Leopold Schefers Römische Quartette Op. 20 (2)
Herausgegeben von Mirko Scholta-Scholze
Vorgestellt von Bernd-Ingo Friedrich
Leopold Schefer: Römische Quartette Op. 20 Nr. 2 C-Dur für 2 Violinen, Viola und Violoncello.
Hrsg. Mirko Scholta-Scholze. Bautzen: LUMIR 2009. ISMN M-700170-32-5. 21,40 Euro.
Nachwort
Der in Muskau (Oberlausitz) geborene Jugendfreund Fürst Hermann Pücklers begann dieses Streichquartett laut Angaben von Dr. Ernst-Jürgen Dreyer wohl im Jahre 1817 in Triest. Mit dieser Veröffentlichung gelangt nun nach fast 200 Jahren das erste der Römischen Quartette Op. 20 von Leopold Schefer (1784-1862) an das interessierte Konzertpublikum. Danken möchte ich Herrn Dr. Ernst-Jürgen Dreyer, Kaarst [heute Neuss], für Anregung und Unterstützung, die zur Veröffentlichung beitrugen. Vor allem danke ich aber Herrn Hubert Kross, St. Blasien, für die Mitarbeit am Lektorat und für vielfältige Hinweise, Interpretationsangebote und Lösungsvorschläge bei verschiedenen kritischen Stellen des nicht immer leicht zu lesenden Manuskripts. Besonders gekennzeichnet wurden Interpretationsvorschläge (gestrichelte Legatobögen, in Klammern gesetzte dynamische Angaben).
Mirko Scholta-Scholze.

Zur Bewertung der Römischen Quartette innerhalb des Scheferschen Gesamtwerks siehe „Leopold Schefers Römische Quartette Op. 20 (1)“
Der folgende Zusatz zum Nachwort von Mirko Scholta-Scholze weist leider einige Schwächen auf:
- Seine Aussagen bestehen in deduktiven Schlüssen auf der Basis von Axiomen.
- Arno Schmidt als Kronzeugen in (nicht nur) dieser diffizilen Frage aufzurufen, ist keine wirklich gute Idee, denn er unternahm die Recherchen für seinen Funkessay „Der Waldbrand oder Vom Grinsen des Weisen“ vom (eigenen) Schreibtisch aus; verwendete, wie Bettina und Lars Clausen nachgewiesen haben, unzuverlässige Sekundärliteratur (Lüdemann, Brenning), und bediente sich um dramatischer Effekte willen nachweislich auch folkloristischer Elemente.
- Der Schlußsatz ist etwas dubios, denn 1.) wuchsen alle Deutschen in den okkupierten slawischen Gebieten unter Sorben/ Wenden auf und 2.) war ihre Umgebung nicht sorbisch dominiert, sondern die Deutschen beherrschten die Sorben.
Siehe dazu: „Der junge Vater – Leopold Schefer und die Sorben“
Vergleiche auch: „Herbstlied – Musik von Herrn Schefer, Text von Herrn Wehlam“

Brief Arno Schmidts an die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften Görlitz.
Foto © Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften Görlitz.
Zu den „sorbischen Wurzeln“ von Leopold Schefer
(sie u.a. Arno Schmidt: „Der Waldbrand oder vom Grinsen des Weisen“)
Nachgewiesene sorbische Vorfahren bei Leopold Schefer finden sich bis dato nur von Seiten der Mutter Hanna Sophia geb. Schumann. Ihr Vater ist der sorbische evangelische Pfarrer von Klitten Johann Gottlieb Schumann, der Großvater ist Christoph Schumann, zuletzt evangelisch-sorbischer Pfarrer in Purschwitz bei Bautzen. Dieser stammt aus dem Spreewaldstädtchen Lübbenau. Die Umgangssprache dort ist noch bis ins letzte Drittel des 18. Jahrhunderts sorbisch, die Bewohner bis auf geringe Ausnahmen Sorben.
Der Name Schumann irritiert in diesem Kontext nur scheinbar. Sorbische Familiennamen werden oft nur übersetzt in die Kirchenbücher aufgenommen. In den Büchern der drei Bautzener Kirchgemeinden erscheinen z.T. dieselben Personen in unterschiedlichen Schreibweisen. So findet sich etwa als Täufling ein „Lehmann“ an in dem einen, als Pate und „Wiæaz“ in dem anderen, sein Sohn schließlich, etwa als Bürger der Stadt, ausschließlich als „Lehmann“ im Kirchenbuch der evangelischen deutschen Stadtpfarrei. Ähnliche Beispiele sind „Krawc“ – Schneider, Schuster – Šewc, Kowar – Schmid oder Korèmar – Kretschmar. In den Büchern der katholischen Parochie „Unserer Lieben Frau“ stehen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts teilweise beide Schreibweisen nebeneinander, wie z.B. „George Scholtze vel Schouta“, „Petrum Schmid seu Kowar“, „Lehmann seu Wic¿az“ (das Sorbische in der damaligen Rechtschreibung.)
Christoph Schumann heiratet 1711 in Bautzen Margaretha, Tochter des Bürgers und Schuhmachers Michael Zangenberg. Eine ihrer Schwestern wiederum ehelicht einige Jahre später den Bautzener Kauf- und Handelsherrn Andreas Rachlitz. Dieser Sorbe ist gebürtig aus Oberkaina, einem Dorf nahe Bautzen. Aus der Ehe geht u.a. der spätere Vizekanzler der Oberlausitz Andreas Gotthelf hervor. Bezeugt sind enge verwandtschaftliche Verhältnisse („Patestehen“). Man kann im 17./18. Jahrhundert in Bautzen von einer gewissen sorbischen Community ausgehen, da vor allem auch im vornehmeren Bürgertum gemischtnationale Ehen weitverbreitet sind.
Schefers Großvater Johann Gottlieb Schumann heiratete 1751 Dorothea Sophie Glöckner. Ihr Vater Johann Christoph Glöckner ist Besitzer des Hammerwerks Burghammer und Erbpächter eines entsprechenden Werkes in Boxberg – beide in der Oberlausitz – die Mutter Erdmuthe Sophie geb. Seiffert. Johann Christoph Glöckner stammt aus Werdau/ Sa., wo sein Vater Christoph den dortigen Hammer besitzt.
Sowohl Leopold Schefers Mutter als auch Großmutter mütterlicherseits wachsen in einer sorbisch dominierten Umgebung auf.
(16.05.2010.)
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