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Wolffs Tagebuch

Erster Teil 1767 bis 1810


MERCKWÜRDIGE BEGEBENHEITEN

der Standesherrschaft, gräflich Callenbergischen
Familie
.
und solcher die damit Bezug haben,
während der in diesem hochgräflichen Hause
in verschiedenen Verhältnißen verlebten
Dienstjahren, vom M. Juny 1767. an: bis 1795.
und von da weiter in andern Verhältnißen in den
Regierungsjahren der Hochgräflich und Hochfürstlichen
Standesherrschaften Familie von Pückler bis 1824.
in allem also 57. Jahr.

Da, wie ich jezt die Versicherung habe, mein Hauß
bey der familie bleibt; so will und bestimme
ich hiermit, daß die gesammelten Nachrichten
in meinem Hauße verbleiben sollen, so lange es
im Besitz der familie bleibt. Es ist nur für
die familie niedergeschrieben.

Ludewig Traugott Heinrich Wolff


[Teil I. 1767-1810.
Alexander und Herrmann von Callenberg,
Heinrich und Ludwig von Pückler.]


Vorbemerkung: Hervorhebungen Wolffs sind im folgenden weggelassen.
Auf die Aufzählung sämtlicher Personen in den Tischordnungen wurde ebenfalls verzichtet.
Zu den vorhandenen, außerhalb dieser Chronologie angeordneten „Lit:“ -Beilagen führen entsprechende Links.
Genannte, aber nicht wiedergegebene Beilagen fehlen im Original.


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ao. 1767 M. Juny, als Schreiber dieses in hiesige Dienste trat, war der Herr Graf Johann Alexander v. Callenberg Herr der Standesherrschaft Muscau.

1763. war der älteste Sohn Herr Graf Herrmann auf Reisen gegangen, begleitet von dem Hofmeister Röhde seine vom Vater eigenhändig ausgestellte Instruction in französ. Sprache, dient hier in Beylage A zur Charackter Zeichnung des Vaters

1768. hatte der Herr Graf Hermann seine Studien und seine Reisen rühmlich vollendet und kehrte in den Zirkel seiner erlauchten Familie zurück, und sein Herr Bruder der Herr Graf Curd von Callenberg trat
1768. unter Begleitung deßelben Hofmeisters /:dem vom Herzoglich Gothaischen Hofe der Carackter eines Hofraths verliehen war:/ seine Studienbahn an.

1769. vermählte sich den 24. Aug. der Herr Graf Herrmann mit der Gräfin Montauban de la Tour du Pin in Frankreich und führte sie in die Armen seines betagten Herr Vaters und zweyer geliebten Schwestern am 29ten Decbr. in Mußkau ein.
Eine kleine franzöische Schrifft in Beylage B beschreibt die Feyerlichkeit des Einzuges und Empfanges in Mußkau.

1771. den 15ten April starb diese so hochgeschätzte und geliebte Frau Gräfin zu Dreßden. seine Schrifft des Freyherrn Joseph Friedr. v. Raeknitz, bey dem Tode an den Gemahl in Beylage C.

1774. 3. Jan. übernahm Herr Graf Herrmann von seinem Herrn Vater die Regierung der Standesherrschafft Mußkau.
Rede die der jüngere Herr Graf Curd, im Nahmen des die Herrschafft abtretenden Herrn Vaters Joh. Alexanders R. Gr. v. Callenberg an die Herrn des Hofgerichts und an den die Herrschaft antretenden Herrn Bruder gehalten. Beylage D. Antwort darauf von dem neuen Standesherrn, Herr Gr. Herrmann, Beylage E

1775. M. May vermählte sich der Standesherr H. Graf Herrmann von Callenberg zum zweyten mahl mit Marianen Wilhelminen Eleonoren geborenen von Oertzen und führte sie den 25. May deßelben Jahres in Mußkau ein, bey welcher folgende Festlichkeiten stattfanden:
Nachdem in Cottbus die Bürgerschaft den Hochgräflich Vermählten die Honneurs gemacht hatte, so wurden dieselben durch zwey der hiesigen Jäger bis auf die Grenze bey Zschorne gebracht, wo sämmtliche Jägerey von den Forstsekretair aufgeführt in Staatsuniform, durch verschiedene auf der Grenze im Walde und im Dorfe Jemlitz erbauete Ehrenpforden und Waldhütten Hochdieseiben unter Begleitung einer Menge Officianten und Fremder zu Pferde, in einen bei der Jemlitzer Schäferey erbaueten Circum führten.
Der Circus bestand in 2 gegen überstehenden großen Ehrenpforden mit Inscriptionen, auf deßen beyden Seiten Laubhütten zum Untertreten, in deren Mitte eine große Hütte Der Empfang deßelben war mit zwey Reihen davor sämtlichen Richtern aus der Herrschafft und 30 Mann Gablentzer Bauern zu Pferde besetzten.
Nachdem Hohe Herrschafft in einer der Laubhütten abgestiegen und von denen entgegen gekommenen Verwandten, H. Graf zur Lippe und Frau Gemahlin, denen Vasallen, die sie zu Pferde eingeholt hatten, den Hofgerichts – und Wirtschaftsbeamten – bewillkommet worden, so trieben 18 gut angezogene Schäfer aus der Herrschaft die Herrden durch den Circum. Bey der Hütte wo sich die Neuvermählten befanden, vorbey, und einige brachten Milch und Blumen dar. Gleich nach ihnen folgten 4 kleine Mädchen und ein junger Schäfer in Hirtenkleidern, der Leztere bewillkommte in einigen Versen die hohen Angekommenen, streuten Blumen, überreichten Cränze, und führten die bis jetzt versteckt gewesene Gräfin Clementine – auch im Hirtenkleide in den Schoos ihrer neuen hochgräflichen Frau Mutter. Beyde Hochgräfl. Eltern empfingen sie mit Tränen der Freude und des Grades von zärtlicher Entzückung. Die Liebkosungen ging von Einen zum Ändern, und lange schwebte die kleine Gräfin auf den zusammengefaßten Armen ihrer zärtlichen Eltern. Der Auftritt war hinreißend, voll der überzeugendsten Beweise empfindungsvoller Gefühle mütterlicher Zärtlichkeit, väterlicher Liebe. Eine kleine Anrede der jungen Gräfin, mit welcher sie sich der Führung der mütterlichen Hand ihrer Frau Mutter überlief, und um Liebe flehete, gab dieser herrlichen Scene den letzten Reiz. Nachdem dieses vorüber, so überreichten einige Pächter im Nahmen sämmtlicher Unterthanen ein wendisches Gedicht, und sodann gingen in Rotten vertheilt die Zeidler der Herrschafft paarweise, den Zeidlermeßer mit bunten Bändern an die lincke Brust gebunden und Bienenhauben unter den Armen vor der gräflichen Loge vorbey. Beyde Rottenmeister presendirten denen Hochgräfl. Vermählten ein Stück Honig, und in Wachß den verzogenen Nahmen des Herrn Grafen und ein Gedicht. – welches alles sehr gnädig und mit Wohlgefallensbezeugungen aufgenommen wurde.
Auf dem Wege vom Circo bis Gablenz – wo der Zug hingieng, waren viel Ehrenpforden, Tempel und Hütten theils von Unterthanen, die ihre Freude bey dem Glück ihres geliebten Herrn, auf mancherleyweise an den Tag zu legen suchten, theils von andern erbauet.
In Gablenz selbst aber war der Garten mit Luststücken, Lauben und Gängen verziret, und in den obern Zimmern wurde soupiret.
Nach einigen ländlichen Lustbarkeiten und wendischen Bauernhochzeiten, die Hochgräfl. Herrschafft durch ausgeworfenes Geld belohnten, verfugten sich Hochdieseiben nebst der entgegen gekommenen Suite bey Leuchtfeuern nach Mußkau. Die Stadt war erleuchtet, das Schloß ebenfalls und auf den Gaßen verschiedene Ehrenpforden errichtet. Ein jeder strebte nach dem Preise: Freude, gute Wünsche, glückliche Vorbedeutungen, zärtliche Heftigkeit des ehelichen Bündnißes, mit Witz und guten Farben durch Bild in seinem Fenster aufzustellen.
Die Ankunft der Hochgräfl. Vermählten war höchst glücklich: der Empfang zärtlich und voll Genugtuung auf beyden Seiten.
Bevor hohe Ankommende die Stadt erreichten, mußten Dieselben bey dem Bergvorwergk eine gut invendirt erleuchtete Ehrenpforde mit der Überschrift Willkommen – paßiren. Bey solcher wurden denselben von sämmtlichen Allaunbergleuten in Grubenkitteln und Lampen und gewöhnlichen Berghabit, unter Berg Musik und Anführung des Allaun Director Keutels, ingleichen sämmtlicher Hammerleute, in weißen Hemden und Schurzledern und runden Hüten unter Anführung des factor Flaches bewillkommt. Erstere überreichten einige Stuffen Erz und schon cristallisirtes Alaun, letztere aber geschmiedet Eisen und Arbeitszeug en miniatur - und hochgräfl. Herrschafft mit Musik bis in die Stadt begleiteten.
An den Thoren welche illuminirt und deren Ersten /:dem Köbler Thor:/ das Stadt Wappen – mit der Überschrift Gott segne Euren Eingang brannten, empfing hohe Ankommende die Bürgerschafft ebenfalls mit Music und [...] Fahnen und [...] Spiel.
Verschiedene Tage dauerten die Erleuchtungen und ändern Festlichkeiten die die Hochgräflichen Verwandten, Herr Graf und Frau Gräfin zur Lippe den Neuvermählten zu Ehren veranstalteten.
     Beylage des Gedichtes des Gedichtes der Zeydler.

1772. den 10ten Jan: vermählte sich die jüngere Gräfin Callenberg Ursula Margarethe Constancia Louise, in ihren 20ten Jahre mit den Baron Herrn Wilhelm Christoph Diede zum Fürstenstein.

1770. den 5ten Jun: Geburt der der Gräfin Clementine Cunigunde Charlotte Olympia Louise von Callenberg

1771. 6. April. Johann Alexander Heinrich Herrmann von Callenberg, deren Bruder, starb

1772. 19. Februar

1773. M. Novbr: Bey der Wiederkehr der Frau Baronne Diede zum Fürstenstein – aus England ins väterliche Hauß, hatte deren Schwester, die Frau Gräfin zur Lippe es sich zum Hauptgeschäfft gemacht ihrer Frau Schwester und Ihren Bruder, der damahls auch von Reisen zurück kam, ein Merkmahl ihres Schwesterlichen Andenckens zu geben und sie davon zu überzeugen, daß sie während der Abwesenheit ihres Hochgräflichen Geschwisters und der Zeiten ihrer Einsamkeit, die zum Theil mit sehr schwarzen Nuancen durchwebt war, sowohl durch den Todt des kleinen Graf Herrmans, welcher in der Gräfin Armen starb – als der kummervollen theuren Zeit, die damals ihr Herz zerriß, sich dadurch allein aufzurichten gesucht, daß sie ihren Hochgräfl. Geschwistern einen Beweiß ablegte, daß sie sich unermüdet mit denenselben beschäftiget habe. Die Gräfin hatte zu dem Ende eine der schönsten Gegenden in Mußkau ausgesucht, um daselbst ein kleines Lusthaus zu bauen wo sie die gräflichen Geschwister bewillkommen wollte und selbst ihren verehrungswürdigen Vater, der zwar von der Sache aber nicht die Details wüste einen angenehmen Abend zu verschaffen. Das Lusthäußchen war eine octagone von bloßen Dannenzapfen inwendig aus tapezirten Verzierungen von Landschafften die mit bunten Maaß durchwebt waren. Der Fußboden war von Eisenschlacken fest geschlagen, der Cronleuchter von Dannzapfen, auch war ein Camin in moderner Form angelegt und mit Muscheln und Austerschalen ausgelegt. Wandleuchter erleuchteten den Saal. -Am Tage der Ankunft der Fr. B. Diede, welche Abends sehr spät erfolgte, geschah weiter nichts, als daß die Fr. Baronne in ihren Zimmern ein schönes Kästchen fand, welches einen [...] sauberen Korb enthielt, den die Fr. Schwester Fr. Gr. Lippe selbst für die Fr. Baronne verfertigt hatte. Es war derselbe von weißen Atlas, mit 2 Decken - der fond mit bunten Räupchen gestickt und mit Card’amour von poneo Cordonat eingefaßt. Im Korbe lag eine Garnitur von Netz mit Immortellen, welche die Gräfin selbst gepflickt und gewunden hatte mit folgenden Versen von der Gräfin gedichtet.
[Eingeklebter Zettel mit einem Gedicht in französischer Sprache.]
Den Tag darauf wünschte die Gräfin das für die Hochgräfl. Geschwister erbauete Lusthäuschen zu presentiren, welches auf einer der schönsten Anhöhe nach Braunsdorf gelegen situiert war, am Fuße deßelben mit einer herrlichen Illumination statthaben sollte, auch statt gehabt haben würde wenn derselbe Tag gewählt worden wäre. Allein der Herr Vater glaubte daß die Frau Tochter zu sehr von der Reise ermüdet seyn möchte, daher ward es einige Tage später angestellt. Um die surprise zu vervollkommnen, lud die Gräfin Lippe sämtl. Herrschaften - denn die Frau Gräfin Littichau mit ihrem Gemahl waren zum Besuch angekommen – mein in die Malenza – eine Waldpromenade die ehedem der Gräfin Louise gewidmet worden war, da diese aber völlig außer Route war, war es veranstaltet, daß einige Schritte hinter der Stadt, der Oberförster der Herrschaft eilig entgegen geritten kommen muste, und melden, daß die Neuße so großen Schaden, in der Malenza verursacht, daß mann unmöglich trocknen Fuß faßen könne, daher wurde unterweges beschießen nach Braunßdorff zu fahren und sich dort mit einem Goute zu begnügen.
Dort waren die Veranstaltung getroffen, daß eine ländliche Musa, die Frau B. Diede bewillkommte. Die Zimmer im Vorwerge waren mit grünen Reißig austapezirt und mit devisen von gewundenen Blumenkränzen gezirt. – Nach genoßenen verschiedenen Rafraichissements und da es finster geworden – proponirte man nach Hause zu fahren, anstatt deßen aber trafen sie in der Gegend des Dannenhäußchens ein und wurden mit schöner Musig von den Görlitzer Hautboisten empfangen, wo alles herrlich erleuchtet einen schönen Effect machte, nur konnte wegen Schneegestöbers die Erleuchtung am Fuß des Berges nicht statt haben, welches aber fast nicht bemerckt wurde, weil die schöne innere Beleuchtung und Zierde eine freudige Genüge verbreitete. Beym Eintritt in daßelbe wurde die Fr. B. Diede mit folgenden Worten bewillkommnet die die fünfjährige Clementine mit einer unnachahmlichen Freymuthigkeit und Effect recidirte.sup>1
[Eingeklebter Zettel, unleserlich.]


