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Wolffs Tagebuch

Zweiter Teil 1811 bis 1829


MERCKWÜRDIGE BEGEBENHEITEN

der Standesherrschaft, gräflich Callenbergischen
Familie
.
und solcher die damit Bezug haben,
während der in diesem hochgräflichen Hause
in verschiedenen Verhältnißen verlebten
Dienstjahren, vom M. Juny 1767. an: bis 1795.
und von da weiter in andern Verhältnißen in den
Regierungsjahren der Hochgräflich und Hochfürstlichen
Standesherrschaften Familie von Pückler bis 1824.
in allem also 57. Jahr.


Da, wie ich jezt die Versicherung habe, mein Hauß
bey der familie bleibt; so will und bestimme
ich hiermit, daß die gesammelten Nachrichten
in meinem Hauße verbleiben sollen, so lange es
im Besitz der familie bleibt. Es ist nur für
die familie niedergeschrieben.

Ludewig Traugott Heinrich Wolff


[1811 – 1829, auf Wolffs Titelblatt 1824.
Hermann von Pückler.]


1811. 16. Jan. starb der Standesherr Graf Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler – Sohn obstehenden H. Grafen – im Alter von 57 Jahren.
den 22ten ward die Leiche Abends um 6 Uhr in das Hochgr. Erbbegräbnis in gebräuchlichen feyerlichen Leichenzuge geleitet.
Bey seinen Sterben befand sich nur die jüngere Gr., Tochter Agnes hier gegenwärtig, die sich bewegen lies zur Gräfin Schwester nach Buhrau zu fahren. Der Herr Sohn, Herr Graf Herrmann (Successor) war am 15t in Geschäften nach Berlin gereißt und mich mit schriftlicher Vollmacht versehen, bey sich ereignenden Todesfall. In Folge deßen besorgte ich das Nöthige, ordnete die Wachten bey der Leiche, lies versigeln, der Hofgerichts Director gieng zu diesem Zweck nach Reichwalde der Wirtschafts Director muste in diesem Geschäft nach Branitz gehen. Ich schickte sofort eine Estaffette an den nunmehrigen jungen Standesherren mit der traurigen Botschaft, und machte indeßen alle nöthige Vorkehrung, lies den 17t. das Testament des Verewigten im Hofgericht eröfnen – um zu vernehmen ob etwas über die Beerdigung verfügt sey. Es fand sich ein eigenhändig geschriebener Aufsatz, der alles Geprenge verbot.
19. Jan. Kam der junge Standesherr nach Mußkau zurück. Gab mir freundschaftliche Versicherung seines Wohlwollens: erklärte daß er den Sohn des Hofraths Röhde in Dienste nehmen wolle, und genehmigte meine Verfügungen.
20. Verfügte der Herr Graf die Section des Leichnams, die der zeitige Physicus und Hofarzt Herr Doctor Marggraf und AmtsChyrurgus Schefer verrichteten. Ich war gegenwärtig – und es fand sich daß man in Curen das Hauptübel ganz verfehlt hatte und daß er an Steinschmerzen hauptsächlich gelitten und ein Stein in Größe eines großen Eyes – herzförmig gestalltet, harter Maße gefunden und herausgenommen wurde. Der Stein ward aufbewahrt, in die Bibliothek gebracht.
22. war die Leichenbestattung Abends 6 Uhr – ohne viel Gepränge – Ich vertrat dabey des Vasallen Herrn v. Reibnitzes Stelle, der Krankheit halber nicht erscheinen konnte.
     [Beylage:
     Abendgesang bey der feyerlichen Beysetzung Herrn L. C. H. E. v. Pückler
     Anordnung zum Wachten bey der Leiche
     Flohrvertheilung
     approbirte Spenden
     Notifications Schreiben]
Der neue Standesherr beehrte mich mit der Versicherung von 100 Thlr. Pension für mein und meiner Frauen Lebenszeit und Deputat.


