Reinste Wonne der Götter
Leopold Schefer, der Prediger Brescius und die Glasharmonika
Von Bernd-Ingo Friedrich
Mit zwei Musikbeispielen
Mit Dank an:
Philipp-Alexander Marguerre, Potsdam,
Sascha Reckert, Pulheim,
Thomas Bloch, Paris,
das Wiener Glasharmonika Duo
und Steffen Menzel, Krobnitz.
Im Gegensatz zu vielen anderen Herrschern gab Franklin1 der Menschheit etwas, „nämlich Gewitterableiter, Harmonika und Freiheit.“2 – Das ist sicher vereinfacht, aber akzeptabel. „Die Glasharmonika ist ein 1761 von Benjamin Franklin entwickeltes Reibe-Idiophon, das in der Geschichte der Musik eine hervorragende Stellung besetzte, heute jedoch weitgehend vergessen ist. Zur Tonerzeugung dienen verschieden große, ineinandergeschobene Glasglocken, die auf einer gemeinsamen waagerechten Achse lagern, die durch ein Pedal in Rotation versetzt wird. Gespielt wird die Glasharmonika durch das Berühren der Glockenränder mit einem feuchten Finger. Der Tonumfang der chromatisch gestimmten Glasharmonika beträgt zweieinhalb bis vier Oktaven. Eine Variante ist die Klavierharmonika, die mit einer Tastatur und einer Mechanik zum Streichen der Gläser ausgestattet ist.“ So beschreibt das Lexikon die Franklinsche Harmonika.3

Ihre Geschichte ist lang und detailreich wie die der meisten menschlichen Erfindungen. Die Anfänge des reizvollen Instruments reichen zurück in das 16. Jahrhundert, für das sich bereits verschiedene Instrumente mit verschiedenen Arten der Klangerzeugung mit Hilfe von Glas nachweisen lassen. Doch nur die Franklinsche Erfindung entfaltete eine aus heutiger Sicht verblüffende Wirkung auf das Publikum: Sie war förmlich dazu geschaffen, dem Zeitalter der Empfindsamkeit und der Frühromantik, das in der Musik die vollendetste aller Künste sah, vollendeten Ausdruck zu verleihen. Dementsprechend groß war auch das Echo in der Literatur. Allein eine „Retrospektive Digitalisierung wissenschaftlicher Rezensionsorgane und Literaturzeitschriften des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem deutschen Sprachraum“ auf der Webseite der Universität Bielefeld versammelt unter dem Stichwort „Harmonika“ zehn Artikel aus den verschiedensten Schriften der Aufklärung zu verschiedensten Fragen wie der Konstruktion, Verbesserung und Handhabung des Instruments, darunter eine „Anleitung zum Selbstunterricht“ von Johann Christian Müller.4
In der Sammlung befindet sich auch ein Gedicht, eigentlich schon eine Hymne, auf die Harmonika, die Der neue Teutsche Merkur im zweiten Band 1804, Seiten 74 und folgende, abdruckte. Es nimmt den Einsatz der „Glasorgelmusik“ in der heutigen Psychotherapie fast schon vorweg:
Die Harmonika.*)
Die Wälder deckt ein wundersames Grauen;
Die Nachtigall schweigt in dem Rosenstrauch;
Was tönt so mild durch die bethauten Auen,
Und bebt entzückend durch den Abendhauch?
Horch! meine Laura, der Verklärung nah,
Weckt deinen Thon, Harmonika.
Was führt die Seele von der Wallfahrt Kämpfen
Und himmelan, zu unbedräuten Höhn?
Was mag die Trauer so allmächtig dämpfen
Und ahnen der Geliebten Wiedersehn?
Eröffnen, was kein sterblich Auge sah?
Es ist dein Thon, Harmonika.
Was mag die Sehnsucht tiefgebeugter Herzen
Im Hoffnungslispel traulich überwehn?
Zur Flamme zünden die erlöschten Kerzen,
Mit ihr, der Braut, zum Hochaltare gehen?
Und das verkünden, was oft spät geschah?
Es ist dein Thon, Harmonika.
Was flötet Trost, daß erst auf lichterm Sterne,
Sich das Verdienst den Palmenzweig erwirbt?
Und deutet hell, aus trüber Dämmrung Ferne,
Daß nicht der Geist vernichtungsvoll erstirbt?
Es ist, auf Grabmahltrümmern rauscht’s allda,
Es ist dein Thon, Harmonika.
Was öffnet leis’ dem herrlichen Gesange,
Und tiefempfindend die bewegte Brust?
Und träufelt Mitleid auf die blasse Wange,
Und beut dem Feind’ Versöhnung, schuldbewußt?
Es ist dein Himmelskind, Cäcilia,
Es ist dein Thon, Harmonika.
Großenbohrau in Schlesien.
Carl v. Haugwitz.
[Anmerkung des Herausgebers:]
*) Der Verfasser tritt durch eine feine, gehaltreiche Sammlung Gedichte, die diese Ostermesse bei Unger in Berlin erschienen sind, in die ehrwürdige Reihe Schlesischer Dichter. – B.
Das Gedicht benennt unter anderem das Dreigestirn Laura, Cäcilia und Harmonika. Wir werden ihm des öfteren begegnen ...
Christian Friedrich Daniel Schubart beschreibt die Wirkung des Instruments auf den Hörer etwas distanzierter, doch nicht minder effektvoll: „Der gefühlvolle Spieler ist für dies Instrument ganz geschaffen. Wenn Herzblut von den Spitzen seiner Finger träuft; wenn jede Note seines Vortrags Pulsschlag ist; wenn er Reiben, Schleifen, Kitzeln übertragen kann, dann nähere er sich diesen Instrument und spiele.“ Ein anderer Zeitgenosse merkt dazu an: „Der Ton ist für jeden, der nur das mindeste musikalische Gefühl hat, beim schwächsten Piano so durchdringend sanft, und reißt im allmählichen Wachsen bis zum Fortissimo das Gefühl so mit sich fort, daß sich niemand wird erinnern können einen ähnlichen, und so angenehmen Ton jemals gehört zu haben […] da hingegen der Ton der Glocke in einer Harmonika unzählige Modifikationen von Crescendo und Decrescendo ausdrückt, und augenblicklich neue Bewegungen in der Seele des aufmerksamen Zuhörers verursacht.“ Und Schubart ergänzt nicht ohne Sarkasmus: „[...] und der ewig heulende, klagende Gräberton – machen das Instrument zu einer schwarzen Tinte, zu einem großen Gemählde, wo in jeder Gruppe sich die Wehmut über einen entschlafenen Freund beugt.“5 (Zitiert nach Reckert. Sascha Reckerts Artikel über die Harmonika in der MGG wird – seiner stupenden Sachkenntnis Rechnung tragend – noch des öfteren zitiert werden.)