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1774. 24. Juny. Vermählung der Gräfin Henriette Louise von Callenberg mit den Reichs Hofrath Carl Christian edlen Herrn und Grafen zur Lippe, Sternberg und Schwalenberg, allhier im hochgräfl. Schloße. Mittags war gewöhnliche Tafel.
Nachmittags den anwesenden im großen Visittenzimmer die Ehepackten wurden nochmahls vorgelesen und von d. H. Grafen Lüttichau, dem älteren H. Grafen v. der Lippe auf Baruth, dem B. Geispitzheim und dem Cammer Secr. Haukwitz als Zeugen unterschrieben. Die Trauung gieng sodann mit den gewöhnlichen sollennitäten darfür. Abends war groß Soupée – die Stadt illuminirt und sämmtliche Herrschaften fuhren herum solche zu sehen.
Den 25ten Nachmittags fuhren sämmtlich anwesende Herrschafften nach den Ziegelscheunsee auf den Berg. Die Neuvermählten wurden von bekränzten Bauer-Mädchen in einer grünen Laube mit Blumen und Kränzen empfangen. Man wohnte einer veranstalteten Fischerey bei und verfügte sich von da nach Vorwerg Gablentz. Vor dem Eingange hatte sich ebenfalls junges Volck mit Blumen versammelt. Zu dem Hofe führte eine Allee von jungen Fichten nach dem Wohngebäude zu, um dieses herum und in den Garten waren grüne Bogengänge, Luststücken und an der Thüre eine Ehrenpforde angelegt. Abends ward hier soupirt und der Garten illuminirt. Bey der Rückkehr nach Mußkau hatte sich am Wege, wo bis Mußkau Leuchtfeuer brannten, das wendische Volck von den benachbarten Dörfern mit Musick versammlet und tanzte. Die Stadt war mehr als jemahls erleuchtet, desgleichen auch die Schmelze. Welche man in Augenschein nahm.

1774. 27ten Juny. Der Vermählung zu Ehren ward ein von dem Herrn Graf Herrmann selbst componiertes musikalisches Stück aufgeführt. Wozu der Mittagsprediger Vogel ein prosaisches Schäferspiel entworfen, welches bey der in dem Gartenhause, das als Tempel Hymens eingerichtet und verziret war öffentlich vorgestellt. Das Schäferstück wurde von Kindern gespielt, und die junge Gräfin Clementine prangte zur großen Freude mit unter den Schauspielern. Hierauf wurde in einer Stube über dem Tempel an 2. Tafeln gespeißt und ein Theil des Gartens illuminiret.
     Beylage des prosaischen Schäferspiels.

den 28ten Juny. Hochgräfliche Herrschaft fuhren nach Podrosche speißten daselbst und sahen verschiedenen veanstalteten ländlichen Spielen und Lustbarkeiten. Der Umzug gieng über Skerbersdorf nach einem im Walde gelegenen Orte Paproschniza genannt, wo ein Tempel und verschiedene Lauben gebauet, Gänge gehauen und im Thale eine Grotte angelegt waren. Sämmtliche Beamten und Officianten und Musick aus Mußkau hatten sich daselbst eingefunden um die Herrschaft zu empfangen. Vergnügen und Freude belebte alles – man soupirte daselbst und fuhr spat nach Mußkau zurück. Der Weg war reichlich mit Leuchtfeuern erleuchtet.

Die Neuvermählten verliesen Mußkau den 11. July 1774.

1775 23. July. gebar die Fr. Gr. zur Lippe allhier zu Mußkau eine Tochter welche auch allhier 15ten 8br. 1800 starb, und in der gräfl. Gruft ruht.

1776 30. Nov. wurde die Fr. Gr. Lippe zum zweytenmal allhier entbunden mit einem Sohn – Graf Graf Ludwig Alexander Bernhard d. 4. Xbr. getauft.

1775. 1. July. Vermählung der Gräfin Bethusy /: gewesenen Mündelin des Herrn Graf Herrmanns v. Callenberg – an d. H. Forstmeister von Schirnding.

1776. M. Aug: der zeitherige Archid. Vogel ward Superintendent.

1776. 13. Febr: starb der gewesene Standesherr, Johann Alexander Graf von Callenberg. Alt 78. Jahr 11. Monate 1. Tag. Es war Niemand von Hochgräfl. Herrschaft zugegen als die 6jährige Gräfin Clementine von Callenberg mit ihrer Gouvernante, der Dlle. Gondart.
Der bey Nacht und Nebel unter voriger Regierung heimlich entwichene und in fürstlich Carolathsche Dienste gegangene Wirtschaftshauptmann Stiller – den der gegenwärtige Standesherr mit erbetener Bewilligung seines H. Vaters wieder hierher zurück gerufen hatte, den aber der Verewigte bey seinem Leben nicht sehen mochte – trat nun als factotum auf: Verfügte Versiegelung und ordnete mit seiner Donna, des Rentmeister Opitzes Frau, die Anstalten bey der Leiche, deren Anzug, und der Leichenbestattung splendit und zahlreich, wovon sich jedoch jedoch jeder der nicht Folgen fürchten mußte zurück zog.
Der gegenwärtige Standesherr war mit der Frau Gemahlin auf deren Gütern in der Uckermark.
     Beylage der Personalien des Verewigten. G.

Dis war mein erster Hochgräflicher Principal. Deßen Asche ich kindlich verehre. Ihm dank ich meine Geschäftsbildung die mich mit Strenge und Liebe zu pünktlicher Ordnung gewiesen.

1776. Vom M. Octbr: Anwesenheit der Fr. Gräfin Lippe mit ihrer C. Tochter bis
1777. M. May.

1776. 10. Dec: Kamen Herr und Frau B. Diede mit 2 Fräul. Töchtern hier an – blieben bis
1777. den 28t. Febr: wo sie wieder abreißten

1777. 3. April Erbhuldigung der Vasallen, an den Standesherren Gr. Herrmann v.
Callenberg. Er begab sich zu dem Ende um 12 Uhr, begleitet von seiner Fr. Schwester der Fr. Gr. Lippe in folgender Prozeßion ins Hofgericht: Den Zug eröfnete die Jägerey unter Anführung des Oberförsters, allerseits in StaatsUniform. Dieser folgte die Livrée angeführt vom Cammerdiener. Hierauf folgte ein Marschall – sämmtliche Officianten, und die 6 Vasallen, hierauf der Standesherrliche Wagen welchem die Schützengilde folgte. Nach erfolgter Eydesleistung gieng der Zug in der nämlichen Ordnung wieder zurück ins Schloß.
1779. M. Juny ward die 9jährige Gräfin Clementine Callenberg nach Berlin in Pension zur Madam Phillip gebracht.
     Beylage der väterlichen Verhaltungsvorschriften und Lebensregeln – H.

1779. 6. Juny. Inauguration des Monumentes bey der deutschen Kirche.
     Beylage - Veranlaßung - Nachricht - Feyerlichkeit und Verzeichnis der im Innern des Monumentes gefindlichen Gegenständen. I.

1777. 11. Febr. Geburtstagsfeyer der Fr. Gräfin zur Lippe, den der Standesherr Graf Herrman auf folgende Weise begehen ließ:
Nachdem Abends unter Musik im Visittenzimmer Thee getrunken war, wurde die Frau Gräfin in das Tafelzimmer geführet, woselbst ihr zu Ehren von grünen Reißig Hecken formirt waren in welchen eine Fontaine an 4 Ellen hoch sprang. – Im Rondele stand eine Piramide mit doppelten B [L?] und einer Inschrift darunter: HENRIETTE RESTITUTAE FRATER D. XI. Febr. MDCCLXXVII. Rundherum waren voller Früchte hängende Orangenbäume placirt überhaupt das Zimmer sehr reich mit Wachßlichtern illuminiret. Im Anschaun dieser Gegenstände erschienen 6 weiß gekleidete und mit grünen Lorbeerkränzen und Leibbinden geschmückte Kinder, jedes in einer ihm angewiesenen Niche und jede überreichte nach einer gefallenen Anrede der jungen Gräfin Clementine – ihre Verse, nebst Geschencken im Handkörbchen. Die Music in dem Visittenzimmer fuhr dann fort – und endlich ward in den noch immer illuminirten Tafelzimmer an drey verschiedenen Tafeln soupirt, binnen welcher Zeit blasende und Instrumental Musik sich abwechselnd hören ließen.

1780. 15. Oct. starb die junge Gräfin Herrmine Lippe

1800. 21. Aug. ward Graf Sylvius Wilh. Carl Heinr. v. Pückler geboren.