wolff2 karikatur1 napoleon ludwig XVI verhaftung


1811. 29. Jan. war der feyerliche Tag der Verpflichtung der Standesherrlichen Behörden an den neuen Standesherrn Ludwig Heinrich Herrmann v. Pückler. Die Vereidigung geschah in großen Speisesaal.
Das Ministerium, alle Beamten, Diener, Verwalter und Jägerey, waren dazu geladen und gegenwärtig.
Mich hatten der Herr Graf zu seinem Geleite beordert. Anrede des HofgerichtsDirector Edelmann war folgende:
Hochgebohrener Graf und Herr!
An der heiligen Stelle wo wir nur erst vor wenig Tagen, der Hülle unsers jüngst verewigten Grafen und Herrn die lezte Pflicht zu erfüllen versammlet waren, stehen wir jetzt wieder in der entgegensezten Absicht die erste Pflicht gegen unsern künftigen Herrn das Angelöbnis der Treue feyerlich zu leisten. Unmöglich ist es daß bey dieser für uns alle so wichtigen Veränderung, mit welcher eine neue Epoche in der Geschichte unserer Standesherrschaft beginnt, nicht ernste Betrachtungen, lebhafte Rückerinnerungen an die Vergangenheit, freudige Hofungen für die Folgezeit, verbunden mit frommen Wünschen für unsers neuen Operhauptes festes Wohl in uns aufkommen sollte. Wir sehen im Rückblick auf die abgelaufene Zeit bis in das graue Alterthum hinaus eine Reihe von Regenten unseres kleinen Staates, deren Streben es war das Glück ihrer Unterthanen zu bereiten, die sich in dem Herzen von Enckeln und Urenckeln ein noch immer bleibendes Denckmahl wahrer Danckbarkeit erbauet haben. Ich darf Ihnen gewiß nur die Nahmen Curt Reinicke, Alexander und Herrmann Grafen von Callenberg aussprechen, um in Ihnen allen Gefühle der aufrichtigsten Verehrung, ihrer Andenckens zu erregen, und wenn ich auf die kaum verronnene Zeit zurückkomme, gewiß dann weyhen sie mit mir eine Thräne kindlichen Danckes unserm verblichenen Ludwig Grafen von Pückler, Ihn, deßen Herz mit der Liebe eines guten Vaters den Seinigen nicht nur, nein, uns alle, und alle seine Unterthanen umfaßte. - O, es ist ein Nachklang höchster Reinheit, wenn am Grabe eines Herrn, seine Untergebenen, die Er als Kinder liebte, gleichsam aus einer Brust, im Seufzerschmerz ausrufen:
in Ihm ist ein treuer Vater uns entrißen! Friede seiner Asche, und höherer Lohn seinem unvergänglichen Wesen in jenen unbekannten Gefühlen des Lichts!
Doch warum die Wunde wieder aufreisen, die tief geschlagen unsrer aller Herzen noch kaum verharschte, warum der Edlen Nachgelaßenen einen Schmertz erneuern, den nur der Zeitgewalt verdrängen kann. Nein, meine Freunde, in unseren Kummer mischt sich die Tröstung wieder, und unsere Thränen wandeln sich in heitere Blicke, denn siehe ein neuer Morgen ist nach der schwarzen Trauer Nacht uns aufgegangen, Er hinterlies uns seinen Sohn, ausgerüstet mit jenen vortrefflichen Eigenschaften, die nur in Ihm, den Verewigten und in allen seiner früher entschlummerten Vorfahren so innig verehren, einen würdigen Nachfolger in der Regentenschaft, den Herrmanns Geist und Ludwigs Herz beseelt.
Ja, theuerster Graf, Sie sind es, aus deßen erhabenen Vorzügen die Hofnung einer heitren Zukunft uns entgegen strahlt. Zwar eine schwere Bürde hat der Vorsicht ewiger Wille auf Ihre Schultern gelegt, die Last der Herrschaft über eine Zahl von mehreren Tausenden, die alle Ihre Kinder werden, und deren Wohl und Weh zum größten Theil in Ihren Händen ruht. Allein mit Jugendkraft gerüstet werden Sie alle die Schwierigkeiten überwinden, die auf der vorgezeichneten Bahn zum erhabensten Ziele, den Wohlstand der Ihrer Oberherrschaft anvertrauten Bürger und Unterthanen zu fördern sich Ihnen entgegen stellen werden. Religion, Weisheit und Tugend seyen die Grundpfeiler auf welche alle Ihre Entschlüße und Handlungen sich stützen.
Das Wachen jener hohen Majestät, das durch einen Winck die ganze Schöpfung in ihr Daseyn rief und sie durch nie gestöhrte SeegensKraft erhällt, erfülle immerdar Ihr Herz, daß lebhaft für die Menschheit es erglühe, und Ihr mit mannigfachen Vorzügen ausgestalteter Geist erstrebe emsig sich mit dem reinem Quelle des Guten zu vereinen. Als Bürger eines Staats mögen Sie ein Vorbild des Gehorsams gegen unsern König allen Untergebenen seyn und ihre Kräfte ganz dem Vaterlande durch treue Führung des Ihnen verliehenen Herrscheramts widmen, damit Sie in Ihren Unterthanen auch dem Staate gute Bürger ziehen, und so Ihr eignes Glück in andrer Wohlfahrt finden mögen! Dieß sind die frommen Wünsche, gnädiger Graf, die die vor ihnen stehenden Behörden für sich und als Representanten Ihrer Bürger und Unterthanen in dieser feyerlichen Stunde Ihnen weyhen, mit welcher sie zugleich am Throne des Allerhabenen für Sie und Ihr erlauchtes Hauß den besten Seegen, und dauerhaftes Wohl, und Ihren Unternehmungen folgreiches Gedeyn im stillen Gebet erflehen.
Vor uns aber, geliebte Freunde, sey dieser Tag dem ernsten Dencken über uns, und über unsere Ammts- und Bürgerpflichtenumfang geweyhet, und das Gelübde erneuern einmüthig sich, daß alle unsere Kräfte wie ferner in den uns angewiesenen Kreisen, als Diener und Beamte treu verwenden, und zur Unterstellung sittlicher Ordnung und Förderung der Mittel zum Bestehen des ganzen wircken wollen. Als Diener öffentlicher Religions Übung sind, würdige Männer, sie durch Wort und Thaten in einer Reihe von Jahren wirckend, für das edelste Geschäft der Menschenbildung zu der Vollkommenheit gereift, nach der ich, ich fühl es selbst, vergebens unter uns so Mancher strebt. Die Silberlocken, die ehrenvoll ihre Häupter umglänzen sind Bürgen, daß sie der heiligen Bestimmung eingedenk, auch in Zukunft unter unseres neuen Herrn Regierung nicht nur als Beysizer einer zur Leitung der Volckserziehung und Ausübung der Vorzugsweise unsrer Herrschaft verliehenen Kirchlichen Gerichtsbarkeit niedergesetzten Behörde, sondern auch als Lehrer der Sittlichkeit und Beförderer guter Anstalten, für Minderung des physischen und moralischen Elends kräftig wircken und so den längst betretenen Weg des Guten bis zum Grabe gehen wollen werden. Der Ernst in ihren Blicken schon erscheint der Ernst mit dem im Innern des Gemüths sie diesen Vorsaz aufgefaßt, und es bedarf der eydlichen Verpflichtung nicht nur deßen Ausführung bindend zu machen. Drum sey der feyerliche Handschlag der jetzt zur Bekräftigung meiner Worte abgegeben, nur ein Simpol derjenigen Verehrung gegen unser künftiges Oberhaupt.
Auch wir verehrte Mitarbeiter im Gerichtshof, wollen aufs neue das umfaßende unsrer, in dem gedachten Wirkungskreise für Aufrechthaltung bürgerlicher Ordnung uns auferlegten Pflichten ins Gemüth und bleibend prägen und eingedenck stets seyn, daß nur durch angestrengte Thätigkeit, Erweiterung unserer Kenntniße und Erfahrung durch eine strenge Unpartheylichkeit und Entfernung aller Einmischung von Leidenschaft in die Geschäftsführung es möglich ist, dem großen Begriffe: Gerechtigkeit zu entsprechen daß aber auch die Gefühle der ächten Humanität uns stets begleiten müßen, damit das strenge Recht sich mit der Milde vereinbare, und so verhütet werde, daß je das Laster dem Gesetze spotte, je ein bedrängter Hilflos von uns gehe und die gebeugte Unschuld uns verwünsche. Nicht minder wichtig und voll Einfluß auf das Ganze ist der Geschäftsbezirck, der Ihnen meine Herren und Freunde als Vorgesetzte und Verwalter der einzelnen Zweige des Kameralwesens in hiesiger Standesherrschaft anvertraut ist. In ihren Händen liegt die Administration der äußern Mittel zur Erhaltung, zum Bestehen der gemeinen Sache Verwaltung, welche ohne die pünktlichste Ordnung und gewißenhafteste Treue, gerathe dem Zweck entgegen streben, und mit der Vernichtung der Möglichkeit einer Subsistenz, den Einsturz des ganzen Gebäudes fertig führen würde, eines Gebäudes, daß troz allen Stürmen von außen, die Feuergluth und Überschwemmungen und des Kriegs verheerende Folgen in der Vergangenheit mit sich brachten, doch so fest erhalten worden ist. Nur durch eine weise Leitung, durch treue Administration ist dem in unsern Tagen der seltne Vorzug des evektiven Vertrauens der Auswärtigen und Benachbarten, den unsere Standesherrschaft im weitem Umfange genießt – erzeugt worden. Nach fernerhin sey redliche Benutzung aller Quellen des Erwerbes und aller Einkunftsmittel das Ziel des Strebens derer, die das Ruder der Verwaltung führen. Dabey vereine sich gleichmäßig Sorge für Vermehrung und wohlberechnete Verwendung des Ertrags. Doch jeder sey entfernt von Eigennuz und von Bedrückung gegen Unvermögende, damit der Redlichkeit Bewußtseyn ihn belohnt, und nicht des Armen Thräne ihn verfolge.
Wohlan! wir insgesammt in den uns angewiesenen Kreisen, wir wollen jezt aufs neue uns verbinden nach Kräften unsere Pflichten zu erfüllen, und solches jezt im Angesicht des Allgegenwärtigen durch Eyd und Stipulation in unsres Künftigen Herrn Hand geloben.
Sind Sie bereit, auch fernerhin die Ihnen obliegenden Amts- und Dienstpflichten Ihrer Schuldigkeit gemäß, treu zu erfüllen, so bekennen Sie solches durch ein deutliches: Ja!
So gebe ich demnach, gnädiger Graf und Herr, zuvörderst im Nahmen des Hof und geistlichen Gerichts den Handschlag der Treue ab.
Mir folge der zukünftige Director des WirtschaftsAmtes, für sich und die Rentamtlichen Diener und Verwalter. Ihm der Forstmeister, in seinem und der gesammten Forstleute Nahmen.
Bevor wir dieses Versprechen mit dem Eyde bekräftigen, erwarten wir von Ihnen H. Superintend einige Worte zur Beherzigung der feyerlichen Handlung.
1811. Anrede des Standesherrn, Herrn Grafen Herrmann von Pückler – nach der Eydesleistung am 29. Jan. 1811
Meine Herren Geistlichen! mein Hofgericht, meine übrigen Beamten! Der Rath diese Stadt! und alle meine treuen Diener, die ich hier um mich versammelt sehe!
Wir haben so eben eine feyerliche Handlung begangen, zu der ich kaum hoffen mochte, kaum fürchten konte, Sie so bald um mich versammelt zu sehen. Als Sohn des Verewigten deßen irdische Hülle noch vor wenig Tagen hier ruhte, den lezten wohlverdienten Zoll der Thränen empfing – ersparen sie meinem Herzen jede zu schmerzliche Erregung! Er schlummere in Frieden! – Mir ist nun diese Herrschaft zugefallen. Das Leben das immer fort schreitet, duldet keinen Stillstand, und seine Geschäfte wollen ununterbrochen verwaltet, mit Gleichmuth gethan seyn, gleichviel was jeder in seinem Innern verberge. So ich, so jeder in seinem Hause daheim. Ich wünsche Ihnen allen jedem in dem Kreise der Seinigen alles Glück, welches die Gottheit überhaupt den Erdbewohnern ertheilt hat. Das muß jene ertheilen, ich kan es Ihnen allein nicht geben: ich kan es Ihnen nur sichern und schützen.
Aus Vorsehung und Bestimmung finden wir uns alle Lebensgenoßen an demselben Ort vereinigt zu wircken. Sie wollen das Gute in meinem Kreise thun, Sie wollen Ihr Daseyn an das Meinige anschließen! Sie haben dieß angelobt, Sie werden es halten. Es ist mir nicht niederschlagend, daß Nüzliches beynahe zum Ermüden viel hier zu thun seyn wird, es ist mir im Gegentheil höchst erfreulich – denn der Menschenleben ist Arbeit; und so Großes oder Kleines, viel oder wenig hier zu thun sey, so kan es gut gethan werden. Und so sey es auch Ihnen erfreulich. Wir wollen nicht müde werden. Ich will alles gern hören, alle gern thun, was irgend möglich ist, und Sie, meine treuen Diener, sollen die schöne Bestimmung haben, mir beyzustehen Menschenwohl zu befördern. Aber, hören sie mich jetzt, hören Sie mich und merken sie es: Ich hoffe, daß jeder sein ihm obliegendendes Geschäft treu und eifrig versehen und verwalten wird, und ich erkläre es laut, daß ich gegen einen Treulosen und Nachläßigen ohne Schonung verfahren und ihn aus unserm Kreise verstoßen müste. Ich wünsche dieß nicht. Ich fürchte es nicht. Aber aussprechen muß ich es. Dagegen soll jeder mein Freund seyn, und Theil an meinem Herzen haben, der in seinem Fache das Seine treu und redlich thut, der meinen Unterthanen leutseelig begegnet: der sie mir hilft zu Menschen ziehen: der mir den Zweck zu erreichen erleichtert, wozu die Vorsehung sie mir zur Leitung anvertraut hat. Es giebt jemand Höhern über uns, der jeden von uns mit unsichtbaren Banden an sich hält, ihn durchschauet und in ihm wirckt. Nicht allein an mich – an diesen Höheren, an das Gute, an das Gesetz haben sie sich verpflichtet; und daß sie dem folgen wollen, und in dem Gebiet dem ich vorstehe, es treu und unverdroßen ausüben wollen, darauf haben sie Ihre Hand erhoben und geschworen. Dazu geben sie mir auch nun auf Herz und Seele, und das gelobe auch ich, und nehme Sie zum Zeugen
an das Consistorium.
Sie, meine Herren, bedeute ich, auf den Geist der Zeit, auf den Gang der Bildung außerhalb unsrer Grenzen wohl Acht zu haben. Wir leben, wir würcken alle zu einem Ganzen, zu einem Ziel, es soll gut auf der Erde werden, daran arbeiten alle Seckten, ja selbst unwißend Mohamedaner, Feuerdiener und Heyden. Wohin wir gelangen sollen das kan uns nur die Außenwelt lehren. Ziehen Sie also das Gewonnene, das Geförderte von daher in unsern Wirckungskreis, bequemen sie es für die unsrigen, hindernn sie wenigstens nicht die Aufklärung und üben sie Toleranz, dulden sie alle, wie alle uns dulden, und so wird uns der gnädig seyn der uns alle duldet, erzieht, der uns alle liebt – der droben.
An das Hofgericht
Ihnen, meine Herren, kan ich nur wenig ins besondere sagen, hl der allgemeinen Crisis in welcher sich unsere ganze Verfaßung befindet, kan ich Ihnen nur andeuten an Humanität ändern Gerichten nicht nachzustehen. Man muß auf das Vergehen aber auch auf den Menschen der sich vergeht Rücksicht nehmen. Die Strafe ist das Medium, die Vermitlung zwischen Gesetz und Menschen. Prozeße wünsche ich so viel als möglich zu vermeiden. Der ist der beste Arzt, welcher mit gelinden Mitteln Krankheit vorbeugt, und Versehn durch Belehrung, Haß und Feindschaft durch Versöhnung zuvorkommend, werden sie mir und ändern sehr löbliche Richter und werthe Männer seyn.
an den Stadtrath
Von Ihnen, dem Rathe dieser Stadt, erwarte ich, daß die Stadt in Ordnung gehalten, und durch gute Polizey streng beobachtet werde. Was geboten ist, darf nicht vernachläßiget werden, nicht einschlafen. Dazu ist es geboten, gehalten zu werden. Die Bürgerschaft höre ich, soll in mannichfacher Unruhe und Zwiespalt seyn. Laßen sie die Bürger versammeln, sagen sie Ihnen: ich lasse sie freundlich begrüßen, sie sollen sich verständigen was sie wollen. Es soll mir vorgelegt werden, und es soll mir lieb seyn, ein mir und ihnen billiges Abkommen zu treffen, damit jeder sein Gewerbe und Geschäft von nun an fleißig wie es einem ruhigen Bürger geziemt treibe. Dafür sorgen sie.
Zu allen gewendet in die Runde
Von Ihnen allen aber insgesammt fordere ich, Eintracht, Willfährigkeit und Freundschaft untereinander, denn sie dienen alle einem Herrn. Was jeder Werth ist, soll er mir werth seyn! Schelsucht und böser Leumund sey fern von Ihnen. Nur die Wahrheit soll gelten, denn sie ist das Glück, und das soll mir immer in Ehren seyn.
[Beylage: Vorschläge zum Reglement dieses feyerlichen Tages.]
Personen Verzeichnis der zur Tafel gezogenen und der beym Gastwirth Säuberlich für 12 gl. die Person gespeißt gewordenen Personen.
George Röhde ward als HaußSekretair angestellt.
M. Febr. Die Entsiegelung und Inventur geschahe. H. Graf Schulenburg als Vormund der Schwester Agnes, d. H. Graf Kospoth und H. Fürst Carolath waren zugegen. – Ich als Bevollmächtigter des Standesherren.


