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Das schöne neue Liedel der Bänkelsänger


Wolff, Merckwürdige Begebenheiten:
1784 Litt: P. Auch eine Bänkelsänger familie erschien und sang folgendes Liedlein
/: es waren die 3. Grafen Brühl :/

Mit Gunst Ihr Dames fein und schön
und mit Verlaub, Ihr Herren!
Laßt uns bey diesem Bänkel stehn
und schöne Lieder plärren.
Drey Brüder sind wir. – Weit und breit
erbauen wir die Christenheit
mit Singen und mit Geigen.


tal anonym baenkelsaenger codex manesse ritter minnesang


Wir zogen lezthin wohlgemuth
zum Jahrmarkt nach Podrosche
und hörten da vom Förster gut
Allhier, auf diesem Schloße
sey bald ein großes Ehrenmahl
da werde man im Hochzeitsaal
gar weidlich sich ergötzen.

Hui, dachten wir, das ist fürwahr
ein recht gefunden Freßen!
Ein blanker Gulden, schön und baar,
dazu ein Bischen Eßen
wird hoffentlich uns nicht entgehn
wenn wir aus voller Kehle drehn,
das schöne neue Liedel.

Wohlan! wohlan! Hier rauf geschaut!
Da sprengt ein schöner Ritter
frühmorgens eh der Himmel graut
an seines Liebchens Gitter
und horcht und lauschet ob er nicht
ihr schönes liebliches Gesicht
etwa erwittern könne.

Hier auf der schönen Mahlerei
auf die das Stäbchen zeiget
sehn wir den Ritter, Nummer zwey,
wie er vor ihr sich neiget.
Ein Pfeil steckt tief im Herzen ihm:
Cupido feuert drüber hin
und trifft schon Liebchens Busen.

Hier auf der warmen Contrefey
liegt er zu ihren Füßen:
und seht doch! seht nur Nummer drey,
wie sie einander küßen!
„Ach Herzchen! liebstes Schätzchen mein!
„Ja, ewig, ewig bin ich Dein,
„uns soll der Tod nicht trennen.

Hier endlich auf der Nummer vier
wird sich representiren
wie er sein Liebchen voll Begier
ins Brautgemach thut führen
Cupido zieht den Vorhang auf.
„Schlaft wohl! schlaft sanft! wacht fröhlich auf!
„Gott schenk Euch Glück und Seegen!

„Seyd Eurer Eltern höchste Lust!
„Thut Eure Kinder lehren,
„Daß sie mit liebevoller Brust
„den braven Herrmann ehren
„der von Arminius Heldenstamm
„den edlen Nahmen überkam
„und ihm an Tugend gleichet.

„Lehrt sie, den klugen edlen Greis
„von Branitz würdig schätzen,
„und Wilhelminens frommen Fleiß
„durch Dankbarkeit ersetzen!
„Denn“ Bruder horch! was geht da vor?
Wer Henker flüstert mir ins Ohr?
Ha, ha! ich habs errathen!


tal anonym baenkelsaenger aquarell venus amor

Mit freundlicher Genehmigung der Kunsthandlung Ralph R. Haugwitz, Kulmbacher Straße 3, 10777 Berlin.


Steht nicht im siebenden Gebot:
Mein Freund, du solst nicht stehlen
Und dennoch hat der Liebesgott
/: ’s kläglich zu erzählen :/
dem armen Liebchen was geraubt
durch unsern Ritter. – Wers nicht glaubt
darf nur die Nachbarn fragen.

Denn gestern Nacht, als gleich der Hahn –
doch still! die hübschen Kinder
dort in der Ecke sehn uns an
und athmen schon gelinder.
Nur gar zu gerne möchten sie
erfahren dies, und das, und wie?
Ja, stecht euch nicht, ihr Mädchen!

Kurzum, Cupido bleibt ein Schalck!
Er stiehlt als wie ein Rabe.
Der, die ihm traut, dem Armen Balg,
raubt er die beste Habe.
Ein Mädchen aber, das nicht will
beraubt seyn, halt’ ihm auch nicht still!
Wir sagens Euch zur Lehre.

----- gedruckt in diesem Jahre.

(16.01.2010.)


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