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Gutenberg und sein Reich.

Von Leopold Schefer.



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„Wie? .... Sollen die Ungehörten büßen?“
Aus der Ballade: Ferdinand der (vor Gottes Gericht) Geladene, von L.S.

Gutenberg mit deinen Bücher-Stäben,
Die du, der Geisterheld, der deutsche Mann
Dem deutschen Volk und allem Volk gegeben,
Wer hat mit Schwertern je so viel gethan?
Wer schuf mit Sceptern je ein solches Leben?
Wer schlug so viel’ der Menschheit Feind’ in Bann?
Wer hat wie du des Wissens Reich gegründet,
Ein Feuer um die Erde rings entzündet?

O Klage! keiner Klage zu vergleichen –
Ach, wie viel Schönes starb uns unbekannt!
O Wehmuth! – aus des Nils, des Ganges Reichen
Die höchsten Geister sind uns nie genannt!
Mit Sapphos und Stesichorus Erbleichen
Schwand in den Orkus auch ihr Lied gebannt!
Von hundert Werken blieben je nur sieben!
Selbst Götter sind ihr Namen nur geblieben!

Denkt: wenn uns Göthe nicht nur selbst gestorben –
Wenn auch Mignon hin zu den Schatten ging!
Wenn Schillers Tell auch mit dem Buch verdorben,
Das, als Papier, sein heilig Werk umfing!
Wenn Kant sich auch kein andres Loos erworben
Als das der Staub dem Hermes einst verhing –
Daran ermeßt versunkner Völker Klagen!
Fühlt: was uns fehlt aus reicher Vorwelt Tagen!

Und was die Christenhunde noch zerschlagen,
Als sie die Stadt des Constantin getheilt!
Was Omar ließ als Holz in’s Feuer tragen,
Das blau als Rauch zum Himmel hingeeilt,
Was – doch mir weint die Seele, mehr zu klagen –
O Gutenberg! du hast die Welt geheilt!
Kein Brand, kein Meer verschlingt an einem Orte
Jetzt mehr der Geister tausendfache Worte!

Du bist ein Göttersohn so gut wie Einer,
Der je den Menschen himmlisch wohlgethan;
Auch jedem Volk auf Erden bist du Seiner!
Der Karaïbe noch gehört dir an,
Der Mohr dort auf Domingo ist noch Deiner,
Zum Süd- und Nordpol dringt dein Werk hinan!
Was je ein Geist an einem Ort ersonnen,
Ist jedem Geist auf Erden rings gewonnen.

Denn was der Geist schuf, Geistern zu erhalten,
Bist du gekommen als der Schöpfergeist!
Gott war in dir! Er gab dir kraft zu walten
Womit er Menschen stets sich hold erweist;
Ein ganzes großes Geisterreich entfalten
Sollst du mit Macht, die keiner dir entreißt!
Du bleibst bei uns bis an der Menschheit Ende,
Und was sie sä’t, das streuen deine Hände.

Kein König soll die Ungehörten bannen,
Sie nicht verdammen, schrecklich -: ungehört!
Und ungehört ist jeder Geist, von wannen
Er kommt, und was er schafft und was er zerstört,
Selbst was die Beßten, Klügsten einst ersonnen –
Von beßerm Wissen wird kein Volk empört!
Denn Gott hat auch ein Recht, gehört zu werden!
Und weise Menschen sind sein Mund auf Erden.

Drum redet Alle frei! so frei und bieder,
Als hörte Gott euch an! als sprächet ihr
Nur Gottes Rede, der in euch hernieder
Als Tröster kam, und walte sorgend hier
Für seine armen Kinder – eure Brüder!
Der Wahrheit Geist ist Gottes Geist in dir;
Wer Geistern wehren will, hier zu erscheinen,
Der hemmte Gott! der will selbst Gott verneinen!

Sind auch des bessern Wissens neuste Werke
Neuvoll des Inhalts alter Wissenschaft,
Nur wahrer, größer – und in alter Stärke
Nicht gelten alte Werke mehr in Kraft –
Soll Eins doch ewig gelten, hör’ und merke,
Was spät’res Meisterstück nie abgeschafft:
Das schöne Werk soll dauern und beglücken,
Die spätesten Geschlechter noch entzücken!

Nicht bloß was werth ist, stets es abzuschreiben,
Und daß es daure alter Zeit ein Mahl,
Nicht das allein soll durch die Stäbe bleiben –
O Gutenberg, gründetest zumal –
Um öffentlich der Lehre Werk zu treiben –
Das Allerweltsgespräch im Erdensaal!
Du gabst der Menschheit eine Völker-Kammer,
Drin Jedes sich erlöst von seinem Jammer.

Und alles Gute fliegt mit Sturmesschnelle,
Ersehnt, begrüßt, frei jedem Menschen feil,
Hin über Berg’ und wüste Meereswelle!
Und Jeder nimmt entzückt davon sein Theil! –
Abschreiber gibt’s nicht mehr in düstrer Zelle,
Abschreiben ist der Tod! Schon darum Heil
Dem Manne, der vom traurigsten Geschäfte
Den – Mönch erlöst, uns Zeit geschenkt und Kräfte.

Ehrt Gutenberg hoch! übt, was er gezeigt!
Verfolgt in allen Künsten seine Spur!
Wer liest, der ehrt ihn! wer zur Weisheit neiget,
Der thut ihn, Gott erforschend und Natur.
Doch wer da lügt, verläumdet, ja verschweiget
Was wahr und recht ist dem Geringsten nur,
Wer Andrer Druckwerk stiehlt, als Mensch ein Rabe,
Der schlägt noch Gutenbergen todt im Grabe!

Muskau. Leopold Schefer.


Das Gedicht ist enthalten in:
1840. Gutenbergs-Album. Herausgegeben von Dr. Heinrich Meyer.
Braunschweig, Verlag von Johann Heinrich Meyer. London, bei C. u. H. Senior. Philadelphia, bei J.G. Wesselhöft 1840.


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