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Carl Weisflog als Komponist

Eine Materialsammlung

Von Bernd-Ingo Friedrich


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Die Überlieferung zur Kompositionstätigkeit Weisflogs ist spärlich. In der Allgemeinen Deutschen Biographie ist davon überhaupt keine Rede, in Musik in Geschichte und Gegenwart werden seine Werke als samt und sonders verschollen gemeldet, und der Hoffmann-Spezialist Henk J. Koning erwähnt (ohne Quellenangabe) lediglich Weisflogs „gewisses Talent als Klavierspieler“ und „neben mehreren kleinen Werken“ auch eine Oper, „Die beiden Marseiller“.1 In einem Antiquariatsangebot fanden sich weitere Hinweise.

Im Katalog 55 „Osterglocken. Autographen, Widmungsexemplare und Bücher“ des Antiquariats Eberhard Köstler, Tutzing, vom April 2009 wurde mit der Nr. 151 ein Konvolut von 40 Briefen des Schriftstellers und „Serapionsbruders“ Carl Weisflog an den Herausgeber der Dresdener „Abendzeitung“ Karl Gottlieb Theodor Winkler (1775-1856; Pseudonym Theodor Hell) angeboten. Es heißt darin unter anderem: „Briefe von Weisflog sind sehr selten: der einzige für uns im Handel nachweisbare Brief ist ebenfalls an Winkler gerichtet (1822), stammt aus der Sammlung Alexander Meyer Cohn und wurde 1905, sowie 1977 (410.- DM) und 1988 (380,- DM) versteigert. Die Datenbank ‚Kalliope’ verzeichnet nur 4 Briefe von Weisflog. Unser Konvolut stammt aus der Sammlung Künzel.“ In Winklers „Abendzeitung“ waren die meisten Erzählungen Weisflogs zuerst erschienen.

Im Katalog 56 („Maiglöckchen“) vom Mai 2009 wurden sechs weitere Autographen Weisflogs aus dieser Sammlung angeboten, Zahlungsanweisungen an den Buchhändler Arnold in Dresden für Weisflogs Tochter Auguste (rückseitig von Arnold bestätigt), dasselbe an Arnold für Pohl [?] sowie ein Brief an den Musiklehrer Annemüller in Dresden (alle Schulden seiner Tochter seien bezahlt). Ein drei Folioseiten umfangreicher Brief „Sagan, 1.X.1814“ ist an den Leipziger Musikverleger Carl Friedrich Peters gerichtet, der 1814 den Verlag „Bureau de Musique“ des verstorbenen Ambrosius Kühnel übernommen hatte. Darin bietet Weisflog ihm einige musikalische Werke zum Verlag an, insbesondere ein „Te Deum“:

„Ich hatte dem seeligen Herrn Kühnel meine Compositionen zum Verlag angeboten, und stand, da Herr Kühnel solche übernehmen wollte, mit ihm in Correspondenz. Allein die kriegerischen Unruhen und sein erfolgter Tod haben alles unterbrochen. Jetzt, da wir wieder frei für die Kunst leben können, und da ich bei meiner Reise ins schlesische Gebirge die Bekanntschaft des Herrn Buchhändler Treutler in Hirschberg gemacht habe, der mir versicherte, daß Sie nicht nur sein guter alter Freund, sondern in Hinsicht des Geschmacks, der Billigkeit und Solidität vollständiger Ersatz des Herrn Kühnel wären, jetzt nehme ich mir die Freiheit, Ihnen einen bisher in großem musikalischen Publikum noch unbekannten Namen [...] für die Freunde der Musik anzubieten [...]“

Weiter heißt es im Katalogtext, daß Weisflog dem Verleger eine Messe in Partitur, drei große Sinfonien, Lieder mit Klavierbegleitung, Militärmärsche für Orchester sowie „ein auf den Frieden komponiertes ‚Te Deum’“ anbot; daß man das letztere bereits mit großem Erfolg aufgeführt habe, worüber er ausführlich berichte; daß die Werke offenbar nicht im Druck erschienen und – mit Hinweis auf MGG XIV, 427 – heute „nicht mehr nachweisbar“ seien.

In einem dazu gehörigen Brief vom 10.I.1815 mahnt Weisflog eine Antwort auf seinen vorstehenden Brief an und bestellt die „Allgemeine musikalische Zeitung“ sowie „ein Dutzend der neuesten Sinfonien zur Auswahl“.

Der oben abgebildete Liedanfang, nach EJD „ein harmloses und reichlich dilettantisches Liedchen“, befindet sich als Anhang in der Dissertation „Carl Weisflog. Ein biographischer Versuch“ von Ernst Schmalfuß (Leipzig 1923). Es ist bis jetzt die einzige nachweisbare Komposition Weisflogs. Die Einleitung der Dissertation beginnt übrigens mit den bemerkenswerten Sätzen:

„Zeit und Persönlichkeit bedingen sich in ewiger Korrelation. Große Persönlichkeiten, denen bei Betrachtung einer literarischen Epoche naturgemäß immer die erste Aufmerksamkeit gilt, gleichen dabei besonders interessanten und kunstvollen Schliffen. Tritt in den großen Individualitäten das Subjektiv-Einmalige beherrschend in den Vordergrund, so spiegelt sich in den mittleren und kleinen Geistern einfacher und unmittelbarer das Allgemeine. In den Kleinen begreifen wir vollständig die Großen. Das rechtfertigt die Forderung, auch ihnen ernste und eifrige Beschäftigung zu widmen.“

(29.03.2010.)

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Anmerkungen
1 Koning, Henk J. „Carl Weisflog (1770-1828) – ein Biedermeierautor aus Sagan“. In: Sagan und Sprottau in der schlesischen Geschichte. Hrsg. Werner Bein. Stiftung Kulturwerk Schlesien. Würzburg: Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn 1992; S. 91-97.

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