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Carl Gottlieb Bellmann (1772-1861)

Der Muskauer mit dem Denkmal

Unter Verwendung einer Biographie von Cornelius Kellner


Der Komponist, Cellist, Organist und Dirigent Carl (auch Karl) Gottlieb Bellmann, geboren am 6.9.1772 in Muskau, gestorben. am 24.12.1861 in Schleswig, war der einzige Muskauer, der es zu einem Denkmal brachte. Seine Eltern waren der Maurermeister Gottlieb Bellmann und Johanna Rosina Dupnack, Tochter des Küsters der Deutschen und Wendischen Kirche. Der Maurermeister Gottlieb Bellmann spielte bei der feierlichen Grundsteinlegung für die neue Muskauer Wendische Kirche 1781 eine gewichtige Rolle wie auch bei der anschließenden Errichtung derselben. Carl Gottlieb war vermutlich das dritte von insgesamt neun Kindern der Bellmanns. Sein älterer Bruder Carl August war bis 1826 Kantor an der Wendischen Kirche und Lehrer an der Muskauer Stadtschule; sein sieben Jahre jüngerer Bruder Adolph war ebenfalls Musiker. Bellmanns musikalische Begabung scheint früh hervorgetreten, erkannt und gefördert worden zu sein. Bezeugt ist seine Tätigkeit als Cellist in der Hof-Kapelle des Reichsgrafen Erdmann von Pückler, dem Vater des berühmten späteren Fürsten Pückler. Offenbar war der Graf von den musikalischen Fähigkeiten des jungen Musikers so angetan, daß er ihn in den 1790er Jahren zu seinem Musikdirektor ernannte. Vermittelt durch den Grafen, gelangten er und sein Bruder Adolph um 1800 als Cellisten an das Schauspiel- und Opernhaus des Landgrafen Carl von Hessen im Schloß Gottorp bei Schleswig. Am 9. Dezember 1800 heiratete Bellmann die knapp zwei Jahre jüngere Friederica Christina Krause (auf dem gemeinsamen Grabstein: Kranse) aus Kiel. Sie soll die Tochter des ehem. fürstl. Jägers Otto Wilhelm Krause (Kranse?) aus Kiel gewesen sein, war aber wohl die natürliche Tochter des Staatsmannes Caspar von Saldern. Von 1811 bis 1859 wirkte Bellmann als Kantor und Organist der Kirche des St. Johannisklosters vor Schleswig und war außerdem Musiklehrer und Dirigent in mehreren Vereinen.


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Schleswig-Holstein gehörte damals zum Königreich Dänemark. Die überwiegend deutsche Bevölkerung bewahrte ihr Brauchtum und strebte die Vereinigung mit dem Deutschen Bund an. In dieser Situation wurde für 1844 das große schleswig-holsteinische Sängerfest vorbereitet. Dieses viel beschriebene, vom 23.-25.7.1844 gefeierte Fest sollte für den 72jährigen Bellmann der Höhepunkt seines Lebens und Schaffens werden. Das von Schleswiger Honoratioren gebildete Festkomitee, das die Organisation dieses ersten Schleswig-Holsteinischen Sängerfestes durchführte und Einladungen an sämtliche Liedertafeln der Herzogtümer versandte, beauftragte ihn mit der Vorbereitung eines Teils des Festprogramms. Die Mitglieder des Schleswiger Gesangvereins wollten die 12.000 Festgäste mit einem eigenen schleswig-holsteinischen Lied überraschen. Einen entsprechenden Text des Justizrats Dr. Julius Straß hatte Bellmann bereits vertont. Der Straßsche Text soll jedoch den Sängern nicht zugesagt haben. Daraufhin schuf eines der Vereinsmitglieder, der spätere Advokat Matthäus Friedrich Chemnitz, in seinem Büro im Stadtweg kurz vor dem Fest einen neuen Text zu Bellmanns schon vorliegender Melodie. Diese neue Fassung übte der Chor in buchstäblich letzter Minute ein. Am Morgen des ersten Festtages dirigierte Bellmann im Schleswiger Dom ein geistliches Konzert mit umfangreichem Programm. Es enthielt Lieder, Choräle und Hymnen klassischer und romantischer Komponisten und schloß mit einem eigens dazu von ihm komponierten „Amen“ für gemischten Doppelchor, Orchester und Orgel.


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Am Hauptfesttag, dem 24. Juli, marschierten die Sänger der beteiligten Liedertafeln in einem Festzug durch die Stadt zum Festplatz auf der Lollfußer Schützenkoppel, wo eine große Festhalle und eine Sängertribüne errichtet waren. Der Kieler Universitäts-Musikdirektor Grädener dirigierte dort einen Festchor von 500 Sängern mit einem Programm von Liedsätzen deutsch-patriotischen Inhalts. Nach einem Festmahl, unterbrochen von Vorträgen der auswärtigen Liedertafeln, betraten die Sänger des Schleswiger Gesangvereins die Tribüne, und Bellmann dirigierte das von ihm und Chemnitz geschaffene Lied „Schleswig-Holstein meerumschlungen… Wanke nicht, mein Vaterland“. Nach zeitgenössischen Berichten muß die Wirkung des Liedes eine außerordentliche gewesen sein. Bellmann erlebte hier den größten Triumph seines Lebens: Ihm war es gelungen, mit Hilfe eines politisch gemäßigten, wenn auch deutschbetonten Textes und einer kraftvollen, hymnischen Melodie die „Marseillaise der Schleswig-Holsteiner“ zu schaffen. Das Lied traf genau die Stimmung der deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner und konnte so zu einem Symbol ihrer Zusammengehörigkeit und später zur Landeshymne werden.


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Im Sommer 1810 besuchte Bellmann ohne Frau und Kinder noch einmal seine Geburtsstadt Muskau. Seine Gastrolle in der Heimat beschränkte sich auf das Auffrischen alter Beziehungen und das gemeinsame Musizieren im Streichquartett der Muskauer jungen Leute, zu dem Leopold Schefer, Georg Röhde und Wilhelm Ruperty und bis zu seinem Weggang aus Muskau 1805 auch Alexander von Röhde gehörten.1 Außerdem soll sich Bellmann – wie Bettina und Lars Clausen bemerkt haben wollen – ein klein wenig in Agnes von Pückler verliebt haben, die bald jedoch die Geliebte Leopold Schefers wurde. Mehr dazu findet sich - anderswo ...

(15.01.2010.)

1 S. auch: Dreyer, Ernst-Jürgen/ Friedrich, Bernd-Ingo: „Mit Begeisterung und nicht für Geld geschrieben“. Das musikalische Werk des Dichters Leopold Schefer. Görlitz: Verlag Gunter Oettel 2006; S. 17.

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