wolff2 karikatur2 barras madame tallien josephine 1797


1811. H. Graf Curt Callenberg übernahm die Vormundschaft der Gräfin Agnes Pueckler
M. May. Todt des Wirtschaftsdirector Schlabckes
M. Mart. Kammerdiener Hilckes Anstellung als SchloßInspector, deßen Frau als Ausgeberin
M. May. deßen Entlaßung
M. Juny. D. H. Grafens Lehnsverreichung in Görlitz
M. Gbr. Lehnsverreichung in Lübben, von Branitz
M. Juny. Anstellung der Kastellan Gerberin aus Berlin
21. Juny. Schreiber dieses zum Intendanten ernannt
14. Jul. Fr. Gräfin Seydewitz schenckt 50 Thaler für die Abgebrandten aufm Berge – Wirthsch:Director Schulzes Anstellung
15. Octbr. Tafeldecker Camenz entlassen
23. d. H. v. Reibnitz als Hofrichter angestellt
22. Dec. Hofprediger Lehmanns Probepredigt

1812. 4. Jan. Durchreise des Königs von Sachßen aus Pohlen nach Dresden. Der Herr Graf gab demselben Vorspann und ritt vor von Ziebelle bis Schleiffe.
15. Febr. Duellgeschichte – zwischen Standesherren und einem Herrn v. Meyer – bei Branitz – sie fand nicht statt – denn H. v. Meyer wurde durch Militair arredirt und transportirt.
19. May. Frau Gräfin Charlotte Pückler geb. Kracht verlies Mußkau und zog nach Berlin
1812. 25. Octbr. starb der K. Preuß. Kammersänger H. Concialini allhier im Schloß bey einem Besuchaufenthalt, und ward den 27ten allhier aufm Kirchhofe beerdigt.
10. Decbr. ward der Herr v. Gersdorff als General Bevollmächtigter der Herrschaft angestellt. H. Leopold Schefer als General Inspektor, gab seiner Person eine große Wichtigkeit
H. George Röhde als Rechnungs Exminator
berüchtigte Auction der Branitzer Meublements durch diese zwey Matadors
15. Dec. Abreise d. H. Grafens nach Berlin
21. Dec. Tod des Hofrath Röhdes
27. Dec. Vermählung der jüngeren Gräfin Agnes Pückler mit d. H. Rittmeister Grafen von Pückler in Buhrau. Woselbst deren Frau Mutter angekommen war und die Hochzeit ausrichtete. Ich und die Fr. Doctor Clauswitzen waren von der Gräfin Mutter dazu eingeladen – und dahin abgeholt.
Pastor Kallenbach verrichtete die Trauung
Die Tafel bestand aus 18 Couverts Familie
Auf einem kleinen formirten Theater führten die Herrschaften Geschwister – von Göthe auf
28. – um 11 Uhr Brautsuppe
Zur Tafel kamen noch einige Gäste – Tafel Musick –
nach der Tafel ergözte ein Theil der gräfl. Familie durch ein kleines selbst gedichtetes Theaterspiel
Harfner: Bilgerm. und Zwergbewohner der Morizburg

1813. 25. Febr. Bey den Überhand nehmenden Kriegsunruhen und überhäuften Durchmärschen von Kriegern aller Nationen lies ich ein gemeines Behältnis herrichten und verbarg alle Sachen von Werth auch einen Theil der besten Weinsorten sowohl für Herrschaft als Freunde.
3. May. kam d. H. Graf wieder hier an.
18. May. Unruh und Sorgenreicher Tag. Es war militairische Execution gedroht – wenn die ausgeschriebene übermäßige Fouragelieferung nicht geschafft würde. Der Hofger.Director Sieber hielt sich deshalb den ganzen Tag bey mir auf.
19. u. 20. May hatte 2500 M. Rußen hier Quartir.
und so gings Tag von zu Tag. Es war die Preuß. und Ruß. Retirade. Oberst Brendel mit seinen Koßacken bevuaquirten jenseits der Neußbrücke, und machte sich sehr fürchtbar.
Waffenstillstand
Nun kamen französische Durchmärsche.
15. July. Abgang der Kastallan Langin
31. July. Ertranck der Bediente Heldner – beym baden in der Neuße
10. Aug. das Militär feyerte Napoleons Geburtstag in der Kirche.
Große Tafel auf der Reitbahn.
Die Begräbniskirche wurde zum Lazareth eingerichtet
18. Aug. ward die Neußbrücke abgebrannt.
4. Sept. Ein Rußischer Partheigänger Prinz Madadow mit 1500 Kosacken vorm Köbler Thor. Er selbst mit seiner Suite von Adjutanden, Officirs und Pferden nahm sein Quartir in meinem Hause. Auf deßen Ordre ward der herrschaftl. Weinkeller ausgeleert. Eine Kiste mit Landkarten und Briefen aus der Bibliothek genommen. –
Der Sieg über Napoleon ward bey Leipzig errungen
21. Oct. Durchmarsch – 2000 Rußen
23. – – – 3400 –
27. – – – 2800 –
28. – – – 500 Preußen
30. Octbr. Abreise d. H. Grafen zur Campagne
2. Nov. Rußen Durchmarsch 3200
4. – Preußen Durchmarsch 2000

1813. 9. Dec. Discusion mit den ViceGraf Schefer – mündlich und schriftlich über große Consumtion.


