief v. Aug. ließ mich wenigst. hoffen, daß es nicht Schlimmer mit ihm stehe.
30. Juli. Am Geburtstage: Sollten nicht in des Allmächtigen und Allweisen Händen sich Mittel finden, daß gerade die bisherigen Verirrungen meines Sohnes zu s. Besten dienen u. meine Ängste befriedigen könnten.

20. August. Geburtstag der Comt. Clem. sollte im Garten gefeiert w. Eine zahlreiche Versammlung genoß dort den [...] Gegen 6 Uhr vertrieb uns d. Regen.

11. Sptbr. Soll d. Jahr nichts als Angst u. Sorgen machen? Nun kommt außer d. Furcht vor Theuerung auch das Kriegsgeschehen.
27. Sptbr. Eine traurige Post. Alex. Röhde † den 12. in Petersburg. Was wird mein Sohn sagen. Nicht einen einzigen unter m. Bekannten hatte ich hier, der Alex gliche, schreibt er mir, als er den Vollendeten in Stettin umarmte.

4. Octbr. Ich schrieb nach Stettin.
5. Octbr. Comtesse Agnes Geburtstag ward im Garten gefeiert.
Im Octbr. Durchmärsche eines Corps Preußen angesagt.

2. Novbr. Einquartirung.
8. Novbr. Nach der Einquartirg. Eine ganz elende Comödie machte die Feier des alten Grafen. Ball war versprochen. Wer tanzen wollte, konnte es thun für 12 Pf. Spott der zurückgebliebenen Officirs war Folge dieser Knickerei.
14. Novbr. Gott laße nach 6 angstvollen Jahren mich einmal Freude an meinem Sohn erleben.
17. Novbr. Gevatterschaft bei Factor Flach in Ceula mit Gräfin, Comt. C. u. Flach allgemein sehr vergnügt. (Baumgarten. Auf der Fähre fahren.) Orangenblüthen felen.


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1806

25. Mai. Die Aeltern waren zu Mittag. Spazieren auf die Allaunberge, Capellenh. auf dem Anger. [...]
26. Mai. Radauh. Röhde u. Schefer gingen klettern (auf die Stange)

14. Juni. Schießen. Röhde, Flach, Schefer u. alle jungen Herrn. v. Musk. waren da. Abends gesungen, zum Spinet.
21. Juni. Comödie: die Mündel v. Ifland nachher zu [Neuberichs] a. d. Ball
25. Juni. Schießen in d. Schießkahle. Die Gräfin war Königin, sie führten sie [...]
26. Juni. Zu Flachs kam auch die Herrschaft.

4. Juli. Bleiche. Ich war den ganzen Tag [...] Besuch. Nach 7 Uhr kam Graf Hermann heraus geritten u. blieb eine wenige Zeit da stehen u. indem ging Röhde vorbei.
11. Juli. wir hatten auch d. Unglück, mit Hermann gehen zu müßen.

3. Aug. Ich sollte a. d. Theater singen, mit der Cammerjungfer der Gräfin.
5. Aug. Ich wartete, bis die Gräfin würde schicken, daß ich sollte in d. Probe kommen, sie schickte aber nicht. – Unterdeßen schickte die Gräfin. Wie wir kamen, sangen sie noch, dann stellten sie sich zum ... Jede Dame hatte ihren Herrn u. ich grade sollte mit der Gräfin ihr [...] tanzen. Ich dankte unterthänig für die Ehre. Die Fr. Gräfin nahm dieß sehr übel u. sagte mir eine Grobheiten. Mir ging dieß nahe.
10. Aug. Comödie. Ein kl. Singstück; dann die [...] getanzt u. dann die [...] in Spanien. Es war Ball auf dem Schloße, wir waren aber nicht gebeten. (Singen u. Guitarren Spielen.)
24. Aug. Nachmittag gingen wir in d. Kirche, weil der Hofprediger seine Abschiedspredigt hielt. Nach d. Kirche gingen wir aufs Schloß, der Gräfin [...] unser Compliment zu machen.