In einem der Bestseller jener gefühlsseligen Zeit, in Oliver Goldsmith’ Pfarrer von Wakefield, ist mehrfach von der Glasharmonika die Rede: „... sie sprachen von nichts anderem als vom High-life, von der High-life-Society und anderen fashionablen Dingen wie Gemälden, gutem Geschmack, Shakespeare und der Glasharmonika“, und wenige Seiten später noch einmal im gleichen Ton: „... und die ganze Unterhaltung drehte sich ums vornehme Leben und die feine Gesellschaft, um Malerei, guten Geschmack, Shakespeare und die Glasharmonika.“6 Jean Paul verwendet die Harmonika im Siebenkäs für ein Gleichnis: „Ziehe damit in Frieden hin in die andre Welt, wo statt der zerbrochenen Gläser schon neue gestimmte für die verstimmte Harmonika deines Lebens werden zu finden sein im großen Geister-Hause.“7 Weitere Belege für die Allgegenwart der Harmonika ließen sich anführen.
Der Glasharmonika-Hype legte sich, wie alle Moden. Etwa ab 1830 wurde das Instrument durch andere, insbesondere das Hammerklavier, verdrängt. Der seinerzeit „der schlesische Jean Paul“ genannte Leopold Schefer8 dürfte einer der letzten gewesen sein, der ihm huldigte. Er hatte in seinem ersten Bautzener Gymnasiumsjahr Gelegenheit, im neuerbauten Konzerthaus das berühmte Fräulein Kirchgeßner auf der „Glasorgel“ zu hören, und möglicherweise beförderte sie seine Vorliebe für dieses seltsame Instrument. Er dichtete um 1800, ursprünglich an einen Spieler, wie der Eintrag im Tagebuch XVII, Seite 29 verrät:
An eine Harmonika-Spielerin.
Dich und Orpheus hat ein Meister gelehrt, denn Er spielte
Steine beseelt – und Du spielst uns Beseelte zu Stein.

Thema e Variazione per l’Harmonika.
Von Leopold Schefer. Manuskript. Undatiert, wohl 1810.
© Gespielt vom Wiener Glasharmonika Duo.
Um Leopold Schefers Harmonika soll es hier trotz aller „Ausschweifungen“ im Gunde gehen, denn sie soll ihm von seinem ersten Lehrer und väterlichen Freund, dem Hofprediger Carl Friedrich Brescius geschenkt worden sein, und es heißt, daß dieser sie auch selbst gebaut haben soll. Die folgenden Überlegungen stehen damit im Zusammenhang. Sie sind auch interessant im Hinblick darauf, daß Schefer an der Gründung einer Glashütte beteiligt war.

Doch wir kehren noch einmal kurz in die Geschichte zurück, denn so vergessen, wie es den Anschein hat, ist das Götter-Instrument gar nicht. Die Welt dreht sich und irgendwann kehrt jede Mode wieder. Die Glasharmonika ist wieder im Gespräch, und auch die Medien haben sich erneut ihrer bemächtigt. Der Spiegel online fragte am 16. Februar 2001 in der Schlagzeile: „Vergiftete sich Beethoven an einer Glasharmonika? In einer Beethoven-Locke haben Wissenschaftler Blei nachgewiesen, doch die Herkunft des giftigen Metalls ist unklar. Brachte eine Glasharmonika den Komponisten ins Grab?
Corrales - Ein sphärisch klingendes Instrument könnte Ludwig van Beethoven den Tod gebracht haben. Im vergangenen Oktober fanden Wissenschaftler bei einer Haaranalyse heraus, dass der Komponist wahrscheinlich an einer Bleivergiftung starb. Wie das Schwermetall in seinen Körper kam, blieb jedoch ein Rätsel: Trank Beethoven in seiner Jugend verseuchtes Quellwasser? Oder aß er bleihaltige Donaufische?
Musiker haben eine andere Erklärung: Beethoven soll sich die Vergiftung beim Musizieren an einer Glasharmonika zugezogen haben. Benjamin Franklin hatte das Instrument 1761 erfunden und präsentierte es während eines Aufenthaltes in Frankreich einem staunenden Publikum. Zu den Bewunderern des neuartigen Musikapparates gehörten auch Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, die beide Stücke für die Glasharmonika komponierten.
Das Instrument besteht aus einer Reihe unterschiedlich großer Glasschalen, die auf einer Achse montiert sind und über ein Pedal in Rotation versetzt werden können. Der Spieler fährt mit seinen angefeuchteten Fingern über die Schalenränder und kann so langgezogene Töne erzeugen. Der spezielle Klang versetzte Musiker, Schriftsteller und Philosophen in Entzücken. So schwärmte etwa der legendäre Geiger Nicolo Paganini von der ‚himmlischen Stimme’ des Instruments.
Während die Glasharmonika heute mit reinem Glas gefertigt wird, verwendeten die Konstrukteure zu Beethovens Zeiten teilweise Bleiglas. Das Metall war auch in der Farbe enthalten, die man mitunter zur Feinstimmung auf die Schalen auftrug. Beim Spielen eines solchen Instrumentes könnte Beethoven die tödliche Dosis aufgenommen haben, glaubt Mayling Garcia, Glasharmonikaspielerin aus Corrales in New Mexiko: ‚Beethoven ist mit der Glasharmonika in Verbindung gekommen, bevor die ersten Symptome auftraten.’
Die Theorie ist unter Experten umstritten: ‚Wir sind weit davon entfernt, die Ursache für die Bleivergiftung zu kennen’, sagt William Meredith vom Zentrum für Beethoven-Studien an der San Jose State University. Beethoven lebte in einer Zeit, in der Blei in vielen Gebrauchsgegenständen enthalten war, etwa in Trinkgefäßen, Kerzen oder Wasserpfeifen.
Allerdings galt die Glasharmonika bereits damals als Instrument mit Nebenwirkungen. Der schwäbische Arzt und Hypnosepionier Franz Anton Mesmer nutzte das Musikgerät, um seine Patienten in andere Bewusstseinszustände zu befördern. In Amerika wurde es mit Zauberei in Verbindung gebracht. Auch in Deutschland geriet die Glasharmonika in Verruf – wegen angeblich nervenschädigender Wirkung.“ –
(Und Napoleon soll von den Engländern mit Hilfe von Tapeten in bleihaltigem Schweinfurther Grün vergiftet worden sein ...)
