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Gräfin Wilhelmine von Callenberg

Die Mutter des Muskauer Musenhofs


Den „Aufzeichnungen eines Ungenannten“, und natürlich auch wieder Wolffs, läßt sich entnehmen, daß die Gräfin Wilhelmine von Callenberg (geborene Marianne Wilhelmine Eleonore von Oertzen; Tochter eines Generals, der 1756 in der Schlacht bei Lobositz an der Elbe spektakulär gefallen sein soll*) streng darauf sah, daß man sich bei Hofe gut unterhielt und daß auch jeder in irgend einer Beziehung zu ihm Stehende – also jeder – sein Teil dazu beitrug; daher denn wohl auch der Stoßseufzer des oder der Unbekannten: „Dank sei Gott, daß ich dem Schloße zu weiter nichts als den gewöhnl.[ichen] Artigkeiten verpflichtet bin.“ Sie war die zweite Frau Hermann von Callenbergs und somit Stiefmutter Clementines, der Mutter Hermann von Pücklers. Wie verlautet, hat sie sich – eben stiefmütterlich – weder um ihre Stieftochter noch um die Enkel sonderlich bekümmert. Daß ihre Lebensdaten weder in der Schefer- noch in der Pücklerliteratur überliefert sind, hängt sicherlich damit zusammen. Sie war, wie damals üblich, die „Frau Gräfin“, die dem Hauswesen vorstand und darüber hinaus keine Rolle zu spielen hatte.

Wolff, Merckwürdige Begebenheiten:
1784 den 28t. Decbr. [...]Abends war Ball masqué. Zuvor hatte die Frau Stiefmutter, die Standesherrin, Gräfin Callenberg folgende feyerliche Scene veranstaltet. Sie hatte das fordere Zimmer neben der Bibliothek mit grünen Reißig bekleiden – Girlanden formiren und einen Altar errichten laßen auf welchen eine grünes Flammenfeuer brande.
Die Frau Gräfin selbst als Vestalin hatte 12 weiß gekleidete Mädchen die in zwey Reihen bis an Eingang formirten und Blumenbanden hielten. Sie selbst hielt über den Altar einen Kranz. Beym Eintritt des Brautpaares recidirte die junge Woringerin folgende von der Frau Gräfin selbst gedichtete Verse:

Gefühl der Mutter am Vermählungstage Ihrer Tochter

Froh in Tugenden verfließen
Eures Lebens edle Zeit
Nutzet solche und genießet
Alle Freuden die sich beut
Sanfte leuchte Euer Lebensmorgen
Wenn bey unschuldvoller Lust
Jedes Auge das Euch siehet
Vollen Seegen Euch zuruft.
Das Gefühl der edlen Herzen
Sey Eur Glück, sey Euer Lohn.
So zeuget bis zum Silberhaar
Mit diesem Glück in süßer Einigkeit
Frommes sanftes Wohlgefallen
Ströme Euren Blicken zu.
Euer Beyspiel frommer Tugend
Mögen Enkel spät nach lallen
Und bey Euren reinsten Freuden
dencket, denckt der Mutter Lust
Laßt ihr Herz sich an Euch weiden
Seegen quillt aus ihrer Brust.


sth wilhelmine callenberg hochzeit vestalin leighton 1896


      Chorus
Im Gefolge wahrer Tugend
Loone Gott Euch jeden Tag,
Sanfte fließe Euch jede Stunde
Die Gefühl und Pflicht verrint
Bleibt Eurer Väter Freude
Deren Auge Seegen weint
Trocknet diese Thränen der Liebe
Mit Gebet und Dankbarkeit.

      Der Liebes Gott
Nehmet mich an zum Gott der Liebe
Damit ich Euch auch wünschen kann
Sehet auf des Herzens Triebe
Mehr als meine Einfalt an
Seegen aus der Kinder Mund
Höret Gott, Er, er traue Euern Bund!

      Inscription
Golden war einst die Zeit
Golden komme sie auch für Euch zurück
Stets belebe Euch wahre Freude
Seegen ströhme Euch zu aus jeden Blick
Unschuld ist der Edlen Lust
Diese fülle Eure Brust.


* An der Schlacht bei Lobositz nahm als Söldner auf preußischer Seite auch der Schweizer Ulrich Bräker teil. In seinem autobiografischen Werk Der arme Mann im Tockenburg (Zürich 1789) beschrieb er unter anderem seine Zwangsrekrutierung, die Verhältnisse in der preußischen Armee, die daraus resultierende schlechte Kampfmoral der Truppe und wie er das Schlachtengetümmel zusammen mit anderen Soldaten zum Desertieren nutzte.

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