21. Septbr. Preuß. Einquartirg auf d. Durchmarsch.
30. Septbr. Schützenzug. Schießen. Tanz. Mit der Gräfin sehr viel getanzt.

31. Octbr. war die Ordination des Hofpredigers [Petrick].

18. Novbr. Die Hochzeitgäste waren zu Mittag auf d. Schloße u. zum Thee u. Abendbrot bei der Marko u. Abends haben sie getanzt.

7. Decbr. Die Aeltern waren auf d. Schloße zur Tafel. (Consist. Rath Schwarz, Hempel)


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1807

11. Januar. Schützenaufzug u. Tedeum, weil der Churfürst war König geworden.

8. Febr. Friedensfest.
11. Febr. Aschermittwoch. Maskenball (Indianer)
15. Febr. Gingen mit in d. Kirche. Vogel u. Schefer spielten Orgel.
21. Febr. Buhrisch, welcher v. Görlitz kam, brachte einen Brief v. m. Bruder, worin er schrieb, er sei [...] in Sagan u. Christianstadt mit s. [...] u. hoffe bald hier zu sein.
25. Febr. [...] war, einen Brief v. m. Bruder zu finden, worin er schrieb, daß sie ihm Alles genommen hätten.

4. März. Briefe v. August.
18. März. Der Sohn des Bäckers war in Dresden gewesen u. hatte mitgebracht, daß Aug. heute kommen würde. Beim Abendeßen kam er zu Wagen an – hatte 2 Bedienten.
19. März. Früh ging der Vater u. Aug. aufs Amtshaus u. zum Hofkoch.
21. Überhaupt gefällt uns Aug. gar nicht. Nicht das Geringste läßt er s. v. Mutter od. Vater u. noch weniger v. uns sagen.
25. Die Herrschaft holte Augusten wieder zum Spazieren ab.
d. 25. März. Wir waren auf d. Jagdhaus zur Seidewitzen gebeten.
(27. März Charfreitag)
27. Charfreitag. Nach d. Kirche war die Herrschaft, auch die alte Gräfin mit ihren Geschwistern u. Weißen bei uns, sie holten uns zum Spaziren ab. Wir gingen bis zum Weinberge, dort spielten wir u. waren lustig bis um 6. Die Herrschaften kamen mit bei uns u. tranken Thee.

20. April. Schickte einen Bedienten fort.

13. Mai. Aug. ging Nachmittag nach Sährchen u. sah sich ein Paar Pferde an. Die Reuter, welche zurückkamen waren mein H. Bruder u. H. Benjamin. Er hatte die Pferde gekauft. Der Vater war böse.
20. Mai. Aug. mit d. Herrschaft nach Dresden.
21. ’’ Kam die Herrschaft vor, Aug. ging mit spazieren.
d. 22. Mai. Abends Spectakel auf d. Gaße. Weiß mit s. Frau und Kracht mit sr Schwester ließen m. Bruder ein [Hündchen] machen [...] Der Vater machte Punsch – so wurde bis ½ 12 getrunken u. auch getanzt. Aug. begleitete sie.
23 Mai. Sonnabend Waren wir von der alten Gräfin in Edelmanns Garten gebeten, weil Weißen sein Geburtstag war. (Weiß viel um diese Frau Krachts - Schellenstern) Die ganze Herrschaft war da – Kegel geschoben.
d. 23. Mai. Abschied v. m. Bruder (Sonnabend) Nachmittags Fete von d. Herrschaft. (28ten Mai kamen 150 polnische Ulanen durch)

d. 17. Juni. Kam mit d. Post ein Paar Ohrringel aus [...] an.
18. Juni. Nachricht bekommen, daß mein Bruder weg von Dresden gegangen ist zur preußischen Armee, weil sie ihn wollten nach Frankreich [...].
24. Juni. Theater. Die Schüzenofficiere u. die Aeltesten auf d. Schloße zu Tische. [...] schützen Auszug.
29. Juni. [...]

