Leopold Schefer als Komponist
Publikationen von Ernst-Jürgen Dreyer
Kompiliert von biF

Artikel in Fachzeitschriften
Dreyer, Ernst-Jürgen: „Der ‚fadeste unwirksamste’ aller Akkorde“. In: Musiktheorie 10 (1995) Heft 2. Laaber 1995; S. 137-148.
ders. „Hanka ty sy moja - Leopold Schefer und das Volkslied“. In: Letopis 42 (1995) 2. Bautzen 1995; S. 68-86.
ders. „Robert Schumann und Leopold Schefer“. In: Schumann-Studien 5. Köln 1996; S. 189-220.
ders. „Der Lavamann. Poetische und musikalische Sequenz im Werk Leopold Schefers“. In: Schumann-Studien 6. Köln 1997; S. 225-241.
ders. „Leopold Schefer und die ‚in der Luft schwebende Musik’. Ein Beitrag zur Geschichte des Liederzyklus'“. In: Die Musikforschung 51. Jg. 1998 / Heft 4. Kassel 1998; S. 438-445.
ders. „Salieris zweiundzwanzigster Schüler. Der Muskauer Dichterkomponist Leopold Schefer“. In: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz 1998. Stuttgart-Weimar 1998; S. 277-297.
Selbständige Publikationen

Klage und Trost. Gesänge mit Pianofortebegleitung von Leopold Schefer. Hrsg. Ernst-Jürgen Dreyer. Bargfeld: Luttertaler Händedruck 1995. 100 S. Broschur.

Leopold Schefer. Das Vater unser. Doppelkanon zu 4 Stimmen/ per Coro SATB a cappella/ herausgegeben/ edited by Ernst-Jürgen Dreyer. Partitur/ Full score. Carus 23.305. Stuttgart: Carus-Verlag o.J. (1998). 16 S. Broschur.
Leopold Schefer (1784-1862) Ausgewählte Lieder und Gesänge zum Pianoforte. Hrsg. Ernst-Jürgen Dreyer. München: G. Henle Verlag 2004. (Das Erbe deutscher Musik. Band 122. Sechster Band der Abteilung Frühromantik) 152 S. Folio. Leinen.

Dichter als Komponisten. Kompositionen und literarische Texte vom 13. bis zum 21. Jahrhundert. Hrsg. und mit einem Essay begleitet von Ernst-Jürgen Dreyer. Köln: Stallgefährte 2005 (Sonderheft Musikwissenschaft 1) 174 S. Ringheftung.
Ernst-Jürgen Dreyer/ Bernd-Ingo Friedrich: „Mit Begeisterung und nicht für Geld geschrieben". Das musikalische Werk des Dichters Leopold Schefer. Görlitz: Verlag Gunter Oettel 2006. 208 Seiten.
Tagebuch einer großen Liebe. 22 Lieder von Leopold Schefer. Limitierte Jubiläumsausgabe zum 222. Geburtstag von Leopold Schefer. Herausgegeben vom „Freundeskreis Lausitzer Musiksommer“ Bautzen. KONSONANZ Musikagentur Bautzen 2006. CD mit booklet, 16 S.

