Des Teufels Testament
Von Leopold Schefer
Als Gott nun einen Sohn
Von einer Jungfrau hatte,
Da lief der Teufel wild
Auf Erden mit der Latte.
Er wollt' auch einen Sohn
Von einer Grete haben,
Der sollte Gottes Sohn
Ausstechen und Begraben.
Da war ein schönes Kind,
Das nur für Ehre lebte,
Nicht für den Teufel blind,
Der ihre Gunst erstrebte.
Und als des Teufels Sohn,
Merlin, ihm ward geboren,
Da scholl das Sieggeschrei
laut aus der Hölle Thoren.
Doch als der halbe Mensch
aus seiner Rolle fiel,
Da wußte Satanas
Vor Wuth ein sich'rer Ziel.
„Ich will ein Testament
„Beliebt wie Jener haben!
„Doch schreib' ich's auch nicht auf –
„Schon fertig liegt's begraben."
„Ich geb' der Christen Schaar
„Nur das Gesetz der Heiden!
„Das quält sie Jahr für Jahr,
„Das muß von ihm sie scheiden!"
Drauf trat er als ein Traum
Zum schlau'sten Genuesen:
„Zieh nach Amalfi! dort
„Ist Dir ein Schatz erlesen."
Der schiffte, grub und hob,
- Was Engel dort versteckten –
Das Corpus Juris, stumm,
Mit Glossen und Pandecten.
Da trat, vor Freuden blau,
Hervor das Ungeheuer:
„Das ist mein Testament!
„Verkauf's den Christen theuer."
(1867)

Gefunden in:
Für Haus und Herz. Letzte Klänge von Leopold Schefer.
Herausgegeben von Rudolf Gottschall.
Leipzig: Verlag von Ernst Keil 1867, Seite 197.
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