1781. 4. April. Grundsteinlegungsfeyerlichkeit der wendischen Kirche
Bey dem 1766 die Stadt betroffenen großen Brande, war auch das Gotteshaus der wendischen Gemeinde mit eingeäschert worden. Verschiedene allgemeine und particular Calamitäten hatten den Anbau deßelben bisher von Jahr zu Jahr behindert. Der Gottesdienst mußte in der alten Kirche auf dem Berge gehalten. Bis endlich günstigere Zeitumstände und die gerechten Bitten der wendischen Gemeinde hochgräfliche Herrschaft bestimmten diesen wichtigen Bau nunmehr mit Ernst vorzunehmen. Dieser Entschluß ward am ersten Tage des laufenden Jahres von den Kanzeln abgekündiget und der Herr ertheilte Erlaubnis, daß hierzu nach und nach Colleckten gesammelt werden durften, schenkte auch zu mehrerer Ermunterung eine beträchtliche Anzahl Mauerziegel dazu. Nachdem die Witterung leidlich geworden fingen Arbeiter an den Grund zu räumen; die in demselben gefundenen Gebeine längst entschlafener Kirchenlehrer erhielten ein anderweitiges Begräbnis. Der Platz wurde mit Geländern umgeben: Ein MusikChor und Gerüste für Hochgräfliche und andere Anwesende Zuschauer errichtet. Dieses alles mit Tannenreißig bekleidet, und überhaupt der ganze Platz zu Legung des Grundsteines vorbereitet.
Die Plans und Riße zum Bau sind von der eignen Erfindung des Standesherrn, und solche blos durch den Landbaudirector Locke in Dreßden regulirt worden, und auf einem säubern Riße in die Grundlage, äußerliche Ansicht und ins Profil gebracht. Gegen Endes des Märzes liesen der Herr Graf ein selbst entworfenes Decret an das Hofgericht ergehen, in welchen alles was sowohl des zu feyernden Brandfestes, als auch der Legung des Grundsteines willen, zu beachten seyn würde aufs genaueste bestimmt und vorgeschrieben war.
Den 2t. und 3.t. April lies d. H. Graf die zum Zuge befehligten Schützenbrüder und Jäger zusammen kommen, gab ihnen Anweisung ihrer Function, ließ ihnen wie auch den Bürgern aus der Rüstkammer die nöthigen Gewehre reichen und besorgte alles bis auf die geringste Kleinigkeit.
Heutigen Tages früh um 9 Uhr erhub sich Hochgräfl. Herrschafft in die deutsche Stadtkirche, wo unter einer sehr zahlreichen deutschen und wendischen Gemeinde Hochdieselben den Gottesdienst des Brandfestes abwarteten. Der Text hierzu, die Collekte und Verlesungen vorm Altar, die Gebete und eine sehr schöne KirchenMusick, waren sämmtlich von den Standesherrn selbst vorgeschrieben, angefertiget und componirt.
Nach geendigten Gottesdienst verfugte sich die Herrschaft wieder aufs Schloß, wo sie bald hernach von einer Deputation der wendischen Gemeinden, zur Grundlegung ihrer neuen Kirche unterthänig aufgefordert wurden.
Der Herr Graf begab sich dannach in Begleitung Ihrer hierzu befehligten höhern und geringeren Dienerschafft nach dem Plaze der neuen Kirche zu Fuße, wurde von der auf dem Marckt postirten Bürgerschafft mit Rührung der Trommeln und beym Grunde mit Trampeln empfangen.
Der WirthschaftsDirector Stockmar hält an den Standesherrn eine Vorrede in Nahmen der Wenden, die d. H. Graf mit einer an die wendischen Gemeinden gerichteten, in ihrer Muttersprache verfaßten sehr zweckmäßigen und rührenden Gegenrede beantwortete – die im Deutschen von Wort zu Wort also lautet:
Unglückliche, aber mir höchstverehrte Brüder! Der Tag der eine Kirche zerstörte, der Tag des göttlichen Zornes, war der schrecklichste meines Lebens. – Der Glücklichste der an dem mir Gott erlaubt, den Grundstein eines Gotteshauses zu legen. Meine Seele trauerte lange Jahre bey dem herben Gedanken, ich würde vielleicht auch von diesem Tage der Hoffnung entrißen. Ich habe ihn erlebt, diesen Tag des Seegens. Gelobt sey der Nahme des Herrn! Und kann ich auch die Zinne dem Heiligthum Gottes nicht sezen laßen, das ich heute in seinem Nahmen gründe: so werde ich doch ruhiger zu meinen Vätern hinabsteigen, da ich Eure Hoffnungen, meine Kinder, meine Freunde, wieder aufleben sehe. O, könnte ich sie alle erfüllen! Keine Thräne würde zu Euren Wangen herab rollen, kein Kummer sich je euren Hütten nahen. Der Seegen Gottes treffe Euch und eure Kinder, und er gründe und befestige sein Hauß, das er heut unter uns zu bauen angefangen hat. Er mache aber besonders Eure Herzen zu seinen Tempeln und erfülle Euch mit Gottesfurcht, die Euch seines Seegens werth mache.
Unter Beobachtung anderer, bey Feyerlichkeiten dieser Art gewöhnlicher Ceremonien, ward hierauf zu Legung des Grundsteines geschritten. Zuvörderst wurden die in einemblechernen mit den gräflich Calllenbergischen-Oertzischen Wappen gezierten Kästchen befindlichen Sachen herausgenommen. Der auf einen Bergamentbogen vom Standesherrn selbst verabfaßte Aufsaz vom Hofprediger Naumann abgelesen. Und sodann dieser und die übrigen Sachen, bestehend:
in einem Gesangbuche
der Augspurgischen Confeßion, und
denen gegenwärtig unter der Regierung des Churfürsten ausgeprägten Silbermünzen vom Speziesthaler an bis zum Pfennig
wieder in das Kästchen gelegt, solches von d. H. Grafen eigenhändig in den ausgehöhlten Grundstein gesezt, und der steinerne Spund daraufgeklopft. Sodann legte d. H. Graf das Schurzfell an, nahm Hammer und Kelle, warfen einige Kellen voll Kalk auf den Platz des Grundsteines und befestigte denselben, nachdem er an Ort und Stelle gelegt war, mit einigen Hammerschlägen an. Inmittelst wurde unter Trompeten und Paukenschall das te deum laudamus gesungen; von den nahgelegenen Berge donnerten zahlreiche Böller und die Bürgerschafft auf dem Marckte gaben Salute aus dem kleinen Gewehr: und mit dem Ende, Nun danket alle Gott pp endigte sich die ganze Festlichkeit. Hochgräfl. Herrschafft begab sich unter der vorigen Ordnung wieder aufs Schloß zurück - bedankten sich bey der Bürgerschafft und der Schützengülde für die bewiesene Ordnung, gaben ihnen eine Ergözlichkeit um den heutigen Tag [...] noch zu enden. Zur Mittagstafel wurde die Geistlichkeit und die vornehmsten der Dienerschafft gezogen.
Abends gegen 10 Uhr kamen die Schützen mit Fackeln aufs Schloß und brachten eine Pauckscharen Müsick.
Überhaupt herrschte an diesem feyerlichen Tage eine Ordnung und Heiterkeit, die allgemeinen Zufriedenheit verbreitete. Nachrichten von diesem Vorgange befinden sich in einem darüber gesammelten fascicul.
     Beylage des Kirchenmusic Textes K.

1781. 6. April. Brannte das Dorf Braunsdorff und auch das Vorwerck ab. - 200 Schfl. Korn 200 Schaafe 100 Lämmer und 75 Stück Rindvieh wurden ein Raub der Flamme ohne Stroh, Heu, Wirtschaftsgeräthe und des Pächters Mobilien zu gedenken.

1781. 11. Jul. trat der Standesherr eine Reise zu seiner Frau Schwester der Frau B. Diede in Ziegenberg an - begleitet von dem RentSecretair Opitz und kam den 7ten. August wieder in Mußkau an.

1781. 17. Sept. bey Anwesenheit verschiedener Freunde d. H. Standesherrn, des Landeshauptmann v. Carlowitz nebst Gemahlin und Kindern, der Fr. Geh.Räthin v. Maxin, Fräulein von Könitz, KammerSänger Consialin, Amtmann Beck und seines Bruders, veranstaltete d. H. Graf einen Masken Ball wozu er Anzüge und Vorstellung der französischen Kartenmänner wählte und selbst die Masce des Coeur Königs trug und die Quadrille selbst aufführte und den Freunden folgende Verse in die Hand gab.
Freunde! wenn Ihr uns belacht
o, so wißt: auch unter Tanz und Scherzen
wird von warmen Herzen
der Freundschaft Opfer euch vergnügt gebracht.

1781. 18. Octbr. Ankunft des Grafen Golowkins mit seiner Gräfin Schwester – Mündel des Standesherrn – des Hofraths Röhde und Gouvernande Dlle. Paster
Für den Hofrath Röhde hatte d. H. Graf ein Hauß bauen und es vollkommen einrichten und meubliren laßen und führte denselben selbst am 19t. Octbr. dahin ein.


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1781. 9. Novbr. Geburtstag der Frau Gräfin v. Callenberg, den d. H. Gemahl zu feyern beschloßen. Da aber dieser Tag auf einen Bußtag fiel – und die Gäste: der Landeshauptmann v. Carlowitz mit seiner Gemahlin, die Fr. B. v. Schönaich, H. v. Bannewitz, der Graf Ludochowsky aus Pförden, Graf Fritz und Rochus Lynar aus Lübbenau, der junge H. Graf Pückler aus Branitz – angekommen waren, wurde der 7te Nov. zur Feyer bestimmt – besonders auch, weil die Gräfin alle Festlichkeiten verboten hatte.
Mittags war große Tafel zu welcher die Sitze verloost wurden. Abends wurde aufm herrschaftlichen Theater aufgeführt: ein von der Gräfin Bethusy verfertigtes Proverbe und der weibliche Kammerdiener. Zwischen beyden Picen, die größtentheils von den Herrschafften selbst aufgeführt – wurd das Karten Ballet von d. H. Grafen angeführt getantzt, und vom Hofrath Röhde ein von ihm gedichteter Epilog recidirt – Hierauf war Ball,
Den 8ten reißten die Fremden zum Theil ab.
Mittags war die Oertzische Familie, Obrist Lieut. v. Bomsdorff mit seiner Frau und Frau von Arnim bey Tafel. – Nach Tische Concert.
den 9ten der Herr Graf das sogenannte Zappenhäußchen – jetzt Belle vue genannt zur Feyer des Tages auf ander Art bekleiden und verzieren laßen. Nachdem die Herrschafften den Gottesdienst beygewohnt hatten, erhoben sich dieselben in 7 Wagen nach Bellevue deßen Salon grün decorirt war – in der Mitte am Altar – worauf 2 Füllhörner mit grünen Feuer brannten. Auf jeder Seite des Altars standen 2 Vestalinnen, vor denenselben ein Körbchen mit Geschencken für die Frau Gräfin – welches derselben von der jungen Gräfin Clementine mit einigen Versen überreicht wurde – der Saal selbst war sehr geschmackvoll erleuchtet.
Nach erfolgter Rückkehr war Concert.
den 10t. Nov. War ein Aufzug von der Schützengülde welchen der Herr Graf selbst persönlich, nebst d. H. Graf Rochus Lynar, d. H. Graf Bethusy, d. H. Kammerjunker v. Schirnding und dem Amtmann Beck aus Spremberg aufführten. D. H. Graf Pückler aus Branitz, d. H. Graf Friedr. Lynar und d. H. Major v. Arnim ritten als Husaren voran, und d. H. Graf Pückler sprach in Versen, die der Hofrath Röhde gedichtet die Frau Gräfin an.
Nach vollendeten Aufzuge wurde den Schüzen Bier gereicht. – Es war große Tafel.
Abends wurde das Lustspiel Crispin und zum Nachspiel der weibl. Kammerdiener nochmahls aufgeführt – Herauf war Ball masque, wozu d. H. Gr. Ludochowsky, d. H. Brochowsky und d. H. v. Hellwig sich einfanden. H. v. Schirnding führte eine schöne Seize auf, die in ihren Touren den Nahmensbuchstaben W. formirte.