Die angeblich nervenschädigende Wirkung der Glasharmonika war auch die Grundlage für einen „musikalischen Schauerroman“, der in den 1930er Jahren erschien und noch relativ häufig in Antiquariaten und auf Trödelmärkten zu finden ist; eine Zeichen weiter Verbreitung. Die Glasharmonika von Horst Wolfram Geißler nimmt das Schicksal der Schwestern Davies auf, die im 18. Jahrhundert mit ihren Konzerten weltweit Triumphe feierten.9

Das erste Konzert auf der neuen Harmonika (wie die franklinsche Armonica seit ihrer Verbreitung im deutschsprachigen Raum genannt wurde) gab Marianne Davies, eine Verwandte von Franklin, schon Anfang 1762 im Great Room in Spring Gardens. Durch den Erfolg ermutigt ging sie anschließend auf Tournee und trat in Bristol, London und Dublin auf. 1768 unternahm sie zusammen mit ihrer Schwester, der Sängerin Cecilia Davies, erneut eine Konzertreise durch Europa, insbesondere durch Italien. Franklin hatte Marianne Davies eigens dafür ein Instrument überlassen. Cecilia wurde als ‚l’Inglesina’ in Italien und Europa berühmt; Marianne Davies zählte zu ihren Schülern und Schülerinnen sogar eine Tochter der Kaiserin Maria Theresia, die spätere französische Königin Marie Antoinette. Beide Schwestern sollen sich mit Christoph Willibald Glucks Hilfe, der ebenfalls Musiken für gläserne Klangkörper komponierte, am Wiener Hof etabliert haben. (Nach Reckert.)
Harmoniken wurden bald in ganz Europa und in großer Anzahl besonders in den damals deutschsprachigen Gebieten von zahlreichen Herstellern angefertigt. In diesen Regionen waren die zur Glasherstellung notwendigen Rohstoffe vorhanden und die Techniken der Glasverarbeitung weit entwickelt, und so hat sich auch in der Oberlausitz das eine oder andere Instrument aus „einheimischer Produktion“ erhalten. Das in der wissenschaftsgeschichtlichen Abteilung der Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur der Stadt Görlitz gezeigte (eine Leihgabe der Städtischen Museen in Zittau) stammt aus der Zeit um 1800. Die lakonische Beschreibung „Mit dunkelbrauner Ölfarbe gestrichenes Holz, geschwungene Beine, Tretvorrichtung unten rechts, Deckel halbzylindrisch, vorn aufschiebbar, schwarze und weiße Glasschalen, davor rechte Seite Wasserschälchen zum Fingerbefeuchten, unter diesem ein kleines Schubfach, hergestellt von Karl Andreas von Meyer zu Knonow“ verrät erst einmal wenig über seine Eigenschaften. Der Augenschein offenbart eine recht gediegene Eigenkonstruktion von Karl Andreas von Meyer zu Knonow.
Dieser „[...] war ein sehr gebildeter, kenntnißreicher und liebenswürdiger Mann, eine Zierde der menschlichen Gesellschaft, stammte aus einem alten, noch in Zürich blühenden, Schweizerischen Geschlechte, und war ein Sohn Christian Andreas Meyer’s zu Knonow in Schnellförtel (der 1747 in den Adelsstand erhoben wurde), und wurde hier 30. October 1740 [richtig: 1744] geboren. Seine Mutter war Frau Emilie Johanna Caroline Weniger. Durch Hauslehrer gebildet, besuchte er von 1759–1762 die Universität Leipzig, kaufte 1764 Rothenburg, und zog 1785 nach Verkauf desselben nach Görlitz, wo er den Wissenschaften lebte. Er wurde mit den ausgezeichnetsten Gelehrten bekannt, machte Reisen nach Holland und der Schweiz, und legte sich mit vielem Eifer und Erfolg auf die Naturwissenschaften. Nach vielen Versuchen erfand er zwei neue musikalische Instrumente, das Harmonium und das Bogenclavier. Als Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz hat er viel zu ihren naturhistorischen Sammlungen beigetragen, und ihr die seinigen vermacht.“10
Zur Präzisierung: Von Meyer wurde am 30.10.1744 in Schnellförtel/ Oberlausitz, (heute Okraglica in Polen) geboren und starb am 14.01.1797 in Görlitz. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Nikolaifriedhof. Er war ein vielseitiger Gelehrter, seit 1782 Mitglied der OLGdW und beschäftigte sich vorrangig mit der Flora und Fauna der Oberlausitz sowie der Konstruktion und dem Bau von Musikinstrumenten. Er stiftete den Aussichtsturm auf der Landeskrone. – Es folgen einige auf unser Thema zugeschnittene Auszüge aus einem Aufsatz von Steffen Menzel über Andreas von Meyer zu Knonow im Görlitzer Magazin.11
„Neben seinen naturwissenschaftlichen Studien beginnt von Meyer zu Knonow sich mit dem Bau von Musikinstrumenten, namentlich der Glasharmonika zu beschäftigen. Diese Bemühungen verstärkt er seit dem Beginn der achtziger Jahre des Jahrhunderts. Auf dem einst väterlichen Besitz in Schnellförtel – der Vater war 1776 gestorben – errichtet er eine Glashütte und experimentierte mit verschiedenen Glasflüssen zur Herstellung der notwendigen Glocken für seine Harmonika. Spätestens im Jahr 1782 hatte von Meyer die Konstruktion seiner ersten Harmonika erfolgreich abgeschlossen. Auf diesem Instrument, für das er auch selbst komponierte, gab er in vielen Städten Konzerte, die mit Begeisterung aufgenommen wurden.“12

V. Meyers „[...] musische Vorbildung entfaltete sich nach dem Erwerb der Rothenburger Güter zu einer wahren Leidenschaft für die Musik, namentlich für den Bau von Musikinstrumenten. Auf keinem anderen Gebiet als auf dem des Instrumentenbaues, konnten sich Meyers musische Empfindungen mit seinen physikalischen und mechanischen Fähigkeiten so glücklich vereinen. Seine von ihm konstruierten Instrumente – Glasharmonika, Harmonikon und Bogenklavier – lassen den im Zeitgeist der Aufklärung verhafteten Musiker erkennen. Die Empfindsamkeit der Töne und der sphärische Klang nehmen jedoch bereits fühlbar den Hauch der Romantik vorweg.
Glasharmonikas waren ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem allgemein beliebten Instrument geworden. Meyer erhielt seine Anregung zur Konstruktion einer Harmonika sicher von den bereits seit den 1770er Jahren bekannten Harmonikas des Kapellmeisters Schmidtbauer aus Karlsruhe und Rölligs in Wien.13 Allerdings kannte er diese Instrumente nicht aus eigener Anschauung. So berichtet er 1784 an Goecking [recte Goekingk],14 der Meyer um einer Beschreibung seiner Harmonika gebeten hatte: ‚Meine Harmonika betreffend, so habe ich dieselbe nach keiner Zeichnung oder Modelle bauen können, da ich noch keine gesehen hatte auch die Figur der Glocken mir nicht bekannt war, welches mir viel Mühe verursacht hat, und so habe ich durch viele Proben die Figur der Glocken, das Stimmen und Zusammensetzen nebst der Bewegung, nach Verlauf eines Jahres zustande gebracht. Die so ich in Blankenburg mitgehabt habe, war die zweyte und besonders zur Reise gebaut, die erste aber hat eine ganz andere Figur und ich schicke Ihnen beyliegend die äußere Zeichnung davon mit.’ Die erwähnte erste Harmonika hatte Meyer im Jahr 1782 fertiggestellt. Im genannten Jahr beglückwünscht Nathe15 in einem Brief Meyer zur gelungenen Konstruktion der Harmonika und bittet ihn, für den bedeutenden Kupferstecher Bause (1738-1814) eine Glasharmonika nach Leipzig für dessen Tochter zu senden. Auf diese Bitte hin, schickt Meyer eine Glasharmonika in die Messestadt, jedoch war diese Bause wohl zu teuer. Außerdem hatten auf dem Transport nach Leipzig, der in einem Bretterwagen mit Stroh erfolgte, einige Glocken Schaden genommen und waren zersprungen. Ein weiteres Instrument liefert Meyer an den Buchhändler Rost in Leipzig, wofür dieser sich in einem Brief vom 5. August 1783 bei Meyer bedankt. In Dresden hatte Karl Andreas von Meyer zu Knonow den noch jungen Komponisten und späteren Kapellmeister Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814) kennengelernt. Zwischen Himmel, einem Schüler des kursächsischen Kapellmeisters Johann Gottlieb Naumann, sowie Meyer entwickelte sich eine enge Beziehung, wovon die 21 erhaltenen Briefe des Komponisten an Meyer beredtes Zeugnis ablegen. Als Himmel auf seiner Italienreise seine Harmonika entzwei geht, schickt ihm Meyer eine selbstkonstruierte Harmonika nach Venedig.
