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Johann Justus Röhde, gestorben 1812

Hofrat, Gelehrter, Gelegenheitsdichter


Vermutlich auch von dem Hofrat gedichtet:
"Das schöne neue Liedel der Bänkelsänger"


Zu Johann Justus Röhde (auch: Rhöde) gibt es nur Puzzlesteine. In Peschecks Geschichte der Poesie heißt es auf Seite 128: „Der Hofrath Johann Justus von Röhde zu Muskau, gestorben 1812, gab 1769 eine französische Übersetzung von Wielands Musarion heraus, die zu Lausanne erschien ...“1

Im „Otto“ ist über ihn vermerkt: „Röhde, (Johann Justus,) Mag. der Phil. und Herzogl. Sachsen-Gothaischer Rath zu Mußkau. auch (1782) Mitglied der OL. Gesellschaft der Wissenschaften, geb. 1738 am 11. Dez. zu Trarbach an der Mosel, wo sein Vater, Johann Simon R., Directeur des Vivres bey der Engl. Armee war; studirte in Jena und Gießen, wurde auch in Jena Magister. Er sollte auf den beyden jetzt genannten Universitäten Prof. histor. werden, allein er lehnte es ab. Dagegen wurde er 1760 Hofmeister im Gräfl. Callenbergischen Hause, und führte die jungen Grafen Callenberg auf Reisen; solches that er auch mit einem Russischen Grafen von Gollowkin; seit 1780 privatisirend in Muskau.“

Es folgt eine Aufzählung seiner Werke. Neben der oben erwähnten Übersetzung sind das drei Schriften zur Erziehung der Jugend (siehe auch Tamm, Biographie), eine Denkschrift auf „Geo. Alex. Heinrich Herrmann, Reichsgrafen von Callenberg“ sowie der bereits in den Anmerkungen zur Biographie Andreas Tamms erwähnte Artikel „Ob die Alten Punsch getrunken?“ (hier allerdings: „Ob die Germanen Punsch getrunken haben?“), die alle zwischen 1794 und 1800 in Zeitschriften der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz erschienen.

Im Supplement zum „Otto“ steht auf S. 362 noch folgende Ergänzung: „Röhde, (Joh. Justus) – starb 1812. 21. Dec. Vergl. auch Fielitz, Vaterländ. MS. 1813. S 250 f.“2

Bei Wolff ist Röhde des öfteren zu finden, darunter mit folgendem Eintrag: „1781. 18. Octbr. Ankunft des Grafen Golowkins mit seiner Gräfin Schwester – Mündel des Standesherrn – des Hofraths Röhde und Gouvernande Dlle. Paster. Für den Hofrath Röhde hatte d. H. Graf ein Hauß bauen und es vollkommen einrichten und meubliren laßen und führte denselben selbst am 19t. Octbr. dahin ein.“

Das wegen zahlreicher Eigenheiten bemerkenswerte Haus zählt zu den wenigen unverbaut erhaltenen historischen Bauwerken der Stadt. Seine Beschreibung im Muskauer Anzeiger dürfte für Architekten und kulturhistorisch Interessierte gleichermaßen interessant sein: Schmidt, Hans/ Brucksch, Ekkehard: „Gedanken zu einem bedeutenden Baudenkmal unserer Stadt.“ In: Muskauer Anzeiger Nr. 189 vom 29. Mai 2006. Hrsg. Stadtverwaltung Bad Muskau. Weißwasser 2006; S. 13f.

Für uns interessant: Wolff, Merckwürdige Begebenheiten,
1784. Litt. O. Verse der Bauern Quadrille
gedichtet vom Hofrath Röhde, der selbst mit dabei figurirte.


tal hofrat roehde bauern quadrille


Ich hab es all mein Tag gehört
das Herze macht den Mann.
Mein Vater hat mich so gelehrt
von Kinderbeinen an.

Von Kompelmenten weiß ich nichts
und von Zeremonie
Die rothe Farbe des Gesichts
verräth die Falschheit nie.

Ich sags auch gerade wie ichs meyne
beym Pflug und auch beym Schmauß
Was brächte Schmeicheley mir ein
Sags lieber gerad heraus.

Und so soll es auch heut geschehn.
Ich wünsche tausend Glück
und Seegen, stetes Wohlergehn
das herrlichste Geschick.

Dem neugetrauten Ehepaar
Hochgräflich-Hochgebohren
Für Sie sey nun und immerdar
Kein Segenswunsch verloren!

Gern säng ich wie Virgilus fein
wie unser Cantor spricht
Pf! schöner mag sein Lied wohl seyn;
Gutherzger ist es nicht.

Und also gratuliren wir –
In unserm Sontags Rok,
und trinken manches Gläschen Bier
und tanzen nach dem Bock.

Und Vivat hoch das hohe Paar
Ruft jeder ständig aus!
Der Himmel schenk uns übers Jahr
auch einen Kindtaufschmauß!

(16.01.2010.)

Anmerkungen:
1 „Geschichte der Poesie in der Lausitz von C. A. Pescheck. Gekrönte Preisschrift.“ In: Neues Lausitzisches Magazin. 14. Band. Görlitz 1836; S. 1–62, 97-150 und: Einige Zusätze zu Peschecks G... von Herrn Polizeirath Köhler, S. 209-218; zu Röhde s. S. 128f.
2 Otto, Gottlieb Friedrich: Lexikon der seit dem fünfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jetztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, aus den glaubwürdigsten Quellen möglichst vollständig zusammengetragen. Görlitz 1800-1803; S.75f. u. Suppl. S. 362.


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