1784. 26. Decmbr. Vermählung der Gräfin Clem. Cunig. Charlotte Olympie Louise von Callenberg mit d. H. Grafen Ludwig Carl Hans Erdmann v. Pückler – Baron v. Groditz aus dem Hause Branitz.
Am 10. Novbr. bey der Verlobungsfeyerlichkeit, sprach der Standesherr H. Graf Herrmann von Callenberg folgende Anrede:
Geliebte Tochter! Es ist Dir bekannt daß der hier anwesende Graf Ludwig von Pückler, mit Genehmigung seines Herrn Vaters Ebd. bey mir um deine Hand angehalten habe. So schmeichelhaft für mich und für dich diese Gesinnungen an und für sich sind, und so bereit ich auch bin, meine väterliche Einwilligung dazu zu ertheilen, so kommt doch billig auf dich selbst die Wahl deines künftigen Gemahls an. Dein treuer Vater kann und soll dir nur rathen und dich seegnen. Das Erste habe ich nach Pflicht und Gewißen gethan, das Zweyte soll dein eigner Ausspruch bestimmen, bist du demnach nächst Gott entschlossen, dein Herz und deine Hand dem Herrn Grafen Ludwig von Pückler zu schenken?
Nun wolan meine Kinder! So wechßelt eure Ringe zum Zeichen Eures unzerbrechlichen Bundes, welcher ehestens an Altar Gottes besiegelt werden soll. Geliebte Tochter! in diesem feyerlichen Augenblicke hast Du das Schicksal deines Lebens durch die Wahl eines Gatten bestimmt, und die große Laufbahn heiliger Pflichten dir selbst geöfhet. Es ist hier nicht der Ort, die mannichfaltigen ausgezeichneten Wohltaten Gottes herzuzählen mit welchen er deine Tage bezeichnet hat; aber er ist es deine Aufmerksamkeit zu einer thätigen Danckbarkeit aufzufordern. Früh entriß dir der Todt eine vortrefliche Mutter, die an dem Throne Gottes, dir an den heutigen Tage Seegen vom Allmächtigen erfleht. Eine sorgfältige in ihrer Liebe für Dich unnachahmliche zwote Mutter hat nach allen menschlichen Käften dich vor den großen Verlust schadlos gehalten – und heute begleiten dich ihre frommen Wünsche und ihre Thränen. Ein edler, guter, tugendhafter biederer Jüngling bietet dir sein Herz und seine Hand mit warmer Liebe an, und läßt sich nicht von den Gefahren deiner großen Jugend abschrecken. Er nimmt es auf sich von nun an das Glück deines Lebens zu bauen und das Seinige nur in deinem Wohl zu finden. Sein wackerer Vater, thut an seinem Theile dir die nemliche Zusage, und bietet sogar die lezten Kräfte seines männlichen Geistes auf dein Vermögen – deßen ich mich zu Gunsten deiner bald zu entäußern gesonnen bin – mit Vertrauen zu verwalten. – Was soll ich dir von deinem Vater sagen? – Du weist es Glementine, wie lieb du ihm von der Windel an warst? Diese Rechte zog dich in die Welt Gottes da deiner Mutter Kräfte zu vergehen anfingen. Diese Rechte zog dich sanft vor sieben Monaten an den Altar des Erlösers. – Diese Rechte übergiebt dich mit Thräne und Gebet deinem Bräutigam. – Diese Rechte wird bald alles was mein ist dir übergeben. – Diese Rechte kan hinführe nur dich seegnen. Aber, sey werth deines Nahmens, deiner Erziehung, deines Glaubens, deines Gottes! Dein Gewißen sey dein erster Rathgeber! Erhalte es unbefleckt und rein. – Sey warm die Freundin, die Theilnehmerin, der Trost deines zukünftigen Gemahls! Sey um deines Glückes willen ein sanftes, folgsames, gutes Weib. Früh wirst du meinen väterlichen Armen entnommen, gängeln und leiten sollen sie dich nicht mehr. Hier ist dein zukünftiger Führer! – Und Sie mein lieber Graf! mein Sohn! dem ich traue und getraut habe! erinnern sie sich so lange sie leben ihrer mir so oft unter Thränen erneuerten Zusage – meine Tochter immer zu lieben und glücklich zu machen. Nie werd ich sie derselben entbinden. Ihr Wohl und Wehe fordere ich von ihren Händen, und am Richterstuhle Gottes werde ich Ihnen noch dafür dancken, wenn meine Clementine, mein einziges Kind – in ihren Armen glücklich war./
den 26ten Decembr.
kamen an der Landeshauptmann v. Carlowitz nebst Gemahlin
     die Geheimräthin v. Maxen und Fräul. Bibra
     der General Graf Heinrich Brühl
     Graf Moriz Brühl
     Graf Littichau nebst Gemahlin und Fräul. Werthern
     Herr v. Zeunert nebst Gemahlin
     H. Graf v. Bauditz #
     H. Graf von Bethusy
     H. Graf Dallwitz
     H. Lieutnant v. Loeben
     Bräutigams Vater H. Graf Puekler
     H. Sekretair Clauswitz nebst Gemahlin
     H. Amtmann Beck aus Spremberg
     H. v. Oertzen nebst Gemahlin
     # derselbe Graf Bauditz, der nicht lange hernach in einem Duel dem Grafen Hoym – gewesenen spanischen Gesandten tödtete, und außer Landes in K. dänische Militairdienste gieng.
Die Hautboisten aus Görlitz waren angekommen Abend waren 3 Tables rond.
      [Es folgt die Tischordnung für zwei Tafeln mit je zwölf und eine Tafel mit acht Personen.]
den 27. Dec. Vermählungs Tag.
Der Standesherr – Brautvater – hatte folgen schriftliche Anordnung zur Feyer des Tages eigenhändig erlaßen:
Um 6 Uhr versammeln sich alle Herrschaften und Eingeladenen in den untern Visittenzimmer. Im Vorzimmer warten die herrschaftlichen Officianten.
Wenn der Secretair Wolff es meldet daß die Comtess Braut fertig sey, begeben sich die anwesenden Cavaliers in das Gemach des Herrn Bräutigams, um ihn zu der Gräfin Braut zu begleiten, wo sich die Damen versammeln.
Der Superintend wird im Staatswagen und zwey Livrée Bedienten abgeholt. Wenn dieser am Altar ist, so wird es durch den Secretair Flach gemeldet. Hierauf wird mit doppelten Wachßlichtern vom Secret. Wolff, Secr. Flach, Keiteln, Opitzen, Haenisch junior - Oberförster Wagler u. Allemand mit 16 Kerzen, und Vorhertretung der Livrenz Ladusch, Pannach, Paul und Richter, durch den zugefallenen Corridor mit Windlichtern geleuchtet bis in die lezten Visittenzimmer. Hier ein Augenblick verweilet, bis ein Konenschuß geschiehet. Nach diesen geht der Zug in folgender Ordnung in das dazu bereitete Tafelzimmer, wo unter einer sanften doch feyerlichen Music Plaz genommen wird.
      [Es folgt die Sitzordnung für 22 Paare und 10 Einzelpersonen.]
Die Gesellschaft singt ein Lied.
Der Trauactus geschieht. Bey der Weckßelung der Ringe werden die Mörser vom Berge abgefeuert.
Hierauf ein Schlußlied gesungen Worauf die Gesellschaft in derselben Prozeßion sich wieder in die Visittenzimmer begiebt. - Alle honoratiores und Geistlichkeit gratuliren. Die Fortsetzung folgt:
Mittags ward an 3 Table ronds gespeißt
      [Es folgt die Tischordnung für zwei Tafeln mit je zwölf und einer Tafel mit 6 Personen.]
Abends ward an einer bunten Reyhen Tafel in Hufeisenform gespeißt
bey der Tafel serviren
     1. Kruschwitz
     2. Allemand
     3. Burckhard
     4. Böhme
     5. Haag
     6. Jaenicke
     7. Johann
     8. Pilenz
     9. Richter
     10. Marcko
     11. Liedeck
     12. Ladusch
Zwey Schüzen Hauptleute und Oberförster Wagler sind hinder meinem Stuhle.
Die Tafel wird servirt in zwey Gängen jeder Gang zu 8 großen Schüßeln und 6 Assietten
den 2ten Gang holen 12 Schützen unter Anführung des Adjutanten und bringt die übrigen zurück in die Küche, wobey mit Windlichten vorgeleuchtet wird. Auch das Dessert wird auf dieselbe Art aufgetragen.
Die Tafelsitze waren folgender Art:
      [Es folgt die Sitzordnung für insgesamt 56 Personen.]
für heute weiter nichts

1784. den 28t. Decbr. Die Mittagstafel war in gestriger Gestallt und folgendermaßen besetzt
      [Es folgt die Sitzordnung für 40 Personen.]
Abends war Ball masqué. Zuvor hatte die Frau Stiefmutter, die Standesherrin, Gräfin Callenberg folgende feyerliche Scene veranstaltet. Sie hatte das fordere Zimmer neben der Bibliothek mit grünen Reißig bekleiden – Girlanden formiren und einen Altar errichten laßen auf welchen eine grünes Flammenfeuer brande.
Die Frau Gräfin selbst als Vestalin hatte 12 weiß gekleidete Mädchen die in zwey Reihen bis an Eingang formirten und Blumenbanden hielten. Sie selbst hielt über den Altar einen Kranz. Beym Eintritt des Brautpaares recidirte die junge Woringerin folgende von der Frau Gräfin selbst gedichtete Verse:
      [Litt. M. Gefühl der Mutter am Vermählungstag Ihrer Tochter.]


wolff1 hogarth marriage4 morning


Folgende Worte sprach die Frau Mutter an ihre neu vermählte Gräfin Tochter.
Wie tief war mein Gefühl für Dich geliebte Tochter als ich dich am Fuße des Altars kniend denen Taufbund erneuern sah! laut war mein Flehen zu Gott, daß Rechtschaffenheit und ein frommer Wandel dein ewiges Theil bleiben möchte! Seegnend führte meine mütterliche Hand dich zu der seeligen Städte! Seegnend begleitet sie Dich zu den allerwichtigsten Schritt deines Lebens. Welchen Wunsch erwartest Du von mir? Gebeth für deine Jugend Gebeth für dein Glück! Denn mein Herz kennt nur wahres Wohl für Dich. Dieses mütterliche Herz ruft dich aber auch auf: feuert dich an ein Beyspiel der Tugenden zu werden. Gott zeigt deinen frühren Jahren eine Laufbahn an, die Pflicht und Menschenglückseligkeit verbindet. Der treue Vorsaz erfordert den darinn bestimmten Beruf – redlich gewissenhaft zu folgen. O, folge genau diesen zeitigen für dich so wichtigen Beruf! Sey das Glück deines Mannes! und dancken deine Kinder Gott für dich als bey der seligen Erinnerung, daß du sie zu ihm geführt hast. Sey des Vaters Freude im Alter! der Armen Trost! der Waysen Mutter, die Freundin deiner Unterthanen! Jede deiner Thaten sey ein Glied zur Kette der Aussicht des bewegten Lebens! In reifen Jahren sieh auf den jetzt dich umgebenden Reiz einer aufgehenden Blume ohne Vorwurf zurück! Nicht den Thörmern gleich, finde dich erhaben liebe Tochter, ihrem Beyspiel zu folgen! demüthige keinen dir beygebrachten Grundsäze, sie sind die Stütze deiner Würde: der Stoltz, die Hofnung deiner Eltern. Die Belohnung deiner Lehrer! Jugend und Schönheit vergehet, hört auf Vorzug zu seyn, wenn Verstand Handlungen und Herz nur blos ein lebendes eitles Bild verspricht, eine Reihe von weltlichen Freuden, die, welche so sie genießen in einen leeren Raum, wie ein Ball unthätig herumwerfen kömmt der Wonne nicht bey in einem Kreise von Geschäften zu leben, die wir glücklich machen, die wir die unseligen nennen, und die uns mit Thränen der Freude anblicken. Beneidenswert!! sind nur die, die diese wahre Zufriedenheit kennen, die der Zeit nicht das mit Unwillen rauben, um erträglich zu seyn. Meine Augen, liebe Tochter, werden dich vielleicht nicht mehr so oft leiten! o, daß doch der Eindruck meines Seegens dich dafür leiten möchte! Ich bete zu Gott, werde für dich beten. Er bewahre deine Jugend! mache dich zum Muster Altare deines Berufs! Ja liebe Tochter, zeige der Welt in welche du eintrittst, daß nicht blos Jahre den vernünftigen Menschen machen, sondern Religion, feste Grundsätze und ächte Tugend! o, dann soll auch der Seegen meiner Asche zweifach auf dir und deinen Nachkommen ruhen! Der Gott der durch seine Allwißenheit die Geschöpfe prüfet, der verbinde zeitliches Glück mit deinem ewigen Wohl. Amen!
      [Es folgt ein Gedicht „An des älteren Grafen v. Pückler/ Die Bäuerinne.]
Bey dem Ball masqué erschien eine Bauern Quadrille mit ihrer Music, die obige Verse an d. H. Gr. Pückler sen. und andere an das hohe Brautpaar gaben.
Eine gezeigte Quadrille führte der Standesherr selber mit eigner Music auf – in Römischer Rittertracht, die geschmackvoll und prächtig war: Die Ritter und ihre Damen machen die Runde vor den hohen Herrschaften und singen in eigener Composition folgendermaßen:
      [Litt. N. Die Ritter.
     Litt. O: Verse der Bauern Quadrille, gedichtet vom Hofrath Röhde, der selbst mit dabey figurirte.
     Litt. P: Auch eine Benckelsänger Familie erschien und sang folgendes Liedlein.]
gedruckt in diesem Jahre