Im Jahr 1783 hatte Meyer beim Spiel auf seiner Glasharmonika bereits solche Fähigkeiten, daß er auf der Harzreise Konzerte geben konnte. Am 22. Mai schrieb Gersdorf16 an Charpentier,17 daß Meyer mit großem Erfolg in Dresden, Leipzig und Dessau konzentriert habe. Bei dem bereits erwähnten Konzert [1783] in Göttingen im Hause Lichtenbergs, genießt Meyer die Bewunderung des Professors. Den großartigen Eindruck, welchen Meyer mit seinem Spiel bei Lichtenberg hinterließ, läßt sich Jahre später aus Lichtenbergs Trostbrief an Gersdorf nach dem Tode Meyers erkennen. ‚An dem Tode des vortrefflichen Herrn v. Meyer habe ich wahren und herzlichen Anteil genommen, und die Erzählung von seiner Krankheit und Hintritt nicht ohne Tränen gelesen, sein Spiel auf der Harmonika, das einzige, was ich auf diesem Instrument, das ganz für melanchologische Gemüt gemacht zu seyn scheint, gehört habe, werde ich nie vergessen. So oft ich mich jener wahren Seelenmusik erinnere, sehe ich Hrn. v. M. Bild vor mir, und nie denke ich an ihn, ohne die Begleitung dieser Töne in meiner Phantasie, die sich leider! möchte ich sagen, nur allzu gut mit der jetzigen Stimmung meines Nervensystems verträgt.’ Bei der Konstruktion der Harmonika folgte Meyer dem Franklinschen Prinzip. ‚... die in ihrem Mittelpunkt durchbohrten Glasglocken sind auf einer horizontalen Welle so ineinandergeschoben aufgereiht, daß jede größere Glocke die nachfolgende kleinere fast verdeckt und nur ihre Ränder als Berührungsfläche freiläßt. Durch einen über Rollen laufenden Lederriemen steht die Welle mit einem Schwungrade, das mittels einer Tretvorrichtung in Bewegung gesetzt wird, in Verbindung.’ Zur Unterscheidung der einzelnen Glocken benutzte Meyer bereits im Jahre 1783 goldene Ränder, mit denen er die Halbtöne kennzeichnete. Das Spiel auf der Harmonika erzeugte zwar ungemein reine und durchdringende Töne, diese waren jedoch nur in geringem Umfang nuancierbar. Abhilfe sollte hier der Anbau einer Klaviatur schaffen, die das mehrgriffige Spiel erlaubte. Ein solches Instrument hatte bereits im Jahr 1784 der in Görlitz ansässige Organist David Traugott Nicolai erfunden. Meyer lernte dieses Instrument während seines Musikunterrichtes – er erlernte den Generalbaß – bei Nicolai kennen. Kurz vor seinem Tod gelang Meyer der Bau einer Tastenharmonika. Diese Klaviatur nahm dem Instrument jedoch das Wesentliche, den feinen Klang.“18

Die erwähnte Errichtung einer Glashütte zur Herstellung der Glasglocken erinnert an Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der – mehrfach verbürgt – in Kieslingswalde bei Görlitz sogar drei „Glashütten“ (richtiger wohl: Öfen) und eine Schleifmühle betrieb, ursprünglich, um sich mit dem Verkauf von Brillen, Brennspiegeln und anderem wirtschaftlich unabhängig zu machen, bald jedoch auch zur Erzeugung hoher Brenntemperaturen für die Versuche zur Porzellanherstellung. Eine Hütte allein zur Herstellung von Glasglocken erscheint dagegen wenig wahrscheinlich, denn im Gegensatz zu Tschirnhaus, der mit seiner Hütte auch ökonomische Ziele verfolgte, hätte v. Meyer eine Glashütte mit Hüttenmeister, Glasmachern und Glasschleifern mit genügender Erfahrung, kurz: mit allem „Drum und Dran“ nur für eine Liebhaberei errichtet und unterhalten. Ein solcher Aufwand wäre wohl auch für einen begüterten Adligen unvertretbar hoch gewesen. (Obwohl – bei ihnen weiß man ja nie ...) Zum Vergleich: Das Rittergut Dubraucke (547 ha Land und Immobilien) wurde 1796 für 3.500 Taler verkauft,19 und aus Akten der Standesherrschaft Muskau geht hervor, daß die Errichtung der Glashütte Jämlitz 1815 runde 3.580 Taler kostete; eine enorme Summe, die in keinem Verhältnis zum Ertrag einiger Glasglocken gestanden hätte.20
V. Meyers Versuche mit Schmelzflüssen, an die sich Carl Gottlob Anton in einer „Denkschrift auf Herrn Karl Andreas von Meyer zu Knonow“ erinnert, scheinen experimentellen Charakters gewesen zu sein: „In der Scheidekunst hatte er einige Kenntnisse, und besaß in Schnellfürthel [sic!] einen Ofen, in welchem er, wenn er von Görlitz hinreißte, seine Schmelzungen unternahm. Vorzüglich arbeitete er an Glasflüssen, und erfand noch in Rothenburg einen, welcher nicht so weiß wie Porzellan, aber noch fester und fast unzerbrechlich war.“21 (Mit Rothenburg meinte Anton sicher v. Meyers Zeit als Gutsherr von 1764 bis 1785 und nicht, daß er diese Versuche in Rothenburg durchgeführt habe.)