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1814. 3. Febr. Nach den Kriegs Drangsalen, schenckten der Herr Graf Curt Callenberg durch Anweisung an seine Armenkasse beym Super. Vogel 100 Thaler für die Armen. Davon erhielt ich 30 Thlr. und die Clauswitzen 15 Thlr.
1814. 9. Febr. Der Kastellanin Dlle. Tamm den Dienst aufgekündiget und solchen an Röhdes Frau übertragen. –
5. Märt, bey der Commission zur Abschätzung und Erhebung einer Centralsteuer - wurde ich zur ersten Section der Königl. Officianten und Geistlichkeit gewählt und bestätigt.
24. July Röhdes Hochzeit auf herrschaftliche Rechnung. 21 Personen
5. Sept. Schefers Reise nach London zum H. Grafen.
27. Octbr. Kam d. H. Gen. Inspektor Schefer aus London zurück.
Der zeitherige Hofgerichts Verweser Sieber erhielt das Decret als Hofgerichts Director.
Ein Schreiben des Herrn Grafen drückte den Wunsch aus eine HaußUniform an alle Tafelfähige Officianten einzuführen. Es sagt: Ich habe von jeher gewünscht mit allen die mir nicht blos aus Interesse sondern auch aus Zuneigung dienen nur eine Familie auszumachen, davon Chef zu seyn ich Freude habe. Um hiervon auch ein äußeres Zeichen zu geben, habe ich mich entschloßen eine HaußUniform zu schaffen die ich selbst in Mußkau tragen werde, und die ich hiermit allen meinen Officianten welche Tafelfähig sind, zu tragen erlaube. Ich wünsche zugleich daß Sie sobald als möglich von dieser Erlaubnis Gebrauch machen mögen, und in derselben bey meinem Feste welches ich bey meiner Rückkunft Ihnen zu geben Willens bin – sämmtlich erscheinen zu kommen. Das Modell der Uniform, von welcher in nichts abgewichen werden darf, bringt der Generalinspektor von London mit. Die Uniform wird mit Stiefeln und Schuhen und jeder beliebigen Unterkleidung getragen.
30. Octbr. Ward des abwesenden Standesherren Geburtstag auf Seine Rechnung im Schloße mittelst einer Schmauserey gefeyert 25 Personen waren Theilnehmer.
Seit M. Octbr. besteht der große Congress in Wien wobey persönlich zugegen waren
1. der Kayser Franz II. von Oesterreich
2. der Kayser Alexander I. von Russland
3. der König v. Preußen Friedrich Wilhelm m. mit ihren Kanzlern und Ministern
4. der König von Dänemark
5. der König von Bayern
6. der König von Würtenberg
Der Standesherr von Mußkau der den Feldzug unterm Herzog von Weimar als Gen.Adjudant mit gemacht, sich rußische Orden und das Patent als Ruß. Obrist Lieutn. erworben hat – befindet sich gegenwärdig in London. Deßen Heiraths Negoce mit Lady Landsdawn.
1815. Der ViceGraf Schefer wollte mir den Mußkauer Bürgermeisterdienst aufdringen.
7. Febr. Die Leiche der Schwiegermutter des Herrn Grafen Curt v. Callenberg der Frau v. Bassewitz, aus Eichberg wurde hierher gebracht und in die Gräfliche Gruft gesezt.
19t. April. Ankunft des Standesherrn nach seiner Campagne aus London. Es war feyerlicher Empfang vorbereitet. Da aber die Ankunft [1.] Uhr war - so verbat er alles und wünschte Ruhe für heut.
20. April. Presendation der Beamten und Honorationen. Eine Anzahl junge Mädchens überbrachten ein Gedicht. Die Schützen zogen auf und brachten ihr Lebehoch. Abends war die Stadt illuminirt.
      [Beylage des Gedichts, von den Töchtern Seiner Bürger.]
12. May. Der gewesene Kammerdiener Hilck ward zum Bürgermeister installirt
l. May. Eine LieblingsNeigung beschäftigte H. Grafen mit Anlage und Formirung eines Parks und Verschönerung der Umgebung des Schloßes. Zu diesem Zweck wurden die den großen Garten einschließenden Mauern und Graben abgetragen und ausgefüllt, und die mit einer Ausdehnung mit Innschluß des Neußeflußes bis über die Köbler und Braunsdorfer Berge zu einem großen Umfange vergrößert. In diesem Bezirk lagen viele Bürger und Bauern Acker und Grundstücke, die durch kostbaren Ankauf und Vertauschung herrschaftlicher Grundstücke erlangt werden mußten. Der Standesherr erlies desfalls folgendes Schreiben an die Bewohner Mußkaus:
      [Es folgt der berühmte Aufruf an die Muskauer Bürger.*]
Eine Abgeneigtheit die Mußkaus Bürgerschaft gegen die Herrschaft befangen hatte, beschwüchtigte die Acquisition außerordentlich, und nur mit beträchtlichen Opfern, war der Standesherr im Stande die in diesem Bezirk gelegenen Grundstücke als Eigenthum zu erwerben und seine Anlagen zu Stande zu bringen. Jetzt ist eine neue Schöpfung entstanden, die sich eine ausgebreitete Berühmtheit erworben und ohnstreitig in der Folge einzig ihrer Art seyn wird. Auf einem wüsten Sandberge ohnweit Köbeln ist eine anmuthige Pflanzung von allerley theils fremden Bäumen und Buschwerg mit mannigfaltigen Parthien und Lauben entstanden. Wer nicht vorher das Oede der Gegend sah, bewundert die Schönheit der Natur, ohne zu ahnen, daß Kunst, Fleiß und Kosten allein hier diese Bewunderung zuwege gebracht hat.
Hier ist den Mußkauern und allen Lustwandlern der angenehme Versammlungsplatz bereitet – wo die in einem ländlichen Hause und einem Salon – zweckmäßig meublirt – einen zierlichen Kegelschube mit Wirthsleuten versehen – alle Refraichessements haben können, und wohin die prächtigen Gänge durch den Park, die mit mannichfaltigen einladenden Parthien und Ruhesizen ausgestattet sind, führen und wo auch täglich sich oft zahlreiche Gesellschaft einfindet, und wo im Sommer Concerte und Bälle gegeben werden!
Eine Abgeneigtheit, die Mußkaus Bürgerschaft gegen die Herrschaft befangen hatte, beschwichtigte indeß die Acquisition der dazu erforderlichen Grundstücke außerordentlich, und erschwerde diese angenehme Schöpfung.
Sachßens Verkleinerung zu Vergrößerung Preußens
Rußische Durchmärsche
3. Aug. Huldigungsfeyer an Preußen
5. Aug. Ankunft der Fr. Gräfin Seydewitz mit ihrer Tochter der Gräfin Agnes
Sie versicherte mir eine Pension von jährl. 50 Thlr.
Überlies dem Standesherrn den freyen Gebrauch von Hermansruh
Neue Schöpfungen daselbst.
8. Sept: Der Graf gieng ins Bad
23. Octbr. Rückkehr deßelben
2. May. Starb die verwittwete Frau Gräfin v. Callenberg gebohrene v. Oertzen – auf ihrem Gute Gollmitz in der Uckermarck.

1816. 25. Febr. logirte sich der Herr Graf in das ehemalige Röhdische Stadthauß.
7. April. Reißte d. H. Graf nach Berlin, und das Meublement wurde aus dem Stadthause wieder ins Schloß gebracht.
20. Octbr. kam d. H. Graf wieder in Mußkau an
Luftreise des Herrn Grafens mit P. Reichard den 9. Octbr. in einem Luftbalon
21. April. Gab d. H. Graf der Lücknitzer Gemeinde Eßen Trincken, Tanz im Freyen, zwischen den Neuße und Linden Allee, auch Illumination
23. April. D. H. Graf lies mir durch Röhden melden, Er werde unter 6 Jahren nicht wieder nach Mußkau kommen. Alle Arbeit, alle Anlagen sollten aufhören. Koch und Haußdienerschaft entlaßen werden. – Dieser Entschluß änderte sich indeß.
20. Octbr. kam d. H. Graf wieder in Mußkau an.
20. Novbr. Reißte er wieder nach Berlin


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1817. 21. Jan. Starb der Herr Graf Curt von Callenberg – der letzte dieser Familie, zu Dreßden und wurde nach Mußkau in das gräfliche Erbbegräbnis gebracht.
27. Jan. Wurde der gräfl. Leichnam von seinem Kutscher und Pferden anhero gebracht. Er langte Vormittags 10 Uhr in Begleitung eines Bedienten an. In meinem Hofe ward Halt gemacht – Der Abschiedsbesuch bey mir – Der Sarg ward vom Wagen auf die Bahre gesezt, mit den hiesigen Schüzenleichentuch behangen, und als General-Major, Kayßerl. Oestereich. Kammern, und Johanniter Ritter, mit diesen Insignien, als Degen, Stock, Hut, Sporrn, Kammerherrenschlüßel und Johanniter Orden belegt und behangen, um l Uhr ertönten die Glocken. 12 Schützen in voller Uniform, unter Führung des Adjutanden, erhoben den Sarg und trugen ihn zur Kirche. Ich, sein Bedienter und sein Kutscher giengen hinterm Sarge. Am Kirchhofthor empfing ihn die Schule und die Geistlichkeit. Ein sanftes Praeludium mit der Orgel empfing ihn beym Eintritt in die Kirche. Die Leiche ward über die gräfliche Gruft gesezt: man sang das Lied: Wie sanft sehn wir Frommen aus dem Anfange des Gesangbuchs. Worauf der Superint. Vogel die Kanzel betrat und über vorgeschriebene Textes Worte predigte. Dann sang man die Arie: Wie sie so sanft ruhn pp. nach deren Beendigung der Sarg in seine Ruhekammer gesenckt und neben seinen Herrn Vater placirt ward. Auch noch bis dahin folgte ich und weyhete diesen beyden Särgen eine Thräne, und dachte – ruhe sanft! bald werden wir uns wiedersehen. Folgendes sind die Kosten der Bestattung:
20 Thlr. --- ,, --- an H. Superintendent Vogel
  8   ,, --- ,, --- an H. Archidiakonus Jannach
  6   ,, --- ,, --- an Hofprediger Lehmann
  5   ,, --- ,, --- an Rector Seydel
  5   ,, --- ,, --- an Cantor Zier
  5   ,, --- ,, --- an Organist
  5   ,, --- ,, --- an Kirchenkor
  3   ,, --- ,, --- der Schule
10   ,, --- ,, --- fürs Leuten
  1   ,, --- ,, --- ArmenCaße
  5   ,, --- ,, --- einem Mareschall
12   ,, --- ,, --- den Schützen
  1   ,, --- ,, --- Schützenbothe
  1   ,,  8  ,, --- fürs Leichentuch
  4   ,, --- ,, --- den Todtengräbern
  3   ,, --- ,, --- der Leichenfrau
  3   ,, --- ,, --- Maurermeister u. Handlanger beym öfnen und schließen der Gruft
  3   ,, --- ,, --- für Wein, Semmel, so die Träger erhalten haben und [...] Band und Seide