4. Juli. Ich hörte auch heute eine unangenehme Nachricht v. m. Bruder, daß er noch bis jetzt in [Tiglitz] ist.
d. 29. Juli. Der [...] war 6 täglich gekommen d. [...] wieder herrliche Nachrichten gebracht von Augusten [...] Pferde verkauft u. er ist auch fort, wo? wißen wir nicht.

3. Aug. Gingen wir mit d. Herrschaft nach Braunsdorf. (Fr. v. Witzleben u. Tochter – zogen 1807 im Octbr. n. Dresden.)
17. Aug. Aug. hatte geschrieben, er ist in Dahme und nun war es beschloßen worden, nach Dahme zu fahren.
22./23. Aug. Reise nach Dahme. Hier war die größte Freude, daß mein Bruder auch da war. Den Abend gingen wir spazieren. Die anderen Tage meist traurig u. einsam [...] verbitterte sie nur m. Bruder. Mit Augusten hörten die letzten Tage [...] auf.

Den 6. Septbr. früh fuhren wir wieder mit vergnügtem Herzen von Dahme zurück.


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1808

7. Febr. Kam Kracht zu uns u. brachte einen Brief, daß er von Franzosen arretirt u. in Spandau wäre, er hoffe aber bald wieder her zu kommen.

1. März. [Gulschmich] sagte uns, daß August in Dresden angekommen u. Willens sei, hierher zu kommen.

5. April. Um 6 Uhr gingen wir nach Hause. Gleich da, noch kam Jemand u. dan war es mein Bruder. Wir hatten viel Freude. (auch kam ...)
13. April gingen wir den Comteßen Visite machen, sie waren erst wieder von Dresden gekommen.
d. 13 April. August war nicht wohl.

d. 6. Mai. ward August auch krank – kaltes Fieber – einen Tag um den anderen – so ist es geblieben bis zum 12ten und krank noch bis zum 20ten.

d. 26ten Juli. August wurde mit der Post die um 2 fort, er mußte nach Züllichau.

d. 9. August erhielten wir einen Brief v. Augusten daß er von seiner Reise nach Schlesien nicht erst wieder herkäme, sondern gleich nach Stuttgart ginge u. wir ihn gleich seinen Kaßten nebst Sachen nach schicken.

25ten Septbr. M. Vater bekam die Nachricht, daß er die hies. Einnehmerstelle erhält.

28. Octbr. Nach 9 gingen wir zur Gräfin gratuliren, von da in die Probe. – um 5 in die Comödie, die ganz erbärmlich war – sodann zu [Säuberling], wo viel getanzt wurde.

27. Decbr. den 3. Feiert. früh gingen wir ins Schloß der Comt. Bianca zum Geburtstag gratuliren. Der Graf gab eine Feier. Comödie.

1808 Zu d. [...]. 1807/8 standen Dragoner in Muskau, - da war der Dudelsack da.


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1809

7. Januar. Graf bat uns zu Tische.
Im Januar ward m. Sohn nach Spandau geführt. In Dresden lebte mein Sohn auf einem Fuße, der mir Kummer machte. Meines Sohnes Wesensart machte mir wenig Freude, die Ungewißheit s. Schicksals manchen Kummer, seine Bedienstete noch mehr! Krankheit vermehrten die Ausgaben. Doch änderte sich meines Sohnes Schicksal; er fand Freunde in Stuttgard.
18. Januar. Heute sind es 4 Wochen daß ich an [...] nach Würtemberg schrieb u. noch keine Antwort.

3 Februar. Hörte ich leider, daß mein Sohn ein Duell gehabt u. ausgewiesen sei. Gott, in welche Lage, ...
5. Briefe aus Dresden v. m. Sohn, er will Geld, das ich nicht habe, ich muß borgen, der Postmstr war willig, mir 40 rtl zu geben.
7. Schrieb ich ihm nach Heidelberg.
8. gingen 38 rtl n. Heidelberg um 2 goldene Repetiruhren einzulösen. [...] hatte noch unterm 14ten Januar geschrieben, daß er sich wohl befinde. Gut daß der Brief wenigstens s. Neider überzeugt.

