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Die Früchte auf dem Obstlager

(Herz erwärmende Verse für die kalte Jahreszeit)

Von Leopold Schefer



scheferiana fruechte rehle apfelernte
„Piesker” © Joachim Rehle, Weißwasser.


     Junkerapfel.

Hier ist mir auf dem Lager wohl
Im milden Mondenscheine,
Der Wind schon sauste kalt und hohl,
Das Laub ließ uns alleine;
Hier hat sie mir ein Bett gemacht,
Die ich seit lange liebe,
Sie blickt mich an, sie blickt und lacht,
Mir brennt die Wange hoch
Und roth vom süßen Triebe.

     Quittenapfel.

Ich glaub', ich bin vor dir beglückt!
Mit Wohlgeruch im Stillen
Hat mich der Gärtner abgepflückt,
Ihr Wäsch' und Schrein zu füllen.
Hier lieg' ich unter euch verkannt,
Doch komm' ich bald zu Ehren!
Sie hielt mich schon in weicher Hand.-
Ach holte sie mich bald
Hieher wollt ich nicht kehren.

     Mirabelle.

O denk nicht mehr des Gärtners mir!
Er brachte seine Leiter;
Ich wähnt' – er steigt nun, ach nach dir!
Mein Liebessinn ward heiter;
Da trat herzu die Schaffnerin,
Mit schönem Hals und Busen,
Da warf er, Schelmerey im Sinn,
Mich taumelnd rollend kalt
Ihr tief in warmen Busen.

     Borsdorfer.

Wer wird denn gleich um leichten Scherz
Das Liebste nicht mehr lieben!
Du weißt, daß Menschen, treues Herz,
Lang Treue nicht mehr üben.
Ach, hätt' er, da er mich gepflückt,
Die Hand so wollen lenken!
Wie hätt' das Plätzchen mich beglückt,
Mir wird so siedend heiß –
Ich darf es gar nicht denken.

     Franzmadam.

Mein Sinn steht immer mir so hoch
Bis zu dem Menschenkinde;
Was über dir, und schwört es noch,
Dem trau nicht zu geschwinde!
Nur gleich und gleich gesellt sich gut.
Ach, schwebt' ich noch am Zweige
In Himmelsluft und Sonnenglut!
Die schöne Zeit ist aus,
Drum traur' ich hier und schweige.

     Das Stroh.

Auch nie in warmen Sonnenschein
Wieg' ich bewegt mich wieder;
Sie sens'ten in mich grausam ein,
Zerschlugen mir alle Glieder.
Du Junker, und ihr andern dort,
Liegt traulich noch beysammen;
Sie holt euch nach der Reihe fort
Wo ihr müßt sterben all,
Und mich verzehren Flammen,

Die Schaffnern nennt der Gärtner sein,
Drum macht euch keine Sorgen;
Sie kam mit ihm durchs Feld den Rain,
Die Wachtel schlug verborgen;
Er kos't ihr so süß, er kos't ihr so lang,
Und kos'te sie danieder;
Der keusche Mond verhüllte sich bang,
Und was ich da belauscht,
Das sag' ich euch nicht wieder.

(1811)


scheferiana fruechte bruening tablett 1920


Die Verse sind zu finden in:
Gedichte. Herausgegeben vom Grafen Pückler von Mußkau.
Erster Band. Berlin: bei Gottfr.(ied) Hayn 1811.


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