05
Zur Startseite

Archediakon Christian Gottlieb Langner

Der Winter, ein Gedicht

Oder ... ein Büchelchen in deutschen Reimen


Der vollständige Titel des Poems lautet: Der Winter,/ ein Gedicht./ Oder,/ wenn man lieber will,/ ein/ Büchelchen in deutschen Reimen,/ worinnen,/ so wie in dem Büchelchen selbst,/ manche heilsame Wahrheit gesagt wird./ Von/ Christian Gottlieb Langner,/ Archidiakonus und Beysitzer des Consistorii zu Mußkau/ in der Oberlausitz./ Zweyte Auflage./ Bautzen,/ gedruckt mit Matthiä Schriften 1800.


tal langner der winter reime bautzen 1800


Der Verfasser desselben äußert sich dazu in einer
„Vorrede zur ersten Ausgabe.
(und mehr Selbstverläugnung kann man doch wahrlich von einem Vater in Rücksicht auf seine Geistesgeburten nicht verlangen!) ich selbst erkläre es für nichts mehr und nichts weniger, als für etwas sehr mittelmäßiges, wie es mich denn auch nicht mehr als einige dieser Wintermorgen und Abende gekostet hat; doch hoffe ich, daß es sich vielleicht eben so gut lesen lassen wird, als so manches gepriesene Gedicht in vielen unsrer Musenalmanache [!], und daß man eine leichte und natürliche Versification darinnen nicht vermissen wird. Das größte Verdienst gebe ihm seine Absicht, die zum Theil aus dieser Vorrede, (die vielleicht so lang ist, als das Gedicht selbst,) erhellet, die Zuschrift an meinen größten Gönner und Beförderer, und die Versicherung, daß ich auch wohl noch bessere Gedichte in meinem Pulte liegen habe [!], und etwas befriedigenderes liefern kann, wenn das Publikum durch diesen ersten Versuch nicht etwa abgeschreckt worden ist, weiter etwas von mir zu lesen.
Mußkau, am 8. Febr. 1786. Der Verfasser.“


Der Winter.
Erster Gesang.

Im goldenen Gewand steigt jetzt die Sonne
Am Horizont herauf, und breitet Wonne
Hin über die erstarrte Flur.
Der Schatten weicht, doch nicht der Frost zurücke;
Es fühlt vielmehr, wie heftig er sie drücke,
Die ganze lebende Natur.

Nicht wie im Lenz und Sommer, und doch schöne
Ist sie des neuerwachten Tages Scene.
Zwar freut sich ihr nicht jeder Sinn,
Wie er sich freut im Sommer ohne Lenzen,
Wenn von der Sonne nun die ersten Strahlen glänzen
Weit über Höhn und Thäler hin.

[Nun gut. Wir stimmen der Vorrede des Archediakons insofern zu, als „wohl noch bessere Gedichte in [s]einem Pulte liegen“ geblieben waren, und springen nur noch kurz zu Seite 20, wo er seinem Gedicht „in deutschen Reimen“ tatsächlich eine naturkundliche Fußnote verpaßt hat.]

Und doch ist auch der Sonne Auferstehen
Im Winter schön! – Wer kann sich satt dran sehen,
Wenn jetzt des Tags Verkündgerinn,
Die Röth aus Ost, den Himmel überziehet,
Wenn bald am Himmel es erglühet
Von Osten bis nach Süden hin!*)


tal langner friedrich abtei im eichwald


*) Man denke nicht, ich hätte sagen sollen: Von Osten bis zu Westen hin. Wer Achtung darauf gegeben hat, wie die Sonne im December oder Januar bey heitern Tagen aufgehet, der wird bemerkt haben, daß die Morgenröthe in der That zu der Zeit den Himmel nur im Morgen und Mittage glühen macht.

(Dezember 2009)

Noch etwas über den Dichter:

Unter Ehregott Friedrich Pannachs Abschriften (s. www.kulturpixel.de, „Von Oberlausizischen wendischen Bibliotheken“) befindet sich auch ein vom Vater begonnenes, um 1820 abgeschlossenes Manuskript einer „Kirchengeschichte folgender wendischer Parochien.“ (insgesamt 32, darunter Muskau), und darin:

„Christian Gottlieb Langner, geb. den 7. Jul. 1749. in Budißin, ward palmar. 1775 Hofprediger u. Rector. den 15. p. Tr: 1776 wend. Pastor u. starb den 20. Feb. 1811.“ (Der letzte wendisch predigende Pfarrer in Muskau soll übrigens „Jurk“ von 1893 bis1906 gewesen sein.)