1784. Mittwoch den 29t.
Fortsezung der eigenhändigen Vorschrift des Standesherren wegen Beobachtung der Anstallten zu den Festlichkeiten
Dienstags den 28ten
1. Ist früh Besuch bey den Eheleuten und Gratulation.
2. um l Uhr versammlet man sich in den Visittenzimmern
3. die Rieger und Paul nebst Möniz, sind in Visittenzimmem zur Aufwartung
4. Secret. Wolff mit Kruschwitzen, Allemand und Jänicken besorgen das Anrichten punkte 2 Uhr
5. H. v. Reibnitz meldet: es sey angerichtet – es wird an bunter Reihentafel gespeißt
6. die Hautboisten blasen bis weillen - bey Gesundheiten werden die Mörser vom Berge abgefeuert.
7. Nach der Tafel Caffee und gespielt
8. Masquenball. Frau von Reibnitz und die Fr. v. Geispitzsheim machen Thee. Johann, Marcko und Möniz presentiren Thee und Limonade
9. Um 9 Uhr Ambigu im großen Speisesaal. Welches Burckhard, Böhme, Allemand, Haag und Wilhelm besorgen
NB. die Schützen tragen das Eßen wie am vorigen Tage Mittags und Abends
Mittwochs den 29.
1. um 12 Uhr Concert bis um 2 Uhr
2. Tafel wie gestern ohne Tafelmusik
3. Schlittenfahrt nach Gablentz – darauf Toilette
4. Comedie. Bey welcher mit Billets versehene eingelaßen werden, und die Jäger Balderey, Bratcke, Petrick Vater und Sohn die Zugänge besetzen und niemanden ohneBillet einlaßen Herr von Reibnitz mit Keiteln dirigiren
Limonade und Thee presentieren Johann, Marco, Haag u. Paul. Möniz und Allemand Milch und das Chauffoir [vermutl. Warmes], nebst Richtern der uns mit Caffee und Thee bedient.
Burckhard. Pannach, Calau, Kamrad und Rottnick besorgen die Decorationen und Stühle
6. Hierauf begiebt sich die Gesellschaft in die Stube der Frau Gräfin Littichau zum
Feuerwerck
6. Ambigu wie gestern
7. Ball //
29. Dec. – der Standesherr war kränklich –
Während der Schlittenfahrt der Herrschaften – bey welcher die Neuvermählte Gräfin das unangenehme Schicksal hatte umgeworfen zu werden doch ohne Schaden – war Repetition der Comedie: der Schwarze Mann - und eines von dem Standesherren gedichteten und componirten Stück mit Gesang – Opfer im Tempel Hymenäus überschrieben: Beyde Stücke – in welchen beyden der Standesherr selbst mit debutirte gelangen und wurden mit allgemeinen Jubel und Beyfall beehrt
      [Beylage des Opfers im Tempel Hymn. O. nebst der Music.]
An diesem Tage war die Stadt illuminirt, die Herrschaften fuhren daher aus der Comedie in der Stadt herum sie zu besehen und fanden verschiedene sinnvolle und gutmüthige Ausdrücke. Dann ward im innern Schloßhofe ein kleines Feierwerck abgebrannt – zum Ambigu gegangen und getantzt.
Personen an der Mittagstafel am 29t.       [Es folgt die Tischordnung für 34 Personen.]
Da der hiesige Koch die Arbeiten zu bestreiten nicht vermögend war, auch zum serviren und bedienen gebraucht wurde, so besorgte der Koch Richter aus Oegeln, die Kocherey – Beylage seiner Küchenzettel.

1784. den 30. Die zum Recess zur Herrschaftsabtretung wurden ausgefertigt und vollzogen und Notefications abgesendet.