Leopold Schefer (1784-1862). Hanka ty sy moja und andere kleine Stücke. Hrsg. Ernst-Jürgen Dreyer. Bautzen: ENA-Musikverlag 2007. 20 S. Broschur.
Rezension
Der in Bautzen ansässige ENA-Verlag hat sich des ebenso überschaubaren wie außerhalb der Lausitz nahezu unbekannten Repertoires sorbischer Musik angenommen. In der Liste der Komponisten finden sich keine großen Namen, dafür viele Kleinmeister und Liebhaberkomponisten wie der ehemals fürstl. Pückler-Muskauer Generalinspektor Leopold Schefer (1784-1862). Das schmale Heft umfaßt reizvolle Petitessen wie Variationen über ein wendisches Volkslied („Hanka ty sy moja“) oder ein musikalisches Epitaph für jene Königin Luise, die 1807 den Frieden von Tilsit aushandelte. Dabei handelt es sich um geistvolle Salonmusik, die sich eher an den Berliner Lokalgrößen Zelter und Reichardt als etwa an Beethoven und Haydn orientiert. In dieser weisen Bescheidung zeigt sich Schefer jedoch als geschickter und effektsicherer Tonsetzer, der Kadenzharmonik und freundliche Melodik in einen auch von Schülern und geschmackssicheren Amateuren gut zu bewältigenden Klaviersatz zu formen weiß.
In: Piano news 3/2008 (Mai/Juni). Düsseldorf: STACCATO-Verlag 2008; S. 74.
Rundfunksendung
„Weltfahrt und Gemüsegarten. Der Dichter und Komponist Leopold Schefer. 1784–1862.“ Eine Wort- und Musiksendung von Ernst-Jürgen Dreyer. Mit 17 Liedern. Bayerischer Rundfunk 11.02.1995 und Sender Freies Berlin 11.03.1995. (Coproduktion.)
Sonstiges
Dreyer, Ernst-Jürgen: „Leopold Schefer/ Ouvertüre zur Tragödie Sophokles.” In: Programmheft Konzerte der Lausitzer Philharmonie 2 1992/93. Unpaginiert.
ders. „Leopold Schefer/ Ouverture d-moll op. 2.“ In: Programmheft Bautzener Sinfoniekonzerte 6 1995/96. Unpaginiert.
Artikel „Leopold Schefer“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. (MGG) Kassel: Bärenreiter-Verlag und Stuttgart: J.B. Metzler'sche Verlagsbuchhandlung 1994-2007.
Schefer
Leopold, *30. Juli 1784 in Muskau/ Oberlausitz, +13. Febr. 1862 ebd., Schriftsteller und Komponist. Schefer, Sohn eines Arztes und einer Pfarrerstochter, empfing frühe musikalische Eindrücke von den Hofveranstaltungen im Callenbergschen Schloß (Haydn, Naumann, Georg Benda). Von erzwungenem Klavierunterricht befreite ihn 1798 der Tod des Vaters. Auf dem Bautzener Gymnasium besserte ab 1799 der Kantor Johann Samuel Petri sein Klavier- und Violinspiel und regte ihn zu kleinen Kompositionen an. 1804 erzwang die Mutter seine Rückkehr nach Muskau. Die Jahre der Bestimmungskrise sind von Quartettspiel sowie dem Phantasieren auf der Glasharmonika geprägt. „Homer’s Entweichung“, gedichtet und komponiert 1806, rechnet mit dem Herrschaftsanspruch der Mutter ab.
1809 verliebt sich Schefer in die vierzehnjährige Komtesse Agnes Pückler, die er sich zur Geliebten erobert. 1811 erfolgt mit dem Regierungsantritt Hermann Pücklers auch die äußere Wende in Schefers Leben: Er wird Pücklers Berater und im Jahr darauf General-Inspektor der Standesherrschaft Muskau. 1811 gibt Pückler Schefers Gedichte, 1813 dessen Gesänge zu dem Pianoforte heraus; doch verhindern die Kriegsereignisse Besprechung und Verbreitung. 1814 besucht Pückler mit Schefer Landschaftsgärten Englands; 1815 entbindet er ihn mit einem Pensionsversprechen (das er möglicherweise nur bis 1845 hielt) von seinen Inspektorenpflichten und ermöglicht ihm die langersehnte „Weltfahrt“. Diese führt über Wien, wo Schefer 1816 Salieris und Joseph Heidenreichs Schüler wird, nach Griechenland, Italien, Kreta, Ägypten, Palästina, Konstantinopel und Smyrna.
Nach der Rückkehr Ende 1819 gründet Schefer eine Familie und führt in Muskau ein genügsames Biedermeierdasein. Auf Anregung von Amadeus Wendt verfaßt er 1822 eine Novelle exotischen Kolorits, „Palmerio“, der über 60 weitere sowie Zyklen didaktischer Lyrik folgen, darunter das „Laienbrevier“ (21 Auflagen). 1838/39 sendet er Robert Schumann, der um eine Novelle für die NZfM bat, seine nur als vierhändiger Klavierauszug existierende Symphonie. Gestorben ist Schefer, dessen Dichterruhm noch zu Lebzeiten verblaßte, verarmt.
WERKE
A. Veröffentlichte Kompositionen (ohne Einzelveröffentlichungen)
Leopold Schefer’s Gsge zu dem Pfte [...], hrsg.vom Grafen Pückler-Mußkau, B&H Lpz.[1813] # Neugriech. Vlder mit Kl.-Begl. In: Musik-Beilage zu dem Taschenbuch zum geselligen Vergnügen 1823, Joh. Friedr. Gleditsch, Lpz.1822 # Das Vater unser, Doppel Kanon 4 v.op.27, Appun’s Buchhandlung, Bunzlau 1838 (verschollen) # Doppelson. A zu vier Händen op.30, ebd.1838 (verschollen) # Sechs Vlder zum Pfte, op.42, F.Fechner, Guben 1841 (verschollen).
