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Ernst August Gottlob Zier (1789-1821)

vielseitig, emsig und bescheiden



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In der Monographie Johann Andreas Tamm. Ein Außenseiter der Aufklärung spielt August Zier (es geht um sein Leipziger Studium, seine Muskauer Lehrtätigkeit und ums Geld) bereits eine Nebenrolle. Hier soll er nun mit seinem musischen Talent und vor allem als Schöpfer eines Chorals vorgestellt werden, der noch heute durch das Muskauer Tal schallt. Der kleine Artikel erschien wohl gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Muskauer Anzeiger; er steht mir leider nur als nicht näher bezeichnete Kopie zur Verfügung.

(Zur Chronik von Muskau.)
Ernst August Gottlob Zier,
Kantor und zweiter Lehrer an der Stadtschule zu Muskau,

lebte hier von 1789 bis 1821. Er war geboren am 20. Juli 1758 zu Löbau als Sohn des Kantors und Lehrers am dortigen Lyceum, Johann Christoph Zier. Nach genossenem Schulunterricht in seiner Vaterstadt bezog er 1781 die Universität Leipzig und widmete sich daselbst den theologischen Wissenschaften. Von dort kehrte er 1784 in die Oberlausitz zurück, war Hauslehrer in mehreren vornehmen Häusern und wurde 1789 als Kantor und zweiter Schullehrer nach Muskau berufen. Hier verheirathete er sich mit der 1792 mit der verwitt. Frau Henriette Wilhelmine Slabke, geb. Thierbach, und lebte mit dieser, obschon kinderlos, in zufriedener, glücklicher Ehe bis zum Jahre 1804, wo ihm der Tod die Gattin entriß. Seinen Berufsgeschäften sich hingebend, verlebte er die folgenden Jahre einsam und zurückgezogen. Um Johannis 1820 befielen ihn husten und Schwäche dergestalt, daß er seine sonst gewohnten Amtspflichten nicht mehr erfüllen konnte. Sein einziger Wunsch, zu seinem Bruder, dem wendischen Pastor Zier in Kamenz gebracht zu werden, wurde ihm erfüllt, indem man ihn am 11. Mai 1821 nach Kamenz abholte. Dort lebte er aber nur noch wenige Tage; am 27. Mai 1821 endigte ein Schlagfluß und Blutsturz sein Leben, das er auf zweiundsechzig Jahre zehn Monate und sieben Tage gebracht hatte.

Zier war der Dichter und Komponist der seit 1790 bis auf den heutigen Tag am Charfreitage von den Chorschülern der Muskauer Stadtkirche unter Instrumental-Begleitung von den Bergen gesungenen sogen. Berg-Arie, deren Text folgender ist:

      Heil’ge ehrfurchtsvolle Stille,
Die dich Hügel einst umgab,
Wo der Zartheit Thränenfülle
Floß die bleiche Wang’ herab.

      Wo so warme Herzen schlugen
Wehmuthsvoll und freudenleer,
Leide um den edlen trugen,
Ach, der Edle war nicht mehr!

      Wo Marie Thränen weinte
Mit verschleiertem Gesicht,
Hin zum Garten schüchtern eilte
In des Mondes blassem Licht.

      O der ehrfurchtsvollen Stille!
Alles schwieg in der Natur;
Hier, hier lag des Heil’gen Hülle,
Heilig ward durch sie die Flur.

      Doch in seligen Gestaden
Sahen Engel ew’gen Blicks
Hoher Geister Myriaden
Ihrer Brüder Erdenglück.

Ebenso sei hier noch einer zweiten von Zier gedichteten Berg-Arie oder richtiger eines Berg-Chorals gedacht, der nach der Melodie: „Christus, der ist mein Leben“ ebenfalls noch heute von den Chorschülern gesunden wird. Der Text lautet:

      Die Sonne stund verfinstert,
Der Mittag ward zur Nacht;
Nun hat Er überwunden
Und sprach: „Es ist vollbracht!“

      Der Erde furchtbar Beben
Hob das Gebirg’ empor,
Und Todte Gottes gingen
Aus ihrem Grab hervor.

      Den Todesüberwinder
Umgab des Grabes Nacht,
Und Gottes Engel jauchzen:
„Er hat’s, Er hat’s vollbracht!“

      Das Opfer für die Sünde
Ist dargebracht vor Gott.
ER starb, und Heil und Leben
Wird aller Welt sein Trost.

Die Zier’schen Arien haben insofern eine eigenartige Bedeutung für Muskau, als sie anderwärts völlig unbekannt geblieben sind und nur in Muskau gesungen werden. [In Muskau gab es offenbar genügend schlichte Gemüter für diese Art von Dichtung mit Musik ...] – Zier hatte nach damaliger Sitte vokationsmäßig jährlich noch zwei Umgänge, am Neujahrstage und zu Gregorius (12. März). An diesen beiden Tagen ging er mit den Chorschülern von Haus zu Haus und sang Neujahrs- resp. Gregorius-Arien, deren mehrere ebenfalls von ihm herrühren. Die Einnahmen aus diesen Umgängen machten einen Theil seines Gehaltes aus. Mit seinem Tode hörten diese Umgänge auf, resp. wurden in gebührender Weise abgelöst. [S. dazu auch Friedrich, Johann Andreas Tamm, S. 10.]

Noch wollen wir erwähnen, daß zu Zier’s Zeiten an der hiesigen Stadtschule Knaben und Mädchen, selbst in den oberen Klassen, zusammen unterrichtet wurden. Erst [...] 1823 erhielt die Schule insofern eine zeitgemäßere Organisation, als die Knaben von den Mädchen abgesondert unterrichtet wurden.

(05.12.2009.)


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