Wie hätte ich glauben können, als ich vor 50 Jahren – ja in diesem Jahre werden es 50 Jahr – in die gräfl. Callenberg. Dienste trat; Jeden ehrwürdigen Vater, meinen Bildner noch in der Gruft segne, beyde edle Söhne in der schönsten Blüte kennen, schätzen und lieben lernte – wie hätte ich das grausame Schicksal ahnden sollen, diesen Dreyen – Versorgern, Wohlthätern und Freunden, – mußt du dereinst allen Dreyen ihr Begräbnis besorgen!

1817. 6. April. Arglist und Chicane Herrn Neumanns zogen des bisherigen Hofgerichts Director Siebers Verabschiedung herbey.
4. April. Herr Graf feyerten meinen Geburtstag – lies mich zur Tafel laden – lies eine Tourte mit 68 Lichtern auftragen und meiner Gesundheit in Champagner trincken. 4. Juny. Feyerliche Einholung der Frau Gräfin v. Seydewitz und ihren zwei altern Gräfinnen Töchtern die aus Buhrau über Hermsdorf kamen. Der Herr Graf und Graf Max Seydewitz ritten in Begleitung der Jägerey entgegen. Ohnweit der Neußbrücke war eine Ehrenpforde aufgeführt. Gräfin Agnes – als Bäuerin gekleidet empfing Ihre Frau Mutter in meiner Begleitung daselbst – Das Ministerium der Beamten bewillkommten Dieselbe an der Ehrenpforte und die Schützen zogen mit bis ins Schloß.
5. Juny. Geburtstagsfeyer der Fr. Gr. Seydewitz – große Tafel Abends Schauspiel, prächtige Illumination mit Lampen und Pechfackeln – Ball mit richtiger Bewirthung bis 5 Uhr früh.
14. Juny. Abreise der Fr. Gr. Seydewitz.
12. July. Ankunft der Fr. Gräfin Pappenheim, geb. Gräfin Hardenberg Reventlow aufm Jagdhause. Der Herr Graf fuhr ihr bis Podrosche entgegen und führte sie dorthin.
22. Jul: war Ihr sollenner Einzug in Mußkau als Brauch des Standesherren – Abends, das ganze Schloß war erleuchtet
27. Jul: waren beyde Herrschaften ein für allemahl aufgeboten
9. Octbr. ward die vollzogene Vermählung von der Kanzel verkündiget.

1817. 21. Sept. Fr. Gräfin verehrten mir ein Dejeuné von franz. Porzellan – Caffee – Thee - und Milchkanne, 2. p. Taßen und Beystell Zuckerdose
23. Sept. Prof. Rust aus Berlin war hier. Mit demselben über Charlottens Auge gesprochen – ihn solches besehen laßen. Er erklärte es als grauen Star. Rieth nicht zur Operation.
9. Octbr. Kam die fürstl. Carolathsche Herrschaft zum ersten mal zum Besuch.
17. – Graf und Gräfin fuhren nach Dreßden. 26. zurück gek.
9. Nov. erste sollenne Presendation aller Mußkauer Honoratioren männlichen und weiblichen Geschlechts an die Frau Gräfin. Ball – herrliche Bewirthung.
11. Gbr. Fr. Gr. reißte nach Berlin, kam d. 27. zurück.

1818. 9. Jan. bey einem im Säuberlichschen Gasthofe gegebenen Maßkenball, verschiedene hiesige Hochgräfl. Herrschaft und auch die Fürstl. Carolathsche Herrschaft.
10. Jan. Erhielt ich das Original Gemälde des H. Grafen Hermann von Callenberg aus der Verlaßenschaft der verstorbenen Gemahlin aus Gollwitz und überbrachte es der Frau Gräfin.
In Auftrag den Koch, die Köchin und das Haußmädchen ihre Dienste aufgekündiget – indem die Herrschaft eine langwierige Reise zu machen vorhabend waren.
17. Febr. ward der K. Schwedische Gen. Consul Dehne als Administrator vorgestellt.
17. Märt. Reißte der d. H. Graf nach Paris ab
21. – Folgte die Frau Gräfin
12. May. Kam die Frau Gräfin Seydewitz aufs Jagdhauß
22. – Ging sie nach Buhrau
23. Juny. Mit den Hofrichter die Denunciation des Förstern Sähring gegen den Forstmeister Götze, mit deßen Vornahmen und Zeugen Abhören angefangen. Die ganze Sache war Bosheit und Kabale Sährings, ohngeachtet sie manche Fehler erwies.

1818. 20. Märt. Verehrte ich der Fr. Gräfin ein von der Frau B. Dieden erhaltenes Bracelet mit dem Gemälde des Grafen Herrn. Callenberg.
26. May. Ist die Frau Gräfin Callenberg, geb. v. Bassewitz zu Wien verstorben. 12. Sept. Kam die Frau Gräfin von Ihrer Pariser Reise wieder in Mußkau an.
2. Dec. Kam d. H. Graf an.
16. Sept. die 50jährige Jubiläumsfeyer des H. Superint. Vogels mit Gottesdienst – großen Tafel beym Gastwirth Säuberlich von 80 Couv. Die Person zahlte l Thaler. Die Herrschaft verehrte ihm einen silbernen schon mit Inschrift versehenen Pokal – Wein und Wildpreth pp. Frau Gräfin führten den Jubelgreiß selbst in die Kirche.
23. Sept. führte Frau Gräfin Ihre adoptirte Tochter Helmine hier ein. Etablierung einer großen Brauerey – Annahme eines bayerischen Brauers – mit Nahmen Fischer. Kostbarer Bau einer dazu geforderten Kellerey an Braunsdorfer Berge.
Schöne Einrichtung des Jagdhaußes deßen Besitzthumsrecht der Fr. Gräfin v. Seydewitz abgekauft worden. – Wohin die Fr. Gräfin Ihren Gemahl den 20. Dec. einführte und Ihm damit ein angenehmes Cadau bereitete.


wolff2 karikatur5 gillray napoleon menetekel


1819. M. May. Antritt des WirtschaftsDirector Domaschkes: Antritt des Baudirektor Wimmels
27. Juny brannte die Neustadt ab
16. Aug. reißte die Herrschaft ins Bad nach Töplitz. 21. Sept. Rückkunft
6. Octbr. Antritt des Allaun Directors Thomas
M. Septbr. Weindiebstahl durch den Jäger und Tafeldecker Bronsard und Einheizer Kupcko. Beyde wurden fort gejagt.