B. Unveröffentlichte Kompositionen (Auswahl; Mss.meist in D-WRgs)
I. Vokalmusik: Lieder - Ensembles: Homer’s Entweichung 3 v. mit Pftebegl. (1806) # Päan 4 v., Pfte colle parti (1808) und Adonis Grabgesang, 4 v. (1808).
II. Bühnenwerke: Opernszenen zu Sakontala, Part.
III. Instrumentalmusik Orchestermusik (meist KlA.): Ouverture d op.2, mehrere Fassungen unter den Titeln Alceste (ersetzt durch) Euphrosyne (1810), Euphrosyne (Stimmen) D-B, Euphrosyne ersetzt durch Sakontala (Part.1816), Ouverture in D moll [1844] D-B # Ouverture d op.3, mehrere Fassungen unter den Titeln Sakontala (1810), Sakontala Akt V [Part.1816], Ouverture zur Trag. Sophokles (1849) D-WRgs und D-GÖs # Zwei Orch.-Fugen (Mai 1838) zu Große Fugen Sinf. # Große Symph. Es op.33 (1837). Nachkomponiertes Capriccio (1847). Fassung mit Capriccio D-B # Kammermusik: 3 StrQu.(Römische Quartetten op.29) d, C, h, (1817/18) # Klaviermusik und andere Soloformen: Var. „Hanka ty sy moja“ [...] wendisches Volkslied, verändert (1803) in D-Zsch # 3 Vierhändige Son. A, D, B (1837-1848) # Glasharmonika-Piècen.
C. Schriften (Auswahl)
Gedichte [anonym]. Hrsg. vom Grafen Pückler von Muskau. Erster [einziger] Bd. Bln 1811 # Novellen, darunter Der Zwerg, in: Zeitung für die elegante Welt, 24, 1824 Nr.62-103, Der Waldbrand, in: Huldigung der Frauen. Ein Taschenbuch für [...] 1827, 5 [1826], Der Gekreuzigte oder Nichts Altes unter der Sonne, in: Urania. Taschenbuch auf [...] 1839. Neue Folge, 1, 1839 [1838] # Layenbrevier [später Laienbrevier, Gedichte, erste noch rudimentäre Ausgabe], in: Musenalmanach für [...] 1832, 3, [1831] # Ms.: Gedrängter KANON des musikalischen Satzes D-WRsg.
Nach Arno Schmidt, 1961, S.228, ist der Novellist „einer unserer besten Meister zweiten Ranges“. Bannkräftig sind Schefers Katastrophenschilderungen, etwa des Heuschreckeneinfalls in „Der Gekreuzigte“; doch bleiben dramaturgische Angelpunkte oft unausgeführt. - Den autodidaktischen Komponisten haben das Erlebnis des Todes und das einer Liebe über Standesschranken hinweg dreimal zu überdurchschnittlichen Lied-Leistungen beflügelt. Der Zyklus „Um dich weint meine Seele“, 1805 einem Freund gewidmet, der als Berghauptmann im Ural umgekommen war, nimmt Zusammenhang und Rundung des romantischen Liederkreises vorweg. In dem intensiven Liedschaffen ab Sept.1809, das im Jan.1814 mit Klagen über den Verlust der (inzwischen standesgemäß verheirateten) Geliebten erlischt, sprengen schwelgerische Zuständlichkeit, fließend einander ablösende pianistische Mittel, Freiheit des Melos’ und Unmittelbarkeit des Gefühlsausdrucks die Grenzen der Frühromantik. 1853/54 erreichen drei hochromantische Todesgesänge des Witwers (EDM 122, S.109-123) noch einmal außergewöhnliche dichterische und kompositorische Intensität.
AUSGABEN
Dichtung (u.a.): Ausgewählte Werke, 12 Teile in 6 Bdn., Veit u.Comp. Berlin 1845-57 # K. Völker (Hrsg.), Der Waldbrand, Gesammelte Erzählungen. Zweitausendeins Ffm 1985.
Musik (hrsg. von E.-J. Dreyer): Klage und Trost, Gsge mit Pftebgl., Luttertaler Händedruck, Bargfeld 1995 # Das Vater unser, Doppelkanon zu 4 Stimmen, Carus, Stuttgart [1998] # Ausgewählte Lieder und Gsge zum Pfte, Henle Mn.2004 (=EDM 122).
LITERATUR
Gesamtdarstellungen: R.Schumann, Compositionen von Leopold Schefer, in: NZfM Bd.9 Nr.18, 24.Aug.1838, S.64 # A.Schmidt, Der Waldbrand oder Vom Grinsen des Weisen, in: Belphegor, Karlsruhe 1961, S.180-229 # B.Clausen, Leopold Schefer Bibliographie, Ffm 1985 # B.Clausen/L.Clausen. Zu allem fähig, Versuch einer Sozio-Biographie [...] des Dichters Leopold Schefer, 2 Bde, ebd.1985 # E.-J.Dreyer, Salieris zweiundzwanzigster Schüler. Der Muskauer Dichterkomponist Leopold Schefer, in: JbSIMPK 1998, S.277-297.
Einzeluntersuchungen (sämtlich von E.-J. Dreyer): Hanka ty sy moja. Leopold Schefer und das Vld., in: Letopis, 1995, Heft 2, S.68-86 # Robert Schumann und Leopold Schefer, in: Schumann Studien 5, 1996, S.189-220 # Der Lavamann. Poetische und musikalische Sequenz im Werk Leopold Schefers, in: Schumann Studien 6, 1997, S.225-241 # Leopold Schefer und die ‘in der Luft schwebende Musik’. Ein Beitrag zur Frühgeschichte des Liederzyklus’, in: Mf 51, 1998, S.438-445.
Dr. Ernst-Jürgen Dreyer ist Musikwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer. Hermann-Hesse-Preis 1980 für den Roman "Die Spaltung" (1979).

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