Gegen die Errichtung einer eigenen Hütte spricht auch die vage Auskunft, die v. Meyer dem Herausgeber des Journals von und für Deutschland auf die Frage nach dem Preis für eine Glasharmonika erteilte. Aus „Rothenburg den 8. Febr. 1784“ teilte er diesem mit. „Wie viel die Kosten einer Harmonica betragen, kann ich Ihnen nicht sagen, weil zu viel darauf ankommt, wie sie in den Glas-Hütten gerathen, und es dadurch, weil die Glocken noch nicht können gegossen werden, gemeiniglich sehr erschweret wird; auch kommt es darauf an, wie viel beym Schleifen und Stimmen entzwey gehet, und in welcher Zeit man mit der richtigen Temperatur und Stimmung fertig wird, welches immer schwer und äußerst mühsam bleiben wird. Außer daß unter einer großen Menge wenige den ihnen zukommenden Ton halten, geschiehet es sehr oft, daß sie zweyerley Töne haben und auch dieserwegen nicht können gebraucht werden, auch auf dem Transport [!] und beym Abschneiden der Hälse viele entzwey gehen. Kurz, der Schwierigkeiten sind so viel, daß ich es in diesem Briefe nicht im Stande bin auszudrücken.“22
Eine offenbar zuverlässige Zahl, die auf die Herstellungskosten für die Glocken schließen läßt, wird – wiederum – bei Reckert genannt: Um 1790 kostete eine Glasharmonika 100 Speziesdukaten. Der Speziesdukaten wurde damals zum Tageskurs in Gold umgerechnet und schwankte demzufolge im Wert zwischen 2 ½ und 3 Reichstalern; das heißt, der Preis für eine Harmonika hätte ca. 300 Taler betragen. Zum Vergleich: Der Rektor der Muskauer Stadtschule kam 1792 auf ein Jahreseinkommen von insgesamt 120 Talern.
Von Meyer hinterließ auch ein Manuskript „Von der Harmonica“. Auch darin erwähnt er weder eine eigene Glashütte, noch nennt er eine namentlich. Welche Probleme allein bei der Anfertigung der Glasglocken auftraten, ist dem Kapitel „Von der Verfertigung derer Glocken auf denen Glashütten“ zu entnehmen. Nachdem v. Meyer die (Holz-)Formen für die Glocken (etwas mehr als halbkugelig) beschrieben hat, kommt er zur Herstellung selbst:
„Mann schafft nunmehro die Formen auf die Glas Hütte, und nimt zu denen Glocken, von dem guten weißen Tafelscheiben Glase. Was das grüne Glas für Würckung thät, habe ich noch nicht versuchen können, glaube aber ebenfalls daß es einen sehr angenehmen Ton geben wird, wenn es nur recht rein und von Steinen frey ist.
Der Glas Macher muß nunmehro, ehe er die Glocken blasen will, die aufeinander folgenden Formen in die Wärme setzen und nach und nach vorwärmen. Er nimt sodann ein Stück Glas an sein Rohr nach Verhältniß der Glocke und bläßt dieses in der Forme aus, indem er es unter währenden Blasen immer darinnen herumdrehet, waß vom Glase übrig ist, tritt oben über die Forme heraus. Bey denen großen Glocken ist hauptsächlich nöthig, daß er darauf siehet, daß der Hals und das hintere Gewölbe gut ausgeblasen werden, denn obschon der Stoß des Blasens sich nach dieser Gegend am mehrsten wendet, so senckt sich doch auch das weiße Glas immer von selbst gegen den Hals und das Gewölbe. Es ist nöthig daß der Hals ..... Linien im Glase und das Gewölbe etwa ..... Linien stark sey und die Stärke alsdann gegen den Rand bis auf ..... Linien abnehme. Wird die Glocke stärker im Glase, so hat mann von der großen Glocke anstatt des Tones F oder G vielleicht A oder B und der Ton wird schmerzend und spricht schwer an beym Spielen. Ist sie viel schwächer, so wird diese Glocke um 2 bis 3 Töne tiefer, spricht zwar leicht an, behält aber einen schwachen, schnarrenden und dumpfen Ton, und ist nicht zu brauchen.
Sobald die Glocke geblasen und vom Rohre getrennt worden ist so muß sie unverzüglich in den Kühl Ofen gebracht werden, weil die gute Abkühlung, bey allen Glase, von guter Würckung ist, und jedes Glas, welches der freyen Luft lange ausgesetzt wird, ehe mann es in Kühl Ofen bringt, sehr leicht springt. Nachdem die Glocken aus dem Kühl Ofen gebracht, und vollkommen abgekühlt worden sind, so wird die obere Kuppe, wo der Glasmacher sein Rohr hat angesetzt gehabt, abgesprengt, auf die nehmliche Art, wie die Tafel Scheiben auseinander gesprengt werden. Will mann diese Arbeit laßen den Glas Schleifer machen, und mit einem gewöhnlichen Rädchen rothen Sandstein zerschneiden, so kommt diese Arbeit nicht nur sehr hoch zu stehen, sondern es gehen vielmehr Glocken dabey zu Schanden. Die Hälse aber läßt man den Glas Schleifer abschneiden, so daß jeder Hals etwa einen Zoll lang bleibt, weil dieses wieder beßer und viel geschwinder geht, als mit dem absprengen, wegen der Stärke des Glases. Nun kann mann erst sehen wie die Glocken in der Stärke worden gerathen seyn, und mit denjenigen welche nur nicht über 2 Töne zu tief oder einen zu hoch gerathen sind, kann mann schon gut zufrieden seyn. Höher kann mann die Glocken leichter als tiefer machen. Wenn mann auf jede Form 6 Stück blasen läßt, wird mann hoffentlich 37 Stück daraus zu einem Instrumente von 3 Octaven, erhalten.“23
Alles in allem wird v. Meyer wohl die Nähe der vorhandenen Hütten, vielleicht Wiesau oder Rauscha im Görlitzer Stadtwald, gesucht und dort seine Erfahrungen gesammelt haben, oder er griff letzten Endes auf Vorhandenes zurück. Skepsis scheint beispielsweise auch gegenüber seiner Behauptung angebracht: „Meine Harmonika betreffend, so habe ich dieselbe nach keiner Zeichnung oder Modelle bauen können, da ich noch keine gesehen hatte auch die Figur der Glocken mir nicht bekannt war [...]“, denn Klappern gehört seit jeher zum Handwerk ... – Zum Abschluß der obigen Überlegungen:

Die Familie Pohl aus Kreibitz in Nordböhmen stellte fünf Generationen lang, in den Jahren 1785 bis 1945, Harmoniken her. Unter ihnen wurde Carl Ferdinand Pohl (1781–1869) der bekannteste, da die Fürstin Luise von Anhalt-Dessau in Darmstadt selbst Harmonika spielte und den „Kammermusikus Pohl als Harmonicaspieler“ in den Jahren 1818 bis 1830 in der Hofkapelle beschäftigte.
Die älteste noch produzierende Glashütte Europas befindet sich in Horní Chřibská. Sie ist für das Jahr 1514 nachgewiesen und gehörte damals dem Glasmacher Veit Friedrich, der zugleich Schulze von Kreibitz war. Dessen Nachkommen gründeten zahlreiche weitere Glashütten in Schlesien, im Adlergebirge und im Glatzer Land. Anfang des 17. Jahrhunderts war die Kreibitzer Glashütte im Besitz der Glasmacherfamilie Preußler. Später war in Kreibitz die Fabrikation von Glasharmonikas ansässig.