1819. 8. Novbr. Anzugspredigt, des Hofprediger Petricks – Ein Neologe ganzen Sinnes – deßen Lehren viel Schaden und den Nichtfestgegründeten Gläubigen verwirren wird.
28. Dec. Erhielt das Gemälde der Frau Baron Diede, das aus der gräfl. Callenbergischen Verlaßenschaft an die Frau Gräfin v. Ranzau gekommen war – auf meine Bitte von derselben und überbrachte es der Frau Gräfin, nach Ihren Wünschen.
1820. M. May Antritt des Schloß Inspektoren Dlle Koch.
20. Juny. Einführung des K. Pr. OeconomieRathes Ludicke als Wirthschafts Vorsteher l. Juny kam die Fr. Gräfin Seydewitz hier an und gieng den 3t. ab.
13. Juny. Ankunft des StaatsRaths Grafen v. Hardenberg, Bruder unserer Fr. Gräfin zum Besuch
19. Abreise deßelben
17. Juny Ankunft des H. Grafen Max Seydewitz (Stiefbruder unseres Herrn Grafen)
10. Jul. Abreise deßelben
24. – Frau Gräfin reißten ins Carlsbad. Kam den 20. Aug. zurück. Ober Direktor Bethe ward in Dienste genommen
25. Febr. Aufdringendes Verlangen H. G. unterzog sich meine Frau der Begleitung der krancken Fürstin von Carolath, auf ein bey Dreßden erkauftes Weinberghauß Zschitschewiz – Die daselbst abgesondert von Allen, eine Kur gebrauchen muste – Sie reißte ab 9. Mart. und kehrte nach glücklich und gedeylich beendigter Kur d. 29. May zurück
1821. Vom 10. Febr. aßen der OeconomieRath Ludike, H. v. Jagemann / Wirtschaftslnspector, der OberDirector Bethe und Commissionsrath Hempel, bey mir in der Expeditionsstube.
18. April Kam die Frau Gräfin Seydewitz mit ihrer Frau Tochter der Gräfin Kospoth – reißten den 21t. wieder fort.
31. May. Geburtstagsfeier d. H. StaatsKanzlers Fürsten von Hardenberg im Englischen Hause – Schießen – Illumination – Ball. die furstl. Carolathsche Herrschaft war gegenwärtig
2. Juny Diebstahl im Engl. Hauße – eine Spieluhr und silberner-goldner Caffeelöffel
6. July Hofrichter Neumanns Lebens und Verläumdungs- und Klatschwandel hat sein Ziel erreicht. D. H. Graf verbot allen Umgang mit ihm, und untersagte demselben sich im Schloß sehen zu laßen.
7. July. Kam der Herr Staats Kanzler, Fürst Hardenberg – /:Vater der Frau Gräfin:/ zum Besuch hier an.
8. – sollene Presendation aller Beamten und Honoratioren. Stern- und Scheibenschießen beym Englischen Hause. BauernhochzeitsAufzüge
9. große Tafel
10. – Illumination der Stollen des Allaunbergwercks
11. – aufm Jagdhause - große Jagd Abends Schauspiel und figürlicher Prolog
12. Abreise des Herrn StaatsKanzlers nebst Gefolge:
Die Fürstlich Carolathsche Herrschaft waren hier und alle benachbarthen Landwirthe machten ihre Aufwartungen

M. Aug. Herrn v. Lindenaus Bekanntschaft im Schloße
30. Nov. ward er Tischgenoße in der Intendantur
10. Dec. auch Comtess Helmine

1822. 23. Jan. Lindenau und Bethe werden zum Eßen in Vorwerck eingerichtet
1822. 22. Jan. Ein Rezeptbuch – von Küche – Wirtschaft – Medizin, welches der Herr Graf Joh. Alexander Callenberg gesammt und großentheils eigenhändig geschrieben hat – an die Frau Gräfin überbracht und Ihr verehrt.
17. Mart. Kam der berühmte Englische Gärtner Repten [recte Repton] an
20. Mart. In Auftrag der Frau Gräfin, d. H. v. Lindenau alle fernere Bewerbung um C. Helminen aufsagen eink. und demselben alle von Ihr erhaltenen Briefe abgefordert.
7. May. War die Frau Gräfin aus Berlin hier angekommen und brachte für uns die frohe und tröstende Versicherung für Ernestinen – einer Pension für sich auf ihre Lebenszeit von 10 Thlr. monathlich, und für jedes ihrer 4 Kinder bis zu 18 Jahren 3 Thlr. monathlich aus den Königl. Gassen. Eine Wohlthat, die wir unsrer guten Gräfin und derer würdigen H. Vater dem Fürsten Hardenbergnur zu verdanken haben, wofür Gott sie segnen möge.
9. Juny. Erhielt ein Schreiben von den Herrn Grafen, in welchem Er mir meldete: als alten Freund des Hauses, daß der König ihn in den Fürstenstand erhoben habe, und das auf alle Erbfolger Muskaus – was Ihm noch angenehmer wäre als es gerade am Geburtstag seiner Frau Mutter erfolgt wäre.
11. Juny. Kam Graf Sylvius Pückler
M. Juny die Fürstl. Carolathsche Herrschaft, die Gräfin Charlotte Pückler
3. July. Frau Fürstin autorisierte mich die Fürstenwürde d. H. Grafens bekannt zu machen. In Folge deßen im Hofgericht, Rentamt, Wirtschaftsamt und Ministerium persönlich notificirt
Ankunft d. H. Maj. Grafen v. Pückler nebst Gemahlin und Kindern und noch 2 Herren Grafen von Pückler.
15. July. Kam der Standes Herr als Fürst von Mußkau an. Ihm bezeugten Abends mit einem Fackelaufzuge alle honoratiores aus Mußkau Ihre Huldigung - 2 Mareschale 4 Cavaliers d’honneur an ihrer Spitze (wovon ich einer war). Der Hofprediger Petrick ward zum Sprecher erkohren, blieb aber in seiner Rede stecken. Der Fürst nahm das ganze sehr freudig und gnädig auf und blieb nicht in seiner Beantwortung – auf eine nicht gehaltene Rede stecken.
16. July. Aufzug der Bürgerschaft – an deren Spitze 8 junge Mädchen einen Cranz und Gedicht darbrachten – und Ihr Lebehoch brachten.
18. – Aufzug der Schützen – mit ihren dreymaligen Lebehoch Königsschießen – bey welchem Graf Eduard Pückler den Königsschuß machte und sich in Procession hereinführen ließ. Abends war in den Zimmer am Theater Schützenball, bey welchen sämmtl. Herrschaften erschienen
Ich erhielt den Auftrag des Fürsten Dank für bewiesene Attension und Liebebeweise den Honoratioren, Bürgerschaft und Schützen zu erstatten. Was ich durch Umlaufschreiben befolgte.
21. Jul. Die Herrschaften führten Abends ein Schauspiel im Theater auf, bey welchem sehr schöne tableaus aufgeführt wurden, bey welchen die Thierarzt [Haringin] und Säuberlichs Tochter mit figurirten.
22. Abreise Graf Sylvius
Ankunft des Ministers Gr. Buhlow
C. Helmine kranck
18. Sept. Frau Fürstin v. Carolath ward von einer Prinzeß entbunden
29. Oct. Ankunft der Fr. Gr. Seydewitz
30. Octbr. sollene Geburtstags Gratulation Cour aller Honoratioren. Der alte Superint. Vogel sprach die Glückwünsche Aller aus, und d. H. Fürst antwortete sehr schmeichelhaft. Um 2 Uhr erschienen die Schützen und brachten ihr Lebehoch, nach welchem d. H. Fürst das Lebehoch seiner Frau Mutter zubrachte und in einer nachdrücklichen gehaltvollen Rede das Andencken Hermann Callenbergs und Clementine Callenbergs empfahl.
Es wurde unter den Herrschaften ein Transact aufgenommen. Die Frau Gräfin Seydewitz entsagte aller Ansprüche auf die Successen der Herrschaft Mußkau. Der Standesherr ordnete dem zu Folge, ein Majorat, nach welchen der Gräfin Agnes Pückler ihre Kinder den Vorzug haben, dann folgt der Graf Max Seydewitz: diesem die Gräfin Bianca u. diese und zuletzt die Gräfin Clementine Kospoth mit ihren Nachbohrnen. Acten am 5. November
8. Dec. brachte eine Estaffette die Todes Nachricht des Herrn StaatsKanzlers Fürst Hardenbergs, der am 28. Novbr. in Genua gestorben ist – Er war bey der Zusammenkunft der Kayser von Oesterreich, von Rußland, und seines Königs in Verona mit gegenwärtig gewesen. Er ist nach Neuhardenberg in sein Erbbegräbnis gebracht worden. Auf Befehl des Standesherrn muste ich das Trauerläuten auf 8 Tage und gewöhnliche Hoftrauer veranstalten. Der Fürst reiste nach Berlin ab.
15. Dez. reißte die trostlose Frau Fürstin nach Carolath. Ich bat um Abnahme einer Cassen Rechnungsführung.

1823. 18. Mart. kam die Frau Fürstin, u.
22. – der Herr Fürst wieder in Mußkau an
26. April. Frau Fürstin versprach mir auf schmeichelhafte Art die Erfüllung meiner Bitte um einen Stellverthr. meiner Caßenrechnung durch den Verwalter
Ludwig Herr Kammerherr Baron v. Seckendorff ward in der Conferenz als Stellvertreter des Herrn Fürsten von demselben eingeführt und vorgestellt. Es ward das hiesige Bad – bey der Allaunhütte eingerichtet
     Beylage des gedruckten Anzeigers.
Doctor Kleemann, Kreißphysicus – Badearzt
JustitzCommissarius Sieber, Asseßor Seydel, Forst Secretair Mühle zu Vorstehern gewählt, Das gewesene Amthauß ward mit einem schönen großen Saal – BilliardZimmer und verschiedenen Stuben zum gesellschaftlichen Verein geschmackvoll eingerichtet. Ein geschickter Koch als Traiteur. Eine Badewärterin und Badewärter angestellt.
[Siehe auch ff.]