19. Febr. – daß er nur schreibt, wenn es ganz schlimm steht. Seit 7 Jahren enthalten alle seine Briefe im glücklichsten Falle nichts, mehrentheils Hiobsposten. 1806 aus [Graudenz Werbelin] 1807 aus Görlitz, Dresden täglich, 1808 aus Spandau, Berlin, Dresden, 1809 keiner aus Stuttgard da es ihm wohl ging, nun die Schreckensposten u. Requisitionen aus Leipzig u. Dresden. [...]
21. Febr. Ein Brief + ein. Schachtel Gebackenes v. [Kinsky] mit d. Nachricht, daß er seit der Durchreise nach Sagan solches abgesendet, dort aber etwas Wäsche erwarte. Wir schickten also so eine in d. Eile von meiner Wäsche zu [...] u. für ihn brauchbar [...]
26ten Febr. Ein Brief ohne Trost er weiß keine Aussicht u. steht hülflos in d. Welt.

12. März. In Ungewißheit, ob m. Sohn noch in Sagan sei.
16. März. Erfuhr ich, daß m. Sohn den ihn beleidigenden Polizei-Insp. [Hoik] in Sagan tüchtig ohne nachtheilige Folgen geprügelt u. ein Theil v. Sagans Bewohnern für der andre wider ihn sei.
21. März. Bei [Voß] in B. hat der liebe Sohn 50 rtl geborgt.
26. März. Schwarz berichtet aus Sagan: Er ist gesund, hat Freunde in d. Garnison, an den König geschrieben u. an Hirschfeld, von Keinem, auch nicht aus Würtemberg Nachricht.
29. März. Brief. Er als kein Alltagsmensch verdiene [...]

27. April. Ein trauriger Tag. Wider alles Vermuthen kam m. Sohn mit d. Post an. Der Empfang nicht so herzlich wie sonst. Kaum 1 Stunde war er hier, so überfiel ihn heftiges Fieber. Er mußte sich legen, litt viel, nahm Brechmittel u. schlief endl Abends ein.
24. April. Gesund stand er auf, blieb den ganzen Tag nüchtern.
25. Bei s. Eintritt in Sachsen war er Willens nach Branden- [Seitenwechsel] zu gehen, ob er wohl dort nicht hatte in Verbindung kommen können, die ihm schädl geworden wären.
27. April. bekam er wieder einen Fieberanfall. Der Lohnkutscher für d. Fuhre nach Zittau u. Sagan v. Bauz. aus (Cloß) hat 24 rtl bekommen.

4. Mai. bekam m. Sohn einen Brief v. König v. Preußen. S. Armee würde jetzt nicht umquartirt, bei vorkommenden Fall wolle er ihn aber anstellen. Gerade am 4ten Mai 1808 ist sein Würtemberger Patent.
5. M. Sohn ging heute n. [Fachsdorf] zum Hptm Heims.
6. Er kommt nach Hause mit d. Vorsatze, wieder nach Dresden zu gehen.
10./12. Mai. Fieberanfall Aug.
21. Mai. Aug. will fort. Ich kann ihm nicht widersprechen, aber auch keine Unterstützung geben.
22. Er reiset mit der Post nach Görlitz; 14 rtl Alles, was ich mitbringen konnte.
29. Mai. Meins Sohns unbezwingliche Abneigung gegen den [...].

13. Juni. Brief v. A. an CRS. mit Nachricht von s. Wohlbefinden. Er ist Aug. [...]
15. So kann es denn nicht verborgen bleiben, daß m. Sohn in [...] Diensten ist. Seidel hatte ihn in Dresden gesehen, Wunderbar, daß er [...] muß.
18. Juni. Jetzt ist er Adj. des Prinzen u. hat 7 schöne Pferde.

[Und wenn er nicht gestorben ist ...]

(18.07.2009)


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