Carl Ferdinand Pohl der Jüngere (1860–1945), der Urenkel des gleichnamigen Harmonikabauers C. F. Pohl (siehe oben), der bis dahin als letzter Harmonikaspieler die Mozartwerke für Glasharmonika bei den Salzburger Festspielen 1924 interpretieren sollte, fertigte schließlich drei Instrumente an, je eines für die Semperoper (Dresden), die Bayerische Staatsoper (München) und die Wiener Staatsoper. Ob die Instrumente je in der Frau ohne Schatten24 eingesetzt worden sind, konnte nicht nachgewiesen werden, da das Instrument der Uraufführung mit verbogener Achse eintraf und die Instrumente aus Dresden und München noch 1941 zu Pohl nach Kreibitz zur Reparatur geschickt wurden, von wo sie vermutlich kriegsbedingt nicht mehr zurückkamen.
Wie 1995 noch lebende Angehörige der Familie Pohl berichteten, schickte der NSDAP-Vorsitzende der Reichskulturkammer Joseph Goebbels noch Schüler zu Carl Ferdinand Pohl, doch starb mit diesem im Flüchtlingslager in Zittau eine Tradition, die unmittelbar bis zur Musik Mozarts zurückreichte, denn der Verbleib seiner Schüler ist bis heute ungewiß.
1956 versuchten die Firma Corning Glass,25 das Massachusetts Institute of Technology und der Orgelbauer Herman Schlicker zusammen mit dem Organisten Edward Power Biggs zum Gedenken an den 250sten Geburtstag Franklins und zum 200sten Geburtstag Mozarts, eine (Tastatur-) Glasharmonika neu zu bauen, da die Museumsinstrumente unspielbar waren. Trotz immenser finanzieller Aufwendungen scheiterte das Projekt, da die Töne zu schlecht ansprachen und auf dem entstandenen Instrument nur kleinere Solostücke zu verwirklichen waren. Erst ab 1983 etwa gelang es wieder für anspruchsvolle Harmonikawerke zu gebrauchende Glasharmoniken herzustellen, und seit der zeitgleichen Gründung der Gesellschaft „Glass-Music-International“ in Loveland, Colorado, gibt es heute weltweit etwa zehn Harmonikaspieler und etwa 130 Glasmusiker. (Nach Reckert.)
Zur Herstellung der Glasschalen notierte Reckert, der selbst in Glashütten assistierte und sich einige Fertigkeiten aneignete: „Traditionell werden die Schalen aus Kristallglas in Holzformen mundgeblasen. Der früher höhere Bleianteil [siehe Beethoven] wird heute durch andere Zusätze weitgehend ersetzt. Vergleiche zu erhaltenen Instrumenten in verschiedenen Museen haben gezeigt, daß der Klang des heute verwendeten Glases trotzdem dem der alten Harmoniken entspricht. Der Klang wird eher durch die Wandstärke und Form des Glases beeinflußt. Durch dickere Wandstärken erhält man bei gleichem Durchmesser höhere Frequenzen als bei dünnen Wandungen. Dickwandige Schalen haben im Vergleich zu dünnwandigen mehr Nachhall, Klangkraft und Brillanz, doch sprechen sie gleichzeitig schwerer an und lassen sich nicht mehr engmensuriert montieren. Da man aus einer bestimmten Holzform durch verschiedene Wandstärken der hineingeblasenen Schalen Unterschiede von mehr als zwei Oktaven erhalten kann, muß oft vor dem Stimmen aus 30 bis 100 Schalen pro Ton sorgfältig ausgewählt werden. Durch Schleifen am oberen offenen Rand wird der Ton höher, durch Schleifen am unteren Boden beziehungsweise Halsansatz tiefer.
Zwischen dem Glas und der eisernen Spindel wurde ein Zapfen aus Kork exakt so in den Halsansatz eingepaßt, daß die jeweilige Schale fest auf der Achse sitzt und zentrisch rotiert. Zur Kennzeichnung der verschiedenen Töne hat Franklin die den weißen Klaviertasten entsprechenden Schalen in sieben Prismenfarben und die Zwischentöne weiß einfärben lassen. Später wurde durch Röllig und Schmittbaur die Kennzeichnung der den schwarzen Klaviertasten entsprechenden Schalen mit einem eingebrannten Goldrand üblich. Der Tonumfang wurde manchmal auf bis zu fünf Oktaven erweitert.“
Der folgende Absatz ist wohl eher für Fachleute interessant; er steht hier zur Verdeutlichung der zahlreichen Probleme, die der Bau einer Glasharmonika mit sich bringt, immer im Hinblick auf das Instrument, das Carl Friedrich Brescius selbst gebaut haben soll.
"Um die gewünschte Stimmung der Schalen im montierten Zustand zu erreichen, ist besonders die geplante Mensur zu berücksichtigen. In Die Frau ohne Schatten sind zum Beispiel achtstimmige Akkorde zu spielen, welche die Erreichbarkeit einer Oktave mit einer Hand in der Mittellage bedingen. Der Abstand von Schalenrand zu Schalenrand beträgt dann nur noch 1,5–1,6 cm. Durch den äußerst geringen Raum zwischen den Schalen dämpfen sie sich gegenseitig, was die Nachhallzeit der montierten Schalen auf ein musikalisch sinnvolles Maß reduziert. Gleichzeitig vermindert sich die Frequenz jedes Tones im Vergleich zur Frequenz vor der Montage. Im Baß beispielsweise senkt sich die Frequenz der Schalen nach der Montage aller Töne bis zu einem Viertelton. Beim Stimmen muß man diesen Effekt berücksichtigen und meist die Harmonika nach vollständiger Montage noch einmal zur Feinstimmung zerlegen und die noch abweichenden Schalen nachschleifen. Dies wurde bei anfallenden Reparaturen der heutigen Museumsinstrumente wohl selten berücksichtigt, so dass die meisten alten Harmoniken heute eine unsaubere Stimmung aufweisen. Die Museumsinstrumente sollten gespielt werden, da Glas eine weit unter ihrem Schmelzpunkt erkaltete Flüssigkeit ist und das Glas im Lauf der Zeit nach unten sackt und sich Wandstärke und Stimmung der Glasschalen auf diese Weise verändern."

Die Glasharmonika des Museums Bautzen, siehe unten.
Photo © Museum Bautzen.