1823. 15. Juny. AllaunDirector ward Geistes krank.
22. Juny. War die erste Versammlung im Badesaal: Koch Lubisch als Traiteur gab Table d’hote – zu welcher sich an 100 Personen einfanden. Die Person zahlte 8 gl. mit Ausnahme des Weines – der aus der fürstlichen Kellerey zu haben war. Das ganze war sehr anständig und vergnügt. Abends war Ball sehr zahlreich das Entree war 8 gl. Nach den Mittageßen begab sich der größte Theil der Gesellschaft nach dem Bade um daßelbe zu sehen und deßen Einrichtung kennen zu lernen. Alle waren von Bewunderung über die geschmackvolle Umgebung und zweckmäßige innere Einrichtung ergriffen. Sämmtliche fürstliche Herrschaften (die von Carolath waren zugegen) und ihre Gesellschaft erschienen ebenfalls – Es wurde bis früh getanzt.
29. Juny. Einweihung des Bades – 13 an Zahl
Mittags war große Table d’hote im Saal, wobey die fürstl. Herrschaft selbst mit ihren geladenen Gästen erschien. Halb 2 Uhr versammelte sich die Gesellschaft im Schloße in dem Zimmer neben der Bibliothek. Von da gieng man paar und paar zum GesellschaftsSaale, wo eine geschmackvoll servirte Tafel von 75 Couverts bereitet war – zu 8 gl. Die Person, mit Tafelmusick. Nach Tische ward der Caffee in einem ebenfalls dazu etablirten Zelte am herrschaftlichen Bürgerhause, dessen Umgebung mit Orangerie besetzt war servirt. Von hier begab man sich zu Wagen und zu Fuße nach dem Bade – und Trinkquell – bey welchem ein zierlich decorirter Salon erbauet war.
Der Herr Fürst von Carolath verrichtete die Ceremonie und gab dem Bade den Nahmen Hermannsbad und dem Brunnen Hermannsbrunnen.
An den das Bad umgebenden Bergen schlängeln sich mühsam formirte angenehme Spaziergänge mit verschiedenen Ruhepunkten mit herrlichen Aussichten – 114 Stufen führen dahin – Bälle und Concerte wechßeln im Badesale und bey schönen Wetter im Zelt wöchentlich. Das Bad ist angelegt zu:
13 MineralWaßerbädern – das Waßer wird in großen Pfannen gewärmt und in bleiernen Röhren zu jedem Bade geleitet. Mohrbäder – Badeschlamm
Dampfbäder
Schwefelräucherungsbad
Duschbad
Eine überbauete und verschloßene Trinckquelle
Das Neu-Entdeckte ist uralt
stets war es jung an seinem Ort
und wirckt mit himmlischer Gewalt
auch jetzt im Dienst der Menschheit fort.
Die ausführliche Analyse der Badequellen ist von den K. Preuß Ober Medicinal-Rath, Dr. Hermstädt aus Berlin, in einer eignen in Druck gegebenen Ausarbeitung erschienen. Zugleich Ein Regulativ über seine Einrichtung und Preise – Der Kreißphysikus Doctor Kleemann war der erste Brunnenarzt. Das Directorium war den H. JustizCommissar Sieber und HofgerichtsAssessor Mühle, übertragen.
21. Jul. Der bereits krancke und die Badekur hier gebrauchte herrschaftliche Mandatarius – K. Preuß. Oberlandesger. Rath Kämpf – mit Sohn und Tochter reißte zum letzten mahl vom Schloße ab.
18. Aug. Verdrüßliche Unterhandlung mit den Bedienten Linke, den der Fürst geschlagen hatte – und der deshalb klagbar werden wollte –
9. Sept. Übertrug ich mit fürstlicher Genehmigung meine bisher geführten Rechnungsgeschäfte an einen neuen Indentanturverwalter Ludwig – so daß ich füherhin nichts mehr damit zu thun habe.
3. Nov. für diesen meinen Stellvertreter die Instruction fertigen müssen.

1823. 22. Nov. Der Fürst reißte nach Berlin
27. – reißte die Fr. Fürstin nach Carolath
31. Decbr. kam d. H. Fürst wieder zurück.
Abschrift des Handschreibens des Herrn Fürsten – über meine Entlaßung, um die ich Alters halber in meinem 74. Jahr gebeten, das ich am 15. July 1824 erhielt.
Lieber Wolff.
Es ist Recht und billig, daß ein alter treuer Diener sein Alter in Ruhe genieße und dem Schoose seiner Familie nicht mehr entzogen werde als es sein freier Wille mit sich bringt. Nehmen Sie es daher als ein Zeichen meiner Liebe und Dankbarkeit an, daß ich Sie vom 1t August an Ihres - für einen Mann Ihres Alters zu mühsamen Dienstes – als Schloßintendant in so weit überhebe daß Sie die Verantwortlichkeit und die Geschäfte am Schloß Verwalter Ludwig übertragen werden und Sie nur gebeten werden ihm wenn er es bedarf mit Ihrem Rath und Erfahrung zu unterstützen und von Zeit zu Zeit zu controlliren ohne mehr an irgendeine Stunde gebunden zu seyn. Gehalt und Emolumente wie es sich von selbst versteht unverändert, und ich wünsche nur daß der Freund Callenbergs und der Meine mir noch lange Zeit die wehmüthig freudige Erinnerung an jene alten Zeiten zurückzurufen mag, die meiner Kindheit so herrlich erschienen, daß keine Wirklichkeit sie mir versagen kann.
Sie erhalten diesen Brief durch Ihren künftigen Schwiegersohn - mit meiner herzlichen Gratulation, daß nun Ihre Kinder sämmtlich versorgt sind, eine Beruhigung die Ihnen ein frohes Alter bereiten muß.
Empfangen Sie schließlich die Versicherung meiner aufrichtigen Hochachtung und den Danck für lange treue Anhänglichkeit an unserer Familie mit welchen Gesinnungen ich stets bleiben werde
Schloß Mußkau. den 12. July 1824
Dir wahrer Freund Hermann Pückler


wolff2 karikatur6 napoleon goes exile elba


1824. 21. Febr. reißte der Fürst nach Berlin
25. Mart. Ankunft der Frau Fürstin
4. April. Auf Verlangen der Frau Fürstin trat ich bereitwillig Ihr meine Wiese zum Austausch bey Arrondirung beym Bade ab. Was Sie sehr froh mit Erkändlichkeits Versicherungen aufnahm.
Es ist mir darüber – bis mir eine andere Wiese verschafft werden wird, eine Versicherung auf 20 Centner Heu alljährlich ausgestellt worden.
3. Jun. kam der Fürst aus Berlin hier wieder an
15. July. Ertheilte der Fürst mir meine lange schon gewünschte und erbetene Dienstentlaßung in einem Briefe worinn Er mir Liebe und Dank für meine langen Dienste ausdrückte
28. do. übergab ich den verwalteten Weinkeller an den an meine Stelle gesetzten Intendanturverwalter Ludwig und hatte die Beruhigung daß mir nicht eine Bouteille Wein fehlte – sondern einige Überbestand sich fanden.
2. Aug. Übergabe aller Materialbestände, somit aller Rechnungen - Inventarien und Schriften des Intendantur Archivs
8. Octbr. Antritt des neuen Allaundirectors Kehlchen –
1. Decbr. War die Vermählung der Pflegetochter der Fr. Fürstin – Helmine Friederike Marie v. Lanzendorff /: bisher Gräfin Helmine genannt/ mit den Ulanenlieutnant Friedr. Bernhard Hans H. v. Blücher – alle Tafelfähige Officianten und Honoratiores waren dazu eingeladen. 6 Uhr Abends war an den neu bekleideten und reich illuminirten Altar der Kirche die Trauung vom Superint. Vogel verrichtet – Herrlich servirte Tafel und Ball beschloßen die Feyerlichkeit.
2. d. Nachmittags 2 Uhr nahm das junge Ehepaar in der grünen Stube neben Bibliothek Gratulations Cour an –

1824. 4. Decbr. reißte das junge Ehepaar von hier ab nach Berlin – Eine besondere Merckwürdigkeit für Mußkau in diesem Jahr ist das Riesenhafte Unternehmen des Fürsten, deßen unermüthete Thätigkeit in Veränderung, Erweiterung und Verschönerung – der Schloßumgebung und des Parks sich besonders aussprach, in a) Anlegung einer Schleuße, wodurch das Waßer aus der Neuße durch den Schloßgraben bis wieder zur Neuße, durch b) einen Kanal, der von dieser Schleuße an gegraben werden mußte. Deßen ausgegrabener Schutt c) die Demolirung der zeitherigen gewöhnlichen Straße aus der Stadt durchs Amthauß nach der Mühle – diese tiefe Ausgrabung – nebst d) dem ungeheuren Grunde des weggerißenen schönen Marstallgebäudes – das in seiner Zerrüttung den Anblick eines beendigten gräulichen Erdbebens anschaulich darstellte – Deßen ausgefahrnes Material mußte dienen, den zeither das Schloß e) rundum umgebenen Wallgraben von einer Seite zuzufüllen – wodurch zwey Brücken abgebrochen, und dafür von der Morgenseite ins f) Schloß eine schöne Auffahrt mittelst einer Rampe bewerckstelligt wurde. Statt einer ehemahligen LindenAllee nach der Kirche führend und eines theils der linckerhand daran gelegen gewesenen Wiese, auch vor Zeiten bekannt gewesenen Reitbahn g) sind jetzt schöne große Waßerspiegel formirt, die schöne Rasenpläze, Baum-, Ziersträucher – beschattete Ruheplätze – und besonders schöne Blumenparthien am Schloße umgeben und durch den Kanal immer frisches Waßer zu und abführen. Auch beim Bade ist nicht allein der Umfang durch Austausch und Ankauf in den Bezirk gelegener Besizungen so wie auch durch Verlegung einer Landstraße sehr viel vergrößert, und durch mühsames und kostbares Umgestalten und Anlegen von Baum- und Zierstrauchgruppen auch Blumen Parthien ausgeschmückt worden. Ein neues Wohngebäude für Badegäste – Ein neues Gebäude zu Moorbädern ist erbauet und durchgängig schon eingerichtet und möblirt worden.

