Louis von Schelcher, komponierender Adliger, wohnhaft auf Dubrauke
Von Bernd-Ingo Friedrich
Im Personenregister unseres Buches „Mit Begeisterung und nicht für Geld geschrieben“. Das musikalische Werk des Dichters Leopold Schefer heißt es zu Louis von Schelcher lapidar: „Schelcher, Louis von (Lebensdaten nicht ermittelt), wohnhaft auf Dubrauke/ Großkölzig, komponierender Adliger.“1
Der in der Schreibweise Schefers angegebene Ort hieß Dubraucke (mit ck). Er wurde 1937 von den Nationalsozialisten in Eichwege umbenannt und gehört heute zu Döbern (NL) in Brandenburg. Dubrauke hingegen liegt in der Nähe von Baruth in Sachsen auf halber Strecke zwischen Niesky und Bautzen. Dieser Ort ist ohne Beziehungen zu Callenberg, Pückler oder Schefer.
In Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer, Band 1, Kreis Spremberg, wird ein „v. Schelcher“ als Schwiegersohn der Familie von Schlieben nur mit dem Nachnamen genannt: „Auguste Wilhelmine, geb. Friedrichshain 1814, verm. 1. m. Samuel August Gotthilf v. Leupold auf Reuthen u. Horlitza, verm. 2. ... NN. v. Schelcher.“
Weitere Lebensdaten zu dem „komponierenden Adligen“ Louis von Schelcher ließen sich nur aus Leopold Schefers Briefen und verstreuten Nachrichten ziehen. Sie werden hier kurz nach Dreyer/ Friedrich (s. Anm. 1) zitiert.
S. 39 (1856)
S. 40 (1857)
S. 169 Werkverzeichnis B.XIII, Streichquartette und Quartettsätze
Darüber hinaus ließ sich zu Louis von Schelcher nichts finden. Der Name von Schelcher ist im Deutschen Adelsarchiv in Marburg nicht nachweisbar. Über Informationen, die uns weiterhelfen könnten, würden wir uns sehr freuen. Diesbezügliche Nachrichten bitte an: friedrichwsw@gmx.de.
(05.02.2010.)
1 Dreyer, Ernst-Jürgen/ Friedrich, Bernd-Ingo: „Mit Begeisterung und nicht für Geld geschrieben“. Das musikalische Werk des Dichters Leopold Schefer. Görlitz: Verlag Gunter Oettel 2006; S. 206.
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S. 38 (1854)
Schefer (als Bearbeiter seines Textes von 1821) und Louis von Schelcher vom Rittergut Dubrauke (Kölzig) bei Muskau, als Komponist „Schüler von [Carl] Maria von Weber und Marschner“ [Anm. 145: Briefe: 1857 Aug. 6.], arbeiten an einem Oratorium Das Todtengericht. [Anm. 146: Briefe: 1854 Juni 11.]
Weiter heißt es ebenda:
Hermann von Bequignolles will „das Todtengericht gleich Anfang der zweiten Hälfte des Jahres (1855), das Bettelkind ebenso im Februar (1855) (in Görlitz) zur Aufführung bringen“. Zum Bettelkind bewahrt die OLBdW folgende Notiz auf:
„Das Bettelkind.“
Dichtung von Leopold Schefer.*
Als Melodram mit Orchester componirt
von Louis von Schelcher.
Klavierauszug vom Componisten
Auch als selbständiges Musikstück ohne Worte vorzutragen.“
(* „Das Bettelkind“ ist enthalten in: Der deutsche Pilger durch die Welt. Kalender und Volksbuch für alle Länder deutscher Zunge auf das Jahr 1842. Hrsg. von einer Gesellschaft von Gelehrten und Schriftstellern. Stuttgart: Hallberger’sche Verlagshandlung; S. 1f.)
Schefer sendet an die Illustrirte Zeitung „für das bevorstehende Weihnachtsfest“ eine „allgemeinansprechende Composition von Louis von Schelcher und ein eigenes Lied. [Anm. 152: Briefe: 1856 Nov. 8.]
Schefer bietet dem Verlag Leuckhardt (recte Leuckart) in Breslau ein Melodram Louis von Schelchers an (Das Bettelkind?). Es sei „in 10 und mehr Städten und auch hier vor des Königs Bruder und Schwester etc./ mehrmale/ mit Orchester mit grösstem Beifall aufgeführt“ worden; Aufführungen in Sorau und Bautzen stünden bevor. [Anm. 158: Briefe: 1857 Aug. 16.]
[...] 1 Quartett davon/ aus Esdur/ No.2./ hat H[err] von Schelcher/ in Großkölzig geborgt erhalten/ den 3ten Juli 1847.
2 Houwald, Götz von: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 1. Kreis Spremberg. Neustadt a. d. Aisch: Verlag Degener & Co. 1978. (Bibliothek familiengeschichtlicher Quellen, Band 22.), S. 55.