Zum Gehäuse heißt es: „Die oft kunstvoll geschnitzten Gehäuse sind reine Halterung der Achse und Dekoration, da sich durch etwaige Resonanzräume nur eine kaum wahrnehmbare Verstärkung bewirken lässt. Ebenso ist es unmöglich die Glasschalen durch eine Art Wasserbecken rotieren zu lassen, da sich die Frequenzen durch geringfügiges Eintauchen in Wasser unregelmäßig verändern und die Schalen kaum noch ansprechen. Die Auskleidungen der Gehäuse von innen mit verschiedenen Metallen sind eher auf die Intention zurückzuführen, die wertvollen Hölzer vor den von Fingern und Gläsern beim Spiel herunterfallenden Tropfen zu schützen.“
Sollte also Carl Friedrich Brescius das Instrument, das er Leopold Schefer schenkte, tatsächlich selbst gebaut haben, wäre das eine höchst respektable Leistung; ein Geschenk im Wert eines durchschnittlichen Jahreseinkommens allein wäre ebenso bemerkenswert. Wie Schefers Lehrer Andreas Tamm in einem Brief an Anton am 05.06.1793 mitteilte, war Brescius in vielen Dingen geschickt.26 Das kostbare Geschenk erwähnen Bettina und Lars Clausen im ersten Band von Zu allem fähig auf Seite 118f.
Zum musikalischen Werdegang des Musikers und Komponisten Leopold Schefer sei hier der Einfachheit und Gründlichkeit halber auf die „Publikationen von Ernst-Jürgen Dreyer“ auf schefer.kulturpixel.de verwiesen. Über Brescius, Schefers ersten Lehrer, in der älteren Literatur irrtümlich auch anstelle Ludewig Traugott Heinrich Wolffs als dessen Vormund genannt, gibt eine umfangreiche Biographie Auskunft, die ebenfalls in der Tamm-Biographie angeführt ist. (S. auch „Andreas Tamm/ Anmerkungen zur Biographie“, Anm. 29.)
Leopold Schefer hatte das Glück, immer wieder an verständnisvolle und kenntnisreiche Lehrer zu geraten. 1804 hatte er das Bautzener Gymnasium ohne Abschluß verlassen müssen, ein Universitätsstudium kam deshalb für ihn nicht in Frage. Der Autodidakt war dennoch bald in elf Sprachen zu Hause, schrieb Romane, Novellen und Gedichte, spielte Mandoline, Zither, Klavier und Orgel und komponierte. Seine musikalische Grundausbildung erhielt er von Brescius in Muskau, sie wurde entscheidend vorangebracht durch den „närrischen“ Johann Samuel Petri in Bautzen, den letzten Schliff bekam Schefer in Wien, wo er auch Medizin studierte und beinahe Mediziner geworden wäre, bei Heydenreich und Salieri. (Ausführlich erörtert in „Salieris zweiundzwanzigster Schüler“ von Ernst-Jürgen Dreyer.27 ) Salieri war – im Gegensatz zu dem Bild, das einige Mozart-Thriller vermitteln, ein ausgezeichneter Lehrer und „[...] ein höchst liebenswürdiger Mensch. Freundlich und gefällig wohlwollend, lebensfroh, witzig, ... ein feines, niedlich gebautes Männchen mit feurig blitzenden Augen, gebräunter Hautfarbe, immer nett und reinlich, lebhaften Temperaments, leicht aufbrausend, aber ebenso leicht zu versöhnen.“28 Zu seinen Schülern zählten Ludwig van Beethoven, Carl Czerny, Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Ignaz Franz Schubert, Giacomo Meyerbeer und – als 22. seiner alphabetischen Liste – Leopold Schefer.
Welchen Gebrauch Schefer – unter anderem – von seiner Glasharmonika machte, welche weitreichenden Folgen er – unter anderen – damit heraufbeschwor, vertraute er – unter anderem – seinem Tagebuch Nr. XXIX an:
„Donnerstag, den 29. März 1810. Ich zittre vor Erwartung, Furcht, Angst, voll Liebe! die Knie bewegen sich mir unwillkürlich. Ich bin wie ein Thörigter ich weiß nicht wie lange in der Stube umhergegangen [...] – : Ich komme eben aus dem Garten herunter die Hildegard von Hohenthal [von Wilhelm Heinse] kaum aus den Händen gelegt, kommt Wehlam und Graf Sylvius mir melden‚ abends kommt Agnes Ange zu ihnen auf ihre Stube sie Harmonika spielen zu hören. Ihre Schwester Clementine auch, auch meine Gräfin [Sylvius’ Mutter, das frühere Fräulein Kracht ...].’ – Ich erstarrte. ich setzte mich. Machte tausend Ausflüchte mit Maymondscheinabenden – kurz es half nichts. ‚Ich muß mirs gefallen lassen’ sagt ich. – Wie dem Philoktet tritt mir das Glück auf den Fuß wie eine Geliebte --- soll heute mein Todestag schon seyn!“
„Ich schrieb grade bis zu der Stelle‚ Eros in jeglichem Busen lebest und webst du’ da hört’ ich sie nahen. Sie trat schüchtern ein. ich war wunderbar unbefangen. Ob sie mich störe? – Das Glück stört niemals!
Sie setzte sich mir seitwärts. Phantasie dann Übergang: Kennst du das Land?
Sie blikte, ich blikte
als ich geendigt wars einige Minuten ganz still. Sie lobte nicht.
Dann später erst trat sie näher: ‚es ist göttlich’. Dann stand sie hinter meinem Stuhl und meinte: sie wolle die ganze Nacht dableiben zuzuhören. Dann lehnte sie ihr Haupt an dem Fenster wo ich selber so oft lehnend tausend Gedanken flehte, und sie oft sah vorüberfahren.
Sie beneidete mich um die Gabe der Dichtkunst und Setzkunst – ‚O wünschen sie sich das nicht diese ewige Unruhe diese ewigen Schmerzen – dann müßten sie mir auch das Herz abnehmen: – Wollen sie das –’
Sie lächelte wieder [...] ich schaute lang in ihr Antlitz. Sie blikte nieder als wenn sie es nicht bemerkte und schlich sich wie der Mond hinter verhüllende Wolken, hinter ihre Gefährten. (Sie freut sich auf die Mondnächte im May wenn ich unter den Orangen ihr spielen werde) Sie wollte sich emphelen ... lächelte ... dann aber blikte sie mich voll an, und verneigte sich vor mir.
o gott.
Ich faßte sie am Arm, dem zarten sanften – ich flüsterte ‚Ange’.
Jene gingen voraus. Ich war von Sinnen so führt ich sie am Arm dunkel auf Erden wie es war –“
Dem hat Schefer später hinzugefügt: „Eben besinne ich mich auf das Thema was ich auf der Harmonika der Agnes spielte. ich will es mir doch aufbehalten“. Zu den oben angedeuteten Folgen siehe das „Tagebuch einer großen Liebe“.

„Thema das ich auf der Harmonika der Agnes spielte.“
Leopold Schefer, Tagebuch XXIX, Eintrag vom 29. März 1810.
© Gespielt vom Wiener Glasharmonika Duo.