1785. den 3. Jan. war der zur feyerlich symbolischen Übergabe und Abtretung der Standes-herschaft Mußkau von Standesherrlichen Vater des Herrn Grafen Georg Alexander Heinrich Herrmann von Callenberg an seine vermählte Gräfin Tochter Clementine Cunigunde Charlotte Olympie Luise Gräfin v. Pückler.
Der Actus wurde im großen Speisesall vollzogen. Nachdem alle Officianten, das Ministerium, der Stadtrath, die Richter gesammter Dorfschaften sich versammlet und die Herrschaften sich geordnet hatten.
Schreiber dieses als Hofgerichts S ecretair zur Aufnahme der Registratur über diese Begebenheit Plaz genommen hatte eröffnete der Hochgräfl. Cedent den Act mit folgender Rede:
Geliebte Tochter! ich erfülle heute feyerlich im Angesicht des Allgegenwärtigen, meiner Unterthanen und meiner Diener die Zusage, die ich dir am Tage deiner Verlobung that: mich zu Gunsten deiner, meines Vermögens zu entäussern! Noch bist du fast zu jung, die Größe des Opfers zu begreiffen das ich der belohnenden Aussicht deines Wohnlstandes bringe, und es ist die Möglichkeit einer solchen Entäußerung nur in den Herzen eines Vaters. Wenige dürften meinem Beyspiele folgen. – Ich hoffe bey Gott es soll mich nicht gereuen! In dir und den deinigen liegt der Stoff der möglichen Erfüllung dieses Wunsches – in mir ein mächtiges Zutrauen in deine Danckbarkeit – in ihr Mitwirken – in Gottes Segen. Ich habe bis heut alle meine Pflichten gegen dich Gottlob erfüllet. Die Laufbahn der deinigen wird in diesem feyerlichen Augenblick eröfnet, ohngeachtet die Ausübung eines großen Theiles derselben nach meinem Rathe und meinem Wunsche in Betracht der Herrschaft Mußkau erst nach den – Gott gebe weit entfernten – Ableben deines Herrn Schwiegervaters – erfüllt werden sollen. Aber, da ich von der Szene abtrete, so ist es die lezte Pflicht des Vaters, dich wenigstens damit bekannt zu machen. Geburt und Erziehung, geliebte Tochter! erheben dich über deine nunmehrigen Diener und Unterthanen. – Das heißt: sie berechtigen dich – sie durch dein Beyspiel zu erbauen - und zu leiten. Das heißt: sie berechtigen Sie – alles edle, alles Gute von Dir zu erwarten. Religion im äußerlichen und innerlichen Gottesdienste, machen dir es leicht so wie es deine Mutter ohne Wechßel fast zehn Jahre gewesen ist – Mußkaus Beyspiel zu werden. Menschenliebe, Gefühl für deine Brüder, machen dir es leicht – Mußkau zu beglücken. Nie empöre den Niederen gegen Dich, durch Härte oder Stoltz: Nie verblende Dich das Irrlicht irdischer Größe. Nie verleite dich der schlechte Reitz der Herrschsucht – die nur der ungesittete Große im Gebieten findet – weniger gut zu scheinen, als du mit deinen Grundsätzen – mit deinen Herzen – und – darf ich es dir zurückrufen? – nach meiner Erziehung – nicht allein seyn kanst – sondern – hier wohlauf, Tochter meines Herzens! – seyn must. Und dazu fordere ich dich auf – im Angesicht des Gottes, der dich mir gab: der in deiner Geburt, und in dem Tode deines Bruders, die Rechte meiner Unterthanen an Dir als eine Verheißung des Seegens für sie bestätigte. Werde die Geliebte, durch deine weise Aufführung, das zärtlichste, geliebteste Denckmahl das ich ihnen zurück laße! und Ihren und Meinen Herzen ein unauflösliches Band gegenseitiger Liebe. Eine seelige Zurückerinnerung meines guten Willens für sie!
An die Bürgerschaft
Ja, geliebte Freunde! anwesende und abwesende Bewohner der Herrschaft Mußkau! Hier ist mein bester Seegen für Euch! - empfanget aus meinen Händen, eine zwar junge Mutter! aber, die meine bisherige väterliche Führung das Beyspiel der unnachahmlichen Mutter! der Rath und das Exempel ihres zweyten würdigen Vaters, vorbereiten werden - Euren Wohlstand zu bestätigen. Ich kann Euch, die ich so warm – so zärtlich liebte – deren Wohl der Lieblings Gegenstand aller meiner Wünsche war, deren Glück mich so sehr freuete, deren Elend mich so sehr beugte, Euch, geliebte Kinder, kann ich nicht verlaßen, ohne mein Herz vor Euch auszuschütten. Als ich vor 11 Jahren das Ruder der Herrschaft ergriff, Ihr Bürger Mußkaus! lagen noch in ihrer Asche die meisten Hütten die ihr jetzt bewohnt. Ich dancke es Gott, der sie Euch erbauen half, daß ich Euren Unvermögen zu Hülfe kommen konnte. Ich dancke es ihm, daß ich Mußkau als eine Zierde meines Vaterlandes meinen Nachkömmlingen übergebe. Den größten Theil von Euch dancke ich für die Erfüllung Eurer Pflichten, verzeyhe den Verirrten, die mich verkannt und oft bis in den Tod betrübt haben und bitte es jeden unter Euch ab, dem mein Beyspiel, meine Äußerungen oder meine Handlungen ein Anlaß zur Beschwerde geschienen haben können. Ich bitte Euch um Zutrauen zu Eurer Herrschaft, um Mistrauen gegen feile Rathgeber des Streites, die nur ihren Gewinst und den Schaden aller suchen. Ich bitte Euch Eurem Wohl hinführo weniger im Lichte zu stehen! Gottesfurcht, Treue im Beruf, Ehrbarkeit im Wandel, Liebe und Schonung gegen Euern Nächsten, Zufriedenheit bey seinem Wohle, thätiges Mitleiden bey seinem Elende, Schicklichkeit in Euren Zerstreuungen – um diese bitte ich Euch – Dir Väter im Volcke – sonst werden Eure Kinder weder tugendhaft noch glücklich seyn, und Eure Nachkommenschaft Eure Asche nicht seegnen. Laßt Euch die Erziehung Eurer Kinder angelegener seyn als bisher! seyd selbst gut, selbst fromm, und lehrt – aber um Gotteswillen verfuhrt nicht durch Euer Beyspiel. Verschleudert nicht den billigen Lohn eures Verdienstes Eurer erlernden Handwercke, Eurer Talente in sittenlosen Spiel, das so viele unter Euch dem Mangel zuführt und beträufelt nicht das [...] Brod Eurer Kinder mit dem Fluche ihrer Thränen! Ich habe keinen Vortheil von dieser Ermahnung, meine Freunde, ich war sie meiner Überzeugung – Eurem Wohl schuldig. Sie sey mein Testament an Euch.
An sämmtliche Unterthanen
erst in wendischer, und dann in deutscher Sprache.
Ich nahe mich Euch, Ihr meine Brüder! die ihr im Schweiß Eures Angesichts Euer Brod eßet, und Eures Herrn Brod bauet! Nie hab ich Euren Werth, nie Eure Würde verkannt. Danck, meine theuren Kinder, für jede seegensvolle Arbeit, durch welche ihr meinen Unterhalt versichert und meine Obliegenheiten erfüllet habt. Danck, warmen Danck für jeden Fortschritt im Guten, den ihr gethan, für jedes Vorurtheil das ihr abgelegt, für jedes Mittel Euren Wohlanstand zu befestigen das ihr ergriffen habt. Eure Jugend hat sich vielmehr gebildt als ich sie fand. Sie wird ihre Greise für ihre Erziehung seegnen, und neuen Seegen Euren Nachkommen verehren. Fahrt fort im Guten, bauet Eure Felder, sucht da und nicht im Walde – der Eurer Herrschaft, und nicht euch gehört, durch Fleiß und Treue das Mittel Eures Bestehens. Tragt die kostbare Zeit, die ein Theil von euch ans Vorurtheil verschwendet nicht hin zu den hartherzigen Theilnehmern Eures Diebstahls, die fast umsonst den Beweiß Eures Vergehens an sich reißen, und den ersten Fluch über das übelerworbene Guth, durch seine Herabwürdigung sprechen. Fehlt Euch Unterhalt, so bittet Eure Herrschaft um Mittel dazu, und giebt sie Euch die, so ergreift sie dankcbar. Im Schweiß deines Angesichts solst du dein Brod eßen - aber nicht stehlen. Dis ist der Ausspruch Gottes, und dis ist die lezte Bitte Eures Euch verlaßenden Herrmanns.
An meine Tochter!
Geliebte Tochter! mir und einem großen Theile der hier anwesenden zittern jetzt Thränen in den weinenden Augen. Wir liebten uns und ich werde sie allezeit lieben! Thätige Beweise meiner Zuneigung werde ich Ihnen nicht mehr geben können, aber Wünsche und Gebet opfere ich Ihnen bis an mein Ende. Uns schmerzt unsere Trennung. Ich reiße mich los von den zerreißendem dieses Bildes um mich den tröstenden der Hofhung zu überlaßen, die Ihnen und mir übrig bleiben. Du, und dein geliebter Rathgeber, der fromme Mentor, der dir zu Seite zu stehen, mir und meinen Kindern verspricht, dem ich Nestors Jahre wünsche, und deßen Herz mir Bürge ist, daß ich mit Recht für Mußkaus Wohl alles von Ihm bitten, alles von Ihm hoffen darf – werden die Stelle ersezen die ich verlaße. Sie wird beßer bekleidet werden, und nur diese Hofhung spricht mich vom Vorwurfe los, meine Heerde zurückzulaßen. Jetzt sind die Hände leer, aus welchen du mein Eigenthum erhieltest. Clementine, meine Tochter! - täusche nicht meine Hofnungen! - wandle vor Gott und sey fromm! - und dann empfange aus diesen leeren Händen den vollen Seegen deines Vaters:
Der Herr seegne dich und behüte Dich!
Der Herr erleuchte sein Angesicht über Dich und sey Dir gnädig!
der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe dir und Mußkau Frieden!
Ein feyerliches Gebet des abtretenden StandesHerrmn endete diese rührende Handlung
      [Beylage Abschrift der Rede.]
# Schon seit langer Zeit hatte mein durch körperliche Leiden oft erschütterter Geist das Bedürfnis der Ruhe. Meine Pflicht verbot mir bis jetzt die Gewährung derselben; die Vermählung meiner geliebten Tochter verstattet mir sie – da ich meiner Obliegenheit gegen meine Unterthanen und Untergebenen nichts zu vergeben befürchten darf, gebe ich den Gedancken Gehör, meine geliebte Tochter an meine Stelle treten zu laßem, um Ihr die Bahn vorzuzeichnen, die ich nach dem Maaße meiner Überzeugung, meiner Kräfte, und meines Gewißens, seit 11 Jahren gewandelt bin. Ich habe, laut des hiermit meinem Hofgericht übergebenen Recesses diesen Entschluß feyerlich erfüllt und den heutigen Tag zu der symbolischen Übergabe meiner gekauften und ererbten freyen Erb und Standesherrschaft Muscau anberaumet. Kraft der mir daher zustehenden Gewalt, übergebe ich also hierdurch ermeldete Standesherrschat sammt Pertinentien, Regalien, Nuzen und Beschwerungen, so wie selbst besagter Recess verbotenes besagt meiner geliebten Tochter, der hochgebohrenen Gräfin und Fr. Frau Clementine Pückler Baro-nes von Groditz, geb. R. Gr. von Callenberg auf das Rechtsbeständigste, und da selbige ermeldete Cession dem Curatore maritali et sexus specialis dencknehmigst acceptiret, finde ich der Nothdurft, meinem Hofgerichte, deßen Hofrichter und Assessoribus, meinem gräflichen Gericht, deßen Preside und Assessoribus, meinen Vasallen, denen Geistlichen, meinen Officianten, sie gehören nun zur Werthschaft oder Forst zu Allaun oder Eisenfabriquen, allen Schulhaltern, meinen Verwaltern, Prüfern, Voigten, Schößern u. s. w. meinem Magistrate und Bürgerschaft meines Städtleins Mußkau, meinen Gerichten und Unterthanen in denen sächßischen und schlesischen Dörfern ermeldeter Herrschaft Mußkau, und allen denjenigen die mir durch Pflichten zugethan und verwandt sind, hierdurch aufs feyerlichste für Ihre bisherige Treue, Ehrfurcht und Ergebenheit, so wie für jede mir erzeugte gehorsame Erfüllung ihrer Pflicht zu danken. Sie aber hiernächst derselben zu entlaßen, und damit nach Maasgabe ihrer reynen Gewißens und Bestallungen an meine hier anwesende geliebte Frau Tochter zu verweißen, welche sie alle insgesammt abfordert den Handschlag zu geben, und dabey zu versprechen haben, sich nicht allein gehorsamlich zu der nach erhaltener Erbverreichung der Herrschaft Muscau anzuberaumenden feyerlichen Erbhuldigung einzufinden, sondern auch bis dahin allen Anordnungen, so der anstelle meiner Frau Tochter die Administration führende sich verbindende Herrn Grafen v. Pückler sen. in ihren Nahmen erlaßen wird, ohnweigerlich und wie es getreuen Vasallen Beysitzern, Geistlichen, Officianten, Dienern, Magistratspersonen, Bürgern und Unterthanen der Stadt und auf dem Lande gebühret und eignet, gehorsamlichst Folge zu leisten.
Dieser Actus wurde befohlenermaßen vollzogen
Hierauf wendeten sich der Hochgräfl. Herr Cedens an Dero Frau Gräfin Tochter – an die anwesende Bürgerschaft an die Bauern und halten folgende Anrede an Dieselben, [siehe oben]
Nachdem die in fine annectirte Rede des Herrn Hofrathes Röhde, als Curator sexus specialis der Frau Gräfin von Pückler gehalten worden war.
vidi signum ♀
      [Gebet, mit welchem der Standesherrliche Cedent seine Rede beschloß.]
Es wurde an 3 verschiedenen Tafeln gespeißt
Einige Tage nach dieser Begebenheit beschloß d. H. Graf Herrman sich einige Zeit zu entfernen und seine Frau Schwester, die Frau Baron Dieden zu besuchen.
Vor seiner Abreise schrieb er folgenden Brief an seine Frau Gräfin Tochter und den Herrn Schwiegersohn d. H. Graf Puekler!
Litt: ∆ Meine liebe Kinder! ich verlaße Euch mit Thränen und mit Euch die Tausende, die ich Euch übergeben habe - um Gottes Willen den Geber und die Übergebenen, Erinnert Euch der feyerlichen Übertragung meiner Pflichten am Tage meiner Abdanckung und seyt glückliche und geliebte Besizer des von mir Euch aufgeopferten Eigenthums. Aber zum Abschiede noch ein Wort an Eure Herzen an Euren Verstand:
1. Seyd Christen in der That und in der Wahrheit. Das heißt: Liebt Gott und den Nächsten! Das heißt: Dienet Gott öffentlich und in geheim, Euch zum Trost und Mußkau zur Erbauung. Besucht gern und ordentlich die Tempel Gottes! Hört gern und mit dem Wunsche es zu nutzen sein Wort, leßt es täglich laut zusammen, schlaft nie ein, ohne zusammen Gott mit Andacht und Wärme laut für die Erhaltung im Tage gedanckt zu haben; Erwacht nie, und streckt nie die Arme gegeneinader aus, ohne sie in Dank zu erheben zu dem Gott, der Euch die Ruhe der Nacht und die nöthigen Kräfte im Erwachen schenkte. Bestimmt nach Eurem gemeinschaftlichen Frühstücke eine Stunde der Religion Jesu - und fangt mir zur Liebe und Euch zum Nutzen an mit dem Handbuch der Religion von Hermes, das Ihr täglich in gewißen Versis durchlesen möget. Aber nie sey irgendeine Entschuldigung vorwiegend Euch diese Pflicht brechen zu machen! Leßt die Episteln des Neuen Testaments durch, die enthalten die herrlichste Moral, die beste Anweisung zur praktischen Religion. Dann geht an Eure Arbeit, und
2. In derselben seyd gewißenhaft genug, um Euch am Abende jeden Tages, keinen Müßiggang vorwerfen zu dürfen. Ich bezeuge es Euch vor dem allmächtigen Gott, nur wenn Dir Euch beschäftiget werdet Ihr einander nie überdrüßig werden, und jede Rückkehr des einen in die Arme des Ändern, wird doppelter Lohn ehelicher Treue seyn, wenn sie das Bewustseyn erfüllter Pflicht oder des ausgeübten Guten würzet. Bittet daher
a) den Superintendent Euch gemeinschaftlich 2 Stunden Moral, 2 Stunden Physick zu geben, und gebt ihm dafür in diesem WinterQuartal 21 th. 5 gr.
b) den Hofrath Röhde, Euch 2 Stunden Encyclopädie, 2 Stunden Chemie zu lesen
c) Kaufft Euch die neueste Edition von Büschings Geographie und leßt darinnen. Schämt Euch Eurer unbegreiflichen Unwißenheit darinnen genug, um nicht immer in der politischen und geographischen Kenntnis Eures Vaterlandes und Eures Zeitalters fremd zu bleiben. d) Sie, mein Sohn, suchen Sie sich ein wenig mit mathematischen und Cameral- auch oeconomischen Schriften bekannt zu machen. Denn Wißen schadet nichts, aber Unwißenheit schadet erstaunlich. Und du, meine Tochter nütze die Zwischenzeit
e) mit Erlernung und Vervollkommnung weiblicher Kenntniße, in Arbeiten und wirtschaftlichen Verrichtungen
f) leset unter Euren ferner französisch gute Schriften einander wechßelsweise vor
g) Versäumet nicht Eure Freunde und Bekannten, sondern schreibt Ihnen, damit sie Euch Freundschaftsgefühl zutrauen und Euch fort lieben; denn man lebt nicht in der Welt nur für sich allein; und unsere Zufriedenheit hört auf es zu seyn wenn sie sich blos auf unsern Verstand gründet, ohne an seine Nebenmenschen zu dencken. Wer sich allein lebt, ist gewiß nicht gut, und höchst unedel.
h) ich erwarte wöchentlich einen Brief von Euch. Zweymal hintereinander schreibt mir Louis, und die dritte Woche Clementine. Nichts kan Euch von dieser Pflicht lossprechen und ihre warme Erfüllung allein, wird es mir beweisen, ob Ihr Kinder, oder Fremdlinge seyd dem Vater wie es wenige giebt.
3. ich erwarte Euch zu Ende Aprilis in Lausanne, von da ich Euch im Anfang des May zu den nächsten Verwandten meiner Ehel. Frau bringen werde. Reiset über
1. Leipzig nach Gotha, wo Ihr von der mir der unvergleichlichen Frau v. Buchwald gemeldet seyd, die Ihr beyde als Mutter ehren sollt, und die Euch eure Aufführung am Hof vorschreiben wird. Die Herzogin ist Deine Pathe, du bist ihr also Aufwartung und Respeckt schuldig.
2. Von da geht gerade nach Hanau, und erfahrt da, ob meine Schwester Diede in Ziegenberg bey Friedberg ist. In diesem Falle geht mit einem leichetn Cabriolet auf 2. Tage hin
3. Nun haltet Euch nicht wieder auf bis Basel, wo Ihr vor 8. Carolin Euch Eure Kutsche miethet bis Lausanne wo ich Euch in Bellevüe erwarten werde.
4. Im Rückwege besucht die Pücklerische Anverwandte, wenn es Zeit Geld und Umstände verstatten.
4. Ist diese große, kostbare aber nöthige Reise vorbey, so kehrt zu Eurer Pflicht zurück liebe Kinder, – Sie Herr Sohn – zu der Verwaltung Ihres Ihnen anvertrauten Gutes Branitz und üben Sie sich gewißenhaft in Erlernung und Ausübung neuer, aber höchstnöthiger Kentniße, damit Sie einmal im Stande sind die Güther meiner Tochter nicht als Neuling zu führen. Du, meine Tochter kehre denn in dich selbst zurück befestige das Glück deines Gemahls durch Aufmercksamkeit auf alle sittliche und gesellige Pflichten deines Ehestandes. Sey eine gewißenhafte Haußmutter, verschwende nie deine Einkünfte, siehe nie diejenigen deines Mannes an als ein Eigenthum das du zerstreuen kanst. Auch mit den größten eigenen Vermögen hat keine Ehegenoßin dieses Recht. Sie muß sich fügen nach demjenigen so ihr ausgesetzt ist, und sich vor Schulden hüten, die kein Mann zu bezahlen schuldig ist. So wie es die Pflicht eines rechtschaffenen Mannes ist, seiner Frau das nöthige Auskommen nie zu versagen, so gewiß ist es, daß es nur die Frau den Nahmen einer guten Haußfrau verdient, die das Vermögen ihres Mannes zu vermehren, oder doch wenigsetns zu erhalten sucht. Dahero hüte dich deines Gemahls Liebe zu dir, durch ungerathene Ausgaben zu mißbrauchen. Reisen, Schmuck, kostbare Kleider – Modesucht – Aufenthalt in großen Städten – die stinckenden Särge aller Ordnung und aller Sittlichkeit – Gastgebote, Maskeraden – Comedien – alle diese Quellen des Mangels, wenn man sich an ihrem giftigen Nectar unmäßig berauscht – vermeide sorgfältig. Gehe häußlich, nämlich sittlich gekleidet. Verschwende wenig Geld und noch weniger Zeit an deinen Nachttisch! bist du tugendhaft, Clementine, so gehst du einher im köstlichen Staate – bist du das Glück deines Gatten! So trägst du an deiner Brust den schönsten Diamant! und nur dann bist du der aufblühende Trost meines Alters, und das gebe Gott!

1786. vom 14. Aprill. Reißte der Herr Graf Hermann Callenberg über Wien und Salzburg nach Ziegenberg und kam Anfangs Juny nach Mußkau zurück – Der Sekretair Flach war Begleiter.

1791. 4. May. Vermählte sich der Herr Graf Curt Heinrich v. Callenberg, Holländischer General.Major mit Charlotten Magdalenen Christianen Freyin von Bassewitz. Kanonißin des freyen Stifft Hervordern zu Wien. Notafication Litt. R.