Friedrich Otto,1 sonst mit einiger Vorsicht zu genießen, teilt zutreffend ein wenig mehr mit:

LANGNER, (Christian Gottlieb) Archidiakon und Wendischer Pastor wie auch Beysitzer des Konsistoriums in Muskau, geb. 1749 am 7. Jul. zu Budissin, wo sein Vater Johann Friedrich L. 5ter Schulkollege war; studirte in seiner Vaterstadt und in Leipzig, war einige Jahre Hauslehrer, wurde 1775 Rektor und Mittagsprediger in Muskau, 1776 Archidiakon [...] ward 1777 auch Consist. Assesor, starb 1811. 20. Febr.“ An Schriften zählt Otto u.a. auf:
1) Der Winter, ein Gedicht; Bud. 1786. (Zweite Aufl. 1800.)
2) Aktenmässiger Bericht von der Grundlegung, Bau und der Einweihung der Wendischen St. Andreaskirche zu Muskau, nebst vorangeschickten histor. Nachrichten von der gesammten Standesherrschaft Muskau und der Landschaft gleiches Namens; Bud. 1788.
3) Ein Gedicht auf seines Bruders Ableben 1791; abgedr. in dem Laus. Mz. 1791. p. 357 f.
4) Der Winter und Frühling; ein Gedicht; Bud. 1800 [...] das erstere ist ein neuer Abdruck von No. I.
5) Die Erlösung des menschlichen Geschlechts durch Christum; Versuch einer Meßiade lange nach der Klopfstockischen (!); Ebd.
Ein Zusatz lautet „Noch eine Schrift von ihm s. oben unter Jäsrich.“ – Hier war er jedoch nur der Herausgeber, wie unter „Friedrich Gotthelf Jäsrich – Vom Musterschüler zum Kirchenräuber“, auch auf kulturpixel.de, nachzulesen ist.

Johannes Mörbe2 nennt Langners unter 2) erwähnte Schrift Aktenmäßiger Bericht usw. und schreibt dazu:

„In diesem Bericht ist mit abgedruckt: ‚Rede, welche am 4. April 1781 vor der Grundlegung der wendischen Kirche in Muskau in der deutschen Kirche vor dem Altar von dem Ch. Gott. Langner über Jesaia 12, 5 gehalten worden.’ Ferner. die von demselben am Einweihungsfeste der wendischen St. Andreas-Kirche den 27. Nov. 1788 gehaltene Predigt über Hesek. 37. V. 26. 27., dann die bei Gelegenheit der Kircheneinweihung gehaltene Rede des Hofgerichtsdirector Hempel bei Uebergabe der Kirche an die Gemeinde im Namen der Gräfl. Herrschaft etc.“ (Anmerkenswert ist an dieser Stelle, daß die Einweihung der Wendischen Kirche in den Aufzeichnungen Traugott Heinrich Wolffs nicht erwähnt ist.)

Ansonsten zählt Mörbe nichts über das hinaus auf, was er der 1788 bei Monse in Bautzen gedruckten Schrift Langners entnehmen konnte; zu dessen Person teilt er keinerlei Fakten mit. Deren Beschaffung hätte von ihm wohl erfordert, seinen Hintern aus dem Schreibtischsessel zu heben ...

(26.07.2011)

Anmerkungen
1Lexikon der seit dem fünfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jeztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, aus den glaubwürdigsten Quellen möglichst vollständig zusammengetragen von Gottlieb Friedrich Otto, Prediger zu Friedersdorf bei Görlitz und Mitgliede der Oberlaus. Gesellsch. der Wissenschaften. Görlitz 1800–1803, hier Bd. II/1, gedruckt bey Burghart 1802.
2Ausführliche Geschichte und Chronik von der Stadt und freien Standesherrschaft Muskau. Für alle Freunde der Geschichte und des Alterthums nach glaubwürdigen Quellen von Johannes Mörbe. Muskau: Verlag von Julius Müller 1861; S. 188.

Kommentare zu diesem Artikel ansehen | Kommentar zu diesem Artikel verfassen

Zur Startseite

Nach oben

made by hsulzer screendesign © 2007