1825. l. Jan. Der Fürst war allein hier. Die Fürstin war in Berlin.
12. dn. und 9. April. Der Fürst lies die Bürgerschaft aufs Rathhauß einladen, erschien selbst mit dem Secretair Dunckel dort und schlug der Commun vor: Ihm das Rathhauß in seinen Brandruinen zu überlaßen, Er wolle es aufbauen und zur Canzley einrichten – dagegen einen jährlichen Canon von 5 Thlr zu geben: ferner, den übrigen Theil des Haages – deßen größere Hälfte den als Generalinspector der Herrschaft angestellt gewesenen H. Schefer bereits als Geschenk verehrt worden war – gegen Anweisung eines andern Lehnplazes und Überlaßung des Holzes auf den gemeinschaftlichen Walde zu überlaßen. Auch machte Er sich verbindlich, das Schüzenhaus deßen Plaz zum Königsschießen weg und zum Köbler Thore hinaus verwiesen war – auf seine Kosten abbrechen und auf den neuen Plaz aufführen zu laßen. Versicherte dabey bey seiner Ehre, daß er nicht Nuzen sondern das Wohl und Aufnahme und Zierde von Mußkau zum Zweck habe. Der größte Theil der Bürgerschaft – die seit Jahren aufstößig und über verschiedene Gerechtsame mit der Herrschaft in Widerstand und Prozeß verwickelt und unzufrieden waren sprachen sich im Widerspruch gegen diese Anträge aus und erklärten sie wollten das Eigenthum ihres Rathhauses erhalten und selbst es bauen. 4. April Rückkehr der Frau Fürstin aus Berlin
25. Aug. wurde die neugebohrene v. Blüchersche Tochter im Schloße Abends 6 Uhr vom alten Super. Vogel getauft.
Der Herr Graf Hardenberg, Bruder der Fr. Fürstin war hier nebst Gemahlin –

1825. 13. Septbr. in der Nacht brannte das Stockhauß ab.
19. Octbr. Kam Fr. Gräfin Seydewitz Mutter des H. Fürsten hier an und blieb einige Zeit hier
M. Septbr. ward das Stockhauß wieder aufgesetzt

1826. 19. Jan. starb der so lange wahnsinnig gewesene Hofprediger Petrick, hinterlies eine Wittwe und Kinder
21. starb auch der alte seit verschiedenen Jahren blind gewesene würdige Superintendent – Joh. George Vogel der sein AmtsPublikum bereits am 10. Sept. 1818 gesegnet hatte – Er hinterlies eine Wittwe und zwey verheirathete Töchter.
25. wurden beyde Geistliche zur Ruh bestattet
26. Des Postmeister Schmiedchen 50jährige Dienstjubelfeier – er erhielt vom Könige die Ehren Medaille
25. Febr. Die Frau Fürstin überraschte mich mit der großen Nachricht Ihrer Ehescheidung mit den Fürsten ihren Gemahl
4. Mart lies der Fürst die Conferenz zusammen kommen und notificierte seine Ehescheidung mit der Art – und verordnete daß das Betragen gegen die Fürstin unverändert bleibe – und Ihr nach wie vor dieselbe Ehrfurcht und Gehorsam bleiben –
20. May. wurde zum erstenmahl das Waßer der Neuße durch die erbauete Schleuße in den gegrabenen Kanal durch den Schloßgraben gelaßen. –

1826. den 4ten Juny. Eröffnung des Bades. Welches sehr zahlreich besucht war an der Table d'hote waren über 100 Personen Abends war Schauspiel im herrsch. Theater - und Ball
den 7t en kam der Graf Hermann zur Lippe – jüngerer Sohn der gebohrenen Gräfin von Callenberg nebst Gemahlin und 2 Söhnen hier an zur Badekur
den 27ten wurde der Thurm des neuerbauten Rathhaußes aufgesezt
28. wurde derselbe mit Knopf und Fahne geziert
den 6. Sept. Man nahm von den alten Schloßthurme den wandelbaren Knopf und Wetterfahne ab. Er wurde erneuert und später wieder aufgesezt. Neue Nachrichten hineingelegt. eine abschriftliche Urschrift aus dem Knopfe befindet sich in den gesammelten Nachrichten.
29. Einweihung des Rathhauses. Es war ein Volcksfest. Früh um 6 Uhr schlug die neue Uhr zum erstenmahl. Die Music blies vom Thurm - Nun danket alle Gott pp. 8 Uhr versammelten sich die Schützen und Bürger, beyde mit ihren Fahnen und zogen zum Schießhause, um ein Scheibenschießen abzuhaltenb. 4 Uhr kehrten sie zurück paradirten auf dem Marckte – Abends Ball.
l. Octbr. hielt der neue Superintendent Pezold seine Anzugspredigt. Ein vortrefflicher Redner und Prediger
5. Sept. reißte der Fürst nach London mit wichtigem Vorhaben
14. Octbr. Frau Fürstin nach Berlin gereißt.
30. – feyerte die Gesellschaft der hiesigen Harmonie den Geburtstag des abwesenden H. Fürsten durch subscriptions Thee Tansant im Saale des Bades – Die Frau Fürstin ward eingeladen und erschien. Der Postmeister Ulrici gab zwey Wagen, und zwey fürstl. Wagen holten die sehr zahlreiche Gesellschaft und brachte sie wieder nach Hause. Auf den Bergen in der weiten Runde brannten Feuer, und die Umgebung des Bades war mit Kienfeuern erleuchtet.

1826. 30. Octbr. Frau Fürstin nahm Theil am Tanz und an der allgemeinen Munterkeit. Der Superint. Pezold sprach in einer paßenden herzlichen Anrede die Wünsche der Gesellschaft für den Fürsten, der auch mit Trompeten und Pauken und Abfeuerung der Pöller und mit der Gesundheit trinken begleitet und von der ganzen Gesellschaft mit einen dreymahligen Lebehoch beschloßen wurde. Der frohe Zirckel belustigt sich bis früh 2 Uhr.
3. Decbr. Installirung des Superint. Pezolds – durch den GeneralSuperint. Worbs
12. reißte die Frau Fürstin nach Berlin

1827. Der Fürst war noch in London

1829. am 10. Febr. kam d. H. Fürst gesund aus England und Irland wieder in Mußkau an.

Nota [eingeklebt]
Beym Ableben des Geheimrathes und Johanniter Ritter George Alexander Heinrich Hermann von Callenberg den 5. Mai 1795 war die Frau Gemahlin auf ihren Gütern in der Uckermark.
Sie hatte mich für diesen wahrscheinlichen Fall mit schriftlicher Vollmacht versehen wegen Besorgung des Begräbnißes und aller in Ihren Nahmen zu verrichtenden Handlungen
den 10t. war die Leiche in Ihre gebracht
den 11t. kam die Frau Mutter in Mußkau an – Ich aß mit Ihr allein – alle Ubrige waren bey alten Pücklers zu Tische – sprach mit Ihr von den Verewigten – seine Leichenbestattung und wegen des Testaments.
Sie machte mir eine Zulage zu meiner Pension von 100 Thalern
12. nach genommener Abrede mit der Fr. Gr. Wittwe verlangte in Ihrem Nahmen das Testament, und die Abnahme der Siegel – Ich mußte mich zum Curator der Fr. Gräfin bestätigen laßen – dann erste erfolgte die Siegelabnahme.
13. Ich mußte aus den Schränken d. H. Grafen, das aus besondern kleinen Cassen bestehende Geld aufsuchen und der Fr. Wittwe zustellen. Es fand sich in Summe 1822 Thaler – auch andere Rationen und Sachen von Werth. – Röhde erhielt eine goldne Repetiruhr – die andere goldne Uhr der junge Graf Hermann. Theilte an die Gräfin Tochter Nevens und Nideck – an mich und die D. Clauswitz – kleine Andenken aus. Ich mit der Clauswitz aßen mit der Gräfin allein. Nachmittags waren wie gestern Condollenz Visitten. - Es giengen Notificat: an Churfürsten und an Herr Mstr. des H. J. Ordens
14. Ich muste fortfahren mit Ausräumen der Schränke und Kommoden - mit der Fr. Gr. allein gegessen.
15. Fr. Gr. schenkte Joseph Röhden die Flöte d. H. Grafen. Lina konte heut erst wegen Krankheit zur Fr. Gr. kommen. Sie erhielt ein schwarztaftenes paßpelirtes Kleid und eine Haube – wir aßen mit der Frau Gräfin.
16. noch ausgeräumt und behändiget – wir aßen mit der Fr. Gr.
18. Übergabe der Garderobe von [...] an die Fr. Gr. Tochter als Erbin. Sie erschien mit

Die Aufzeichnungen brechen hiermit ab bzw. werden unleserlich.


* S. Pückler-Muskau, Briefwechsel und Tagebücher, Berlin 1976; Bd. 9, S. 19f.

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