1792. den 6ten August vermählte sich der ältere Herr Graf Pückler mit Fräul. Auguste Charlotte Louise von Kracht – Er überraschte damit die ganze Familie – da er niemanden etwas kund werden laßen und den Zeitpunkt wählte, wo alle von Mußkau entfernt waren.

1785. 30t. Octbr. gebar die Standesherrin Fr. Gräfin von Pückler ihren ersten Sohn – welcher am 4. Novbr. getauft wurde. An seiner Taufe dichtete der Großvater, Herr Graf v. Callenberg folgenden Gesang:
Mel: Liebster Jesu wir sind hier
[Text des Grafen Callenberg.]

Den Gevatter und Notifikation sprechen.
     1. die Herzogin von Gotha
     2. die Gräfin Lippe
     3. deßen Gemahl
     4. der H. Graf Curt v. Callenberg
     5. H. Baron v. Diede zum Fürstenstein
     6. Fr. Minister von Hagen
     7. d. H. Gr. v. Callenberg Großvater
     8. deßen Fr. Gemahlin
     9. d. H. Gr. Pückler Großvater
     10. Fr. v. Buchwald in Gotha
     11. Frl. Mariane Loew
     12. H. Minister von Loeben
     13. Fr. Gräfin Gersdorff in Uhyst
     14. H. Graf von Littichau
     15. Fr. v. Maxen Oepeln
     16. H. Minister v. Hertzberg
     17. d. H. Gr. Pückler von Schedlau
     18. d. H. Gr. Pückler von Stuttgard
     19. d. H. GrafFalgurduPin
     20. Fr. Gräfin d’Aost
     21. Fr. Gräfin Sade
     22. d. H. Graf Golowkin
     23. d. H. Landeshauptmann v. Carlowitz
     24. Fräul. v. Werthern
Es war große Tafel, an dieser waren:
      [Es folgt die Sitzordnung für 31 Paare und eine Einzelperson] Nach der Taufrede, während die Taufzeugen zum Täufling traten ward gesungen
No. 243, V. 5
Dir sey denn dieses Kind empfohlen
Nach der Taufhandlung
No. 238
Ich bin getauft auf deinen Nahmen.
Er ward confirmirt am 13. Febr. 1801
     Beylage Religions Gespräch zwischen dem Hofpr. Brescius und d. H. Grafen

1790. 20. Aug. ward die Standesherrin von einer Gräfin Tochter glücklich entbunden, die den 25t getauft wurde - Clementine wurde confirmirt d. 21. April 1805 Beyl. Wechselgesang bey der Confirmationsfeyer

1792. 27. Dez. gebar die Standesherrin eine Gräfin Tochter und wurde getauft Bianca, confirmirt am 5. April 1807

1794. 5. Octbr ward die 3t Gräfin Tochter gebohren und den 15t getaufft Agnes


wolff1 hogarth marriage5 death


1795. 4. May starb der gewesene Standesherr Herr Graf Herrmann v. Callenberg. 51 Jahr alt. Er hatte ein langwieriges Krankenlager - und schmerzhaft - deßen Gemahlin war seit geraumer Zeit auf ihren Gütern zu Gollwitz in der Uckermarck - Verfaßer Dieses war von ihr mit specieller Vollmacht versehen - bey diesem eintretenden Falle alles Nöthige zu besorgen und ihre Rechte zu vertreten. In Folge derselben veranstaltete er mit Beyrath der Standesherrin und nach der eigenhändigen Vorschrift des Verewigten die Leichenbestattung. Dem Verlangen gemäß wurde für Demselben in der wendischen Kirche ein neues Gewölbe gebauet um dort beygesetzt zu werden. Dieser Todesfall war mir sehr schmerzhaft. Er raubte mir nicht sowohl den gutenHerrn als den Freund - Er schrieb mir einst, mir unbewust in mein Stammbuch:
„Ein Diener wie Du ist selten, und wird nur bezahlt durch meine Liebe“
Der durch Kabalen und Ränke sich stets auszeichnende Hofgerichts Director Hempel, der oft gutes Vernehmen und Zutrauen der Hochgräfl. Herrschaft geschwärtzt hatte, lies auch noch bey dieser schmerzlichen Epoche sein Licht in tücksichen schadenfrohen Handlungen leuchten, indem er in wiederrechtlicher Neugierde bey der Versiegelung forderte, den Inhalt der Schränke und Kommode vorher zu durchsehen – vorgebend: daß ohngeachtet der Versiegelung des Nachlaßes des vorigen Standesherrn, sich Unrichtigkeiten ergeben. Schreiber dieses, als allein noch gegenwärtig ascistirende der auch jener Versiegelung beygewohnt hatte, und als zu gegenwärtigen Acten bevollmächtiget, äußerte demselben seinen verachtenden Unwillen, und forderte ihn auf zu beweisen, welche Unrichtigkeiten sich damahls gefunden, oder von wem sie geäußert worden wären. Da die hochgräfl. Geschwister noch lebten und mit dem Schreiber in wohlwollenden freundschaftlichen Vernehmen stünden. Der Boshafte zog sich in seine eigne Kriecherey zurück, fröhnte aber seinen hämischen Charakter wieder damit daß er den tief von Trauer ergriffenen nöthigte noch deßelben Tages aufs Jagdhauß zu fahren und dort versiegeln zu laßen. Seine Chikane bewies er auch bey Eröfnung des Testamentes am 5ten May –
     Die Besetzung der Wachen bey der Leiche. Beyl. A
     Die Anordnung des Leichen Conducts. Beyl. B
     Die Anordnung der Speisung Trauerbegleitung. Beyl. C
     Die Anordnung der Vertheilung von 89P/2 Ellen Flor. Bey. D
     Die eigenhändige Verfügung wegen Beerdigungs Anstalten des Entseelten.Beylage E
     Die Personalien der Abkündigung. Beyl. F
     Die zwey Trauer Oden beym Leichenzuge und in der Kirche. Beyl. G
     Die vom Superintendent Vogel gehaltene Leichenpredigt Beyl. H.
     Die Standrede am Grabe, gehalten von Hofprediger Brescius Beyl. I.
     Die Denkschrift des Hofraths Röhde für die Oberlausitzische Gelehrte Gesellschaft, deren President der Verewigte war. Beyl. K.
den 9ten May ward der entseelte Körper in seinen Sarg gebracht und en parade in den großen Speisesaal aufgestellt auf einem Trauergerüste das mit 42 Wachßkerzen erleuchtet war.
den l0ten Abends ward die Leiche zu Ihrer Ruhe geleitet – die Vasallen – Geistlichen – Schulen - alle Dienerschafft und nach gehaltener Predigt und StandRede – wurde der Sarg in die neugebauete Gruft in der wendischen Kirche gebracht und verschießen Ruhe in Gott.
den lten Kam die Frau Gräfin Wittwe in Mußkau an.

1795. 12. May Frau Gräfin Wittwe wählte mich zu ihren Curator und ich wurde vom Hofgericht dazu bestätigt – als solcher verlangte ich sofort Entsiegelung – da die Frau Gräfin als UniversalErbin ernannt und Sie die Erbschaft gerichtlich angenommen hatte.
18. May Übergabe der Garderobe an die Standesherrin, nach Innhalt des Testamentes
21. May Entsiegelung auf dem Jagdhause. Die Frau Gräfin Wittwe nahm einiges altes von Tisch- und Bettwäsche - für die Leute aus und schenkte das übrige Mobiliare nebst Wäsche an Ihre Frau Tochter wie auch den Weinkeller mit seinen ganzen Beständen.
31. July. Abreise der Frau Gräfin Wittwe auf ihre Güter.
Nachdem sie vorher alle Ausgleichungen mit hiesiger Hochgr. Herrschafft berichtiget - und mich gerichtlich zu ihren Generalbevollmächtigten hatte bestätigen laßen und mit die Constituirung dazu mit legaler Unterschrift behändiget hatte.

1796. 11. Febr. kam die Frau Gräfin Callenberg nach Mußkau und hielt sich daselbst bis zum 15. März auf. Während dieses Aufenthaltes begleitete ich Sie nach Dreßden auf einige Tage.
5. Juny Feyer des Geburtstages der Standesherrin von Ihrem H. Gemahl veranstaltet
Mittags Tafel von 38 Couverts
Abends Ball – wo d. H. Graf eine Garten Quadrille aufführte
     1. H. Graf mit Fr. Gr. Pückler (Fr. Stiefmutter)
     2. Lieut. Weiss – Frl. Kracht
     3. H. v. Bismarck – Frau v. Schollenstern
     4. H. v. Frankenberg – jüngste Frl. Kracht
     5. Sekr. Flach – Fr. Schwartzen
     6. Sekr. Wolff – Fr. Schubertin
Auch ein kleines Feuerwerck und schöne Illumination in Garten
6. Juny. ward die Sonnenjungfrau aufgeführt
Die Standesherrin spielte die Cora. Lieutn. Frankenberg Rolla
Lieut. Bismarck Alonzo, H. v. Weiss den Mönch,
Wolff, den Oberpriester Er reussirte sehr gut
Hierauf Ball

1796. 16. July. Die Standesherrin trat die Reise nach Carlsbad an.
Ich muste Sie dahin begleiten - trafen den 19t in Töplitz und den 22.t. in Carlsbad ein
ich hatte bey der Gelegenheit das ausnehmende Vergnügen die Baron Diedensche Familie in Carlsbad zu finden, und ein paar Tage Ihren Umgangs mich zu erfreuen. -welches das Letztemahl war - den 25ten mußte ich allein zurück und kam d. 29. nach Mußkau
Die Standesherrin war von Carlsbad nach Eger gegangen. - Von dort wurde ich beauftragt Sie abzuholen und wieder nach Mußkau zu führen - Ich gieng daher am 6. Septbr. mit Wagen und 4 Pferden ab - langte den 11t in Eger an, fand die Fr. Gräfin schon abgereißt, und traf Sie in Carlsbad. Wir reißten von da den 13t ab über Töplitz nach Dreßden, wo sich die Frau Gräfin 2 Tage aufhielt, öftere Besuche von d. H. Graf Seydewitz erhielt - bey welcher Gelegenheit ich Sie erwartete -den 19t reißte Frau Gräfin über Bauzen - ich über Hoyerswerda nach Mußkau.
den 27. fuhren d. H Graf und Fr. Gräfin nach Dreßden

1797. den 2t Jan. kehrte d. H. Graf allein zurück - holte die Gemahlin in Berlin und kamen beyde den 5. Märt hier an
den 19. Juny reißte die Herrin - in Gesellschaft der Frau v. Obym nach Pyrmont ins Bad. – Verhängnisreiche Reise – von da nach Hamburg und retournirte erst den
1798. 23. Februar
20. May reißte die Herrin wieder ins Bad nach Pyrmont
11. Sept. kam sie wieder in Mußkau an
Es erfolgte die Trennung der Herrin und ihres Herrn Gem.
Die Frau Gräfin cedirte Ihre Herrschaft anfänglich zur Hälfte dann gänzlich an Ihren Herrn Gemahl, da Sie sich von ihm entfernt hatte. –

1799. 17. Febr. starb die Frau Gräfin Lippe in Regenspurg 54 Jahre 6 Tage alt

1800. 8. Novbr. Datirt sich die förmliche Ehescheidung.
Nach einer am Sarge ihres verst. 2ten Gemahls, des Königl. Bayer. General-Major und Brigadiers H. Grafen v. Seydewitz, gehaltenen Standrede, war Sie mit diesen bereits 1799 vermählt. Verificiret durch gesehenen Trauschein des Kabinetspredigers Schmidt der Churfürstin zu Bayern3
Die Unheilbringende moralische Verirrung wäre ganz unterblieben, wenn Gott das Leben Ihres Gattens mit längerer Dauer geseegnet hätte. Er lies sie geschehen – und die Folgen – sie führten viel unerfreuliches und wiedriges mit sich.

1801. 13. Febr. Confirmation d. H. Grafen Ludwig Heinrich Hermann v. Puekler deßen Religionsgespräch mit seinem Lehrer, der Hofprediger Bresciusp> 1803. 29. Aug. starb die Frau Baron. Diede zum Fürstenstein geb. Gr. v. Callenberg auf einer Besuchreise beym Cardinal Rezzonico in Italien 51. Jahr

1804. 15. Juny. Diese Nacht um l Uhr ergoß sich der Neußfluß ungeheurer Art aus seinen Ufern, und verursachte eine gräßliche von ältesten Menschen nie erlebte Waßerfluth die das ganze Mußkauer Thal der Art und so schnell unter Waßer sezten daß man sich sogar vom Schloß retiriren muste.
Der ältere Herr Graf Pückler, der aufm Amthauße wohnte – muste sich im Kahn über den Kirchdamm zur Stadt transportiren laßen:
Die herrschaftlichen Pferde konnten nur mit Noth aus den Marstall gerettet werden. Auf dem SchloßVorwerge muste 38 Stück Rindvieh ohne mögliche Rettung ersauffen. Der ganze herrschaftliche Garten war eine Fluth, und die Verwüstung war gräulich. Alle Brücken waren demolirt, ja sogar die steinerne Brücke die vom AmtsHauße nach der Stadt führt ward zertrümmert. Haußgeräthe, Wiegen wältzten sich auf den Wellen einher – Menschen von der Schnelligkeit überrascht hatten sich auf Bäume gerettet und musten da mit Furcht und Zittern ihres Schicksals gewärtigen bis die Fluthen sich legten, was zum Glück schon den 16ten beträchtlich erfolgte. Schrecklich waren die Verwüstungen nach Verlauf des Waßers anzusehen. Der ganze kleine Garten war zerstört. In Schloß und Wein Kellern war alles unter und übereinander geworfen und größentheils zertrümmert und unbrauchbar.
Ein einziger Mann, der damahlige Rechnungs Examinator Sieber hatte sich ins Schloß begeben, zur Aufsicht in eintretenden Ereignißen.
den 17ten war das Waßer wieder in seinen Ufern, aber es hatte hin und her Löcher von 12 Ellen tief ausgewaschen, und der Schade der übersandeten Felder und Wiesen war sehr groß.
27. Novbr. Ward ich zum Vormund des jungen Grafen Herrmanns bestätiget, um mit Ihm Quittung auf 250 Thlr. des 4ten Theils der Gardarobentaxe vom verst. Grafen v. Callenberg zu erstreiten.


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1805: Verhängnisreiches Jahr
29. April Reise des Standesherrn nach Frankreich zum Oncle H. Grafen Latour du Pin nach Conde. Comtess Clementine und Bianca begleiteten denselben. Comtess Agnes war bereits vorigen Jahres von ihrer Mutter dahin geführt und gelaßen worden. Rückkehr M. Juny mit allen 3 Töchtern
Das Schloß wurde gründlich abgeputzt.
Einer der Schloßthürme moderner Art neu aufgesezt
Es wurde ein Bad mit Tempel massiv in Garden gebauet.
Ein Allaun Magazingebäude bey der Allaunhütte erbauet.
Der linke Flügel der Wirtschaftsgebäude des Schloßvorwercks ward gebauet.
Durch Verwüstung der schrecklichen Waßerfluthen im vorigen Jahre und Misrathung der Erndte an vielen Orten.
Durch Unterlaßung nöthiger Vorsorge wegen Zufuhr von Getreyde von Auswärts, entstand eine große Theuerung und Hungersnoth. In dieser bedrückten Zeit rief ich den Beystand der Fr. Gräfin Seydewitz, des Herrn Graf Curt von Callenbergs und der verwittweten Frau Gräfin Callenberg flehentlich auf, und erhielt
     50 Thlr. von der Fr. Gr. Seydewitz
     50 Thlr: von d. H. Gr. Curt Callenberg und
     von der Fr. Gr. v. Callenberg einen wesentlichen Betrag.
Der Scheffel Korn muste in Görlitz mit 16 Thlr. 20 gl.
Gerste 12 Thlr. 12 Gl.
Weizen bis 20 Thlr.
Hafer 8 Thlr. 8 gl. bezahlt werden.
Durch gemeinsame Obsorge ward Korn erkauft, gemahlen, gebacken, und allwöchentlich beym Superintendent Vogel, beym Hofgerichts Director Hempel, und bey mir Brod und Mehlvertheilungen veranstalltet. Drey solcher Austheilungen fanden bey mir statt
am 19. July – 132Brode
     28. July – 129 Brode und Mehl
      3. Äug. – 131 Brode und Mehl
Bey diesen drückenden Zeitumständen führte ein unglückliches Verhängnis noch einen Krieg herbey! Der französ. Kayser Napoleon hatte sich zum König von Italien krönen laßen. Er hatte Genua dem französ. Reiche einverleiben laßen, und andere große Eingriffe in Italien für sich und seine Familie gemacht. Das glaubte Oestreich und Rußland nicht geschehen laßen zu müßen. Sie boten sich die Hände, und wollten mit vereinten Kräften Napoleon zwingen davon abzustehen und einen allgemeinen Frieden der das Gleichgewicht sichern – einzugehen. Unglücklich aber war der Erfolg. Oestreich wurde mit einer zuvorkommenden Schnelligkeit durch französ. Übermacht – besonders durch unbefugtes Durchmarsch von Anspach und Bareyth – überzogen, ehe noch die verbündigten Rußen heranzukommen im Stande waren, daß es auf allen Punckten geschlagen wurden. Die berühmte Bataille bey Austerlitz führte die 3 Kayser, von Oestreich – Rußland und Frankreich persönlich gegen einander und Erster und Lezter boten sich die Hände zum Frieden.
Am 7. Octbr. war der Vorhang des großen Trauerspiels bey Neuburg an der Dunau aufgezogen worden und den 27. Decembr. fiel er wieder zu Presburg

1806. 16. Dec: Begleitete ich Comtess Clementine und C. Bianca nach ... in Pension zur Frau Kammerherrin von Knoch

1807. 3. Mart. muste ich dieselben wieder bey der Fr. v. Knoch in Jauer abholen und hierher bringen.

1806. m. Octbr. tritt Preußen und Frankreich in Kampf. Aber sein vor Ihm hergehender Ruf täuscht die Welt unerhört schnell. Siege über Siege der Franzosen vernichten Preußen fast ganz. Mit Preußen fallen ChurHeßen [...] Fulda und Braunschweig. Der ganze deutsche Norden war in Gefahr.

1808. Duellgeschichte des Herrn Graf Herrmann Pücklers zu Wien mit den Grafen Ferd. Colloredo Mansfeld
gedruckte Declaration d. H. Graf Herrmanns

Des Herrn Graf Herrmanns Reisen in die Schweitz, nach Frankreich Italien, Rom, Neapel pp.

1807. 25. April, nahm die Frau Gr. Seydewitz Comtess Agnes von Mußkau mit weg und brachte solche ins Stift Altenburg
l. Decbr. starb der Herr Baron Diede zum Fürstenstein in Hannover

1809. 17. Decbr. Gieng ich ins Stift Altenburg und übernahm dort von der Ehrwürdigen Pröbstin v. Hagen die Comtess Agnes und brachte sie hierher zurück. Meine mittlere Tochter begleitete mich für die Comtess zur Gesellschaft und den
23ten brachte ich sie gesund und wohlbehalten zum Vater und Schwestern.
12. Sept. Verlobungstag der Comtes Clementine v. Pückler mit dem H. Grafen Hans Carl Ludwig Fabian Gr. zu Kospoth.
Mittags 12 Uhr war der feyerliche Actus den der Standesherr mit einer paßenden Rede aussprach und vollzog. Mittags war große Tafel
Abends war Theater – Ein Allegorisches Vorspiel von den Cand. Petrick – und Cervantes Gemählde – welches gut von Statten gieng – die Schauspieler waren zur Abendtafel. Da ich nicht gewürdiget worden war, zur Feyer des Tags geladen zu seyn; so verbarg ich mich als man mich um 5 Uhr zur Debitirung meiner Rolle als Mahler Motillo in Wagen ins Theater gebracht hatte unter die Zuschauer, um das Vorspiel selbst zuvor anzusehen, und den ganzen Act des Tages zu ignoriren ohne unter den Gratulanten zu figuriren, was ich füglich nicht konte, da mir nichts bekannt gemacht war.
Der Herr Graf suchte mich bezeigte sich sehr freundlich und gnädig verkündete mir die geschehene Verlobung, erzählte daß er eine Rede dabey gehalten, die vielen Beyfall und Rührung gefunden habe, machte eine oberflächliche Entschuldigung daß er den Hofrath Röhden und mich nicht gebeten habe, und ladete den Hofrath, meine Frau, Marianen und mich zu morgen Mittag ein – um uns der gräfl. Kospothschen Familie vorzustellen, versprach mir auch seine Rede zum lesen zu geben. Zugleich verlangte Er, daß ich nebst allen Schauspielern in den Theater Kostüm (was in spanischer Maßkeraten Kleidung war) heute Abend zum Abendeßen aufm Schloß erscheinen möchte; was ich aber bestens ablehnte und vorstellte, Er werde hoffentlich das Unschickliche meines Erscheinens in dieser Tracht vor einer respektablen Familie, der ich bekannt zu seyn noch nicht die Gnade habe selbst ermeßen und mich entschuldigen. Er muste das, ob Ihm schon das Unschückliche nicht einleuchten wollte, doch gutheißen.
Vorspiel und Nachspiel wurden mit Beyfall aufgeführt. Nach Beendigung wollte die Fr. Gräfin Charlotte Pückler darauf bestehen, daß ich mit den Acteurs aufs Schloß zum Eßen kommen sollte, und als Sie die Ursache nicht begreifen wollte, sagte ich Ihr unverhohlen, es würde gegen allen Wohlstand seyn, wenn ich als ein alter Freund und Diener vom Hause mich der gräfl. Kospothschen Familie in diesen Narrenkleide vorstellen ließe. Mit Misfallen überlies man mich endlich meinem Eigensinn und ich eilte nach Hause.
13. Sept. wurden wir Mittags 4 in Wagen abgeholt. D. H. Graf presendirte uns der Kospothschen gräfl. Familie, und es war wieder große Tafel von 37 Couverts
13. Sept. Gegen Abend hatte die Gräfin Charlotte v. Pückler ein Bauern Erndtefest veranstaltet, was eigentlich aufm Weinberge statt haben sollte, wozu der Gärtner seit verschiedenen Tagen Anlagen gemacht hatte – das aber durch Regenwetter vereitelt wurde. Sie selbst, die Gräfin und ich als Richter und Richterin der Gemeinde, führten vom Amtshauß, unter Vortretung wendischer Musick, einen Zug von jungen Leuten, alle in Bauernkleidern die den Erndtekranz trugen – Braut und Bräutigam trugen den Cranz. Diesen folgten 10 Paar, worunter Gräfin Bianca mit Baron Houwald, Fräul. Kracht mit H. v. Carlowitz, 2 von meinen Töchtern – Jungfer Schlabkin, Jungfer Rochaun. Der Zug gieng überm Schloßhof, die große Brücke hinauf. Die Herrschafften hatten sich unterdeßen an großen Portale versammlet. Ich als Richter muste denn den Gruß der Gemeinde vortragen, und fragen, ob es erlaubt wäre einen Erndtekranz zuüberreichen. Nach erlangter Erlaubnis zogen wir denn vollends heran und übergaben der Fr. Gräfin Großmutter des Bräutigams den Cranz nebst einem Gedicht – alle Übrige erhielten Blumensträuße.
Nach Aufführung eines Rundtanzes auf dem Schloßhofe muste ich um Erlaubnis bitten noch einen Tanz auf den Tanzsaal machen zu dürfen, wohin denn nun alles zog. Im Saal wartete die Musik und unser Bockpfeiffer wurde entlaßen. Der Ball dauerte bis l Uhr, wobey die Frau Scholzin im Bewirthen sich sehr geschäftig auszeichnete.
     Beylage des Gedichtes, von Herr Wehlam gedichtet, und eines zweyten gedruckten Gedichtes zur Feyer des Festes

1810. 24. April Vermählung dies Hochgräfl. Paares
     Beylage des Ehecontracts in Abschrift und Bemerkung dazu

1810. 9. Febr. starb der ältere Graf. August Heinrich Graf v. Pückler Baron von Groditz, auf Branitz, allhier auf dem Ammthaus in den Alter von 89 Jahren 3 Monaten und wurde 15. Febr. Abend 6 Uhr zu seiner Ruhestädte in die H.gräfliche Gruft in die deutsche Kirche begleitet.
     Beylage: Abkündigung der Personalien Anordnung der Wachten bey der Kirche Annonce durch die Zeitungen Anordnung des Leichen Conducts
Verabschiedung des zeitherigen Hofgerichts Director Hempels, durch Oberamts Commission – an deßen Stelle kam der Hofgerichts Director, characterisirte Hofrath Edelmann aus Bauzen.

(16.01.2010.)


1 Clementine war 1773 erst drei Jahre alt; s. oben.
2 Franz.: Mahlzeit, bei der alles zugleich aufgetragen wird; Mischmasch.
3 Nach Arnim/Boelcke, Muskau, S. 139: Kurfürstin zu Sachsen.

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