1816 unternahm Schefer seine längst geplante, wohl auch in der Hoffnung, sie, wie einst beschlossen, mit Hermann von Pückler gemeinsam unternehmen zu können, immer wieder hinausgezögerte „Weltfahrt“. Zuvor verkaufte er sein von der Großmutter ererbtes kleines Grundstück samt dem Häuschen und alle bewegliche Habe. Seine Glasharmonika – dies ist aber vorläufig nur ein Verdacht – könnte auf Umwegen in das Stadtmuseum Bautzen gelangt sein, denn dort befindet sich eine, allerdings stark ramponierte Harmonika, die wie ein „Eigenbau“ wirkt. Das Instrument befand sich lange Zeit im Städtischen Museum Viadrina in Frankfurt an der Oder. Einem Brief von Hagen Schulz, dem Kurator der Sammlung Stadt- und Kulturgeschichte des Bautzener Museums, vom 15. April 2005 ist die folgende, lexikalisch knappe Auskunft entnommen: „[...] zur Glasharmonika im Besitz des Stadtmuseums Bautzen, Inv.-Nr. R 10016 mit 24 Glasschalen, sieht improvisiert aus, leider defekt. In einem Altinventarband, der von dem Gründer des Stadtmuseums Oscar Roesger (1843-1910) angefertigt wurde, fanden wir folgenden Eintrag: Verzeichnis der Gegenstände des STIEBER-MUSEUMS, Kunst und Kunstwerke, a) Tonkunst, Blatt 343r: ‚Glasharmonika mit Klaviatur und Pedal zum drehen der rotgefärbten Glasbecken. In Schwarz poliertem büreauartigen Gehäuse. Ganz defekt.’ und als Zusatz: ‚Geschenk von Herrn Posthalter Pech’. (Wert 10 Mark).“
Erteilen wir zum Schluß noch einmal Leopold Schefer das Dichterwort:
Die Schaffung der Harmonika.29
Als nun Prometheus, wiedergekehrt, bei seinem geliebten
Menschengeschlecht in Gestalt Franklin’s auf Erden erschien,
Und er dem Himmel den Blitz, den Tyrannen das Scepter entrissen,
Nun dem Bedrängten zum Trost noch die Harmonika schuf,
Bat er Athene’n, daß sie den Spieß mit den Glocken in Götter-
Wonn’ eintauchte. Doch sie tauchte ihn weiser in Schmerz.
Reinste Wonne der Götter ertrüg’ ein menschliches Herz nicht!
Götterschmerz schon wird Wonne der Sterblichen Brust.
Aber die tief vom Schmerz durchbeizeten Glocken zu netzen,
Brachte sie auch ihm ein Glas Wasser, aus Lethe geschöpft.
Darum weint, wer die Glocken nun hört, und träumt sich im Himmel
Und vom letheischen Naß duftet Vergessenheit ihm.


(01.03.2010.)
Nachtrag vom 16.02.2011
„Erwähnenswert ist noch, daß im 2. Konzert dieser Saison [1815] einige Sätze auf der Harmonika gespielt wurden. Das war ein heute [1914] vergessenes Instrument, dessen Töne auf verschieden abgestimmten, durch Streichen in Schwingungen versetzten Glocken von Glas erzeugt wurden. In der Geschichte dieses Instrumentes spielt unsere Vaterstadt [Görlitz] eine nicht unbedeutende Rolle, da der Organist Nicolai (gest. 1799) und ein begüterter Görlitzer Edelmann, Meyer zu Knonow (gest. 1797), solche Instrumente gebaut haben. Nicolai hatte seine Harmonika am 16. Februar 1784 dem Ratskollegium vorgeführt und da Bewunderung und Lob geerntet. [Anm. 11: Laus. Mag. 1785 u. 87.] In Zittau, Lauban und Hirschberg hatte er die Besucher seiner Konzerte entzückt. Etwas näheres über das Instrument erfahren wir aus einer Beschreibung der Glockenharmonika des Herrn von Meyer zu Knonow. [Anm. 12: Oberl. Provinzialblätter 1782/83.]: Es heißt da: ‚Sie begreift 3 völlige Oktaven von G bis g“ ... Der Ton ist auch im schwächsten Piano durchdringend sanft und reißt im allmählichen Wachsen bis ins ff das Gefühl so mit sich fort, daß sich niemand wird erinnern können, einen ähnlichen und so angenehmen Ton jemals gehört zu haben; der Flötenton der Orgel kommt ihm etwas nahe, aber was geht nicht durch das beständige gleiche Fortheulen einer Pfeife vom Reiz des Tones verloren, da der Ton der Glocke in einer Harmonika unzählige Modifikationen von cresc. und decresc. ausdrückt und augenblicklich neue Bewegungen in der Seele des aufmerksamen Zuhörers verursacht.’ Herr von Meyer hat später auch ein Harmonikon gebaut, bei dem der Klang durch die Erschütterung eiserner Stimmgabeln mittels Anstreichen aufgekitteter Glasstreifen erzeugt wurde. [Anm. 13: Laus. Monatsschr. 1797.] Durch seine musikalischen Erfindungen wurde er mit berühmten Zeitgenossen wie Naumann, Haydn und Himmel bekannt und befreundet; 21 Briefe des letzteren an ihn sind im Neuen Laus. Magazin veröffentlicht. Nach dieser Abschweifung in die Vergangenheit, die wir der Bedeutung des Mannes schuldig zu sein glaubten, wieder zurück zur Geschichte der Abonnementskonzerte.“
(Gefunden in: Görlitzer Musikleben in vergangenen Zeiten. Nach den Quellen dargestellt von Max Gondolatsch/ ordentlicher Lehrer am Lyzeum in Görlitz. 1914. Druck und Verlag von Hoffmann & Reiber, Görlitz; S. 61.)
Anmerkungen
1 Der nordamerikanischer Staatsmann, Naturwissenschaftler, Schriftsteller, Verleger, Erfinder, Philosoph und Freimaurer Benjamin Franklin (1706-1790), einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, gilt als der Erfinder des Blitzableiters, der Bifokalbrille, des Franklin-Ofens und der Glasharmonika.
2 Bruyn, Günter de: Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter. Roman. Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag 1975; S. 79.
3 Reckert, Sascha: Artikel „Glasharmonika“ in Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Kassel: Bärenreither-Verlag und Stuttgart: Bangert & Metzler 1994-2007 und Wikipedia.
4 Index deutschsprachiger Zeitschriften 1750-1815 der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, 1975-1987 gefördert von der Stiftung Volkswagenwerk und der DFG.
5 Der Dichter Organist, Komponist und Journalist Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) erlangte insbesondere durch seine scharf formulierten sozialkritischen Schriften Bedeutung, die ihm eine zwölfjährige, gesundheitlich ruinöse Festungshaft eintrugen.
6 Goldsmith, Oliver: Der Pfarrer von Wakefield. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1971. (EA 1766.) S. 50 u. 53.
7 Jean Paul: Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs. München/ Zürich: Piper 1986. Drittes Bändchen, Seite 429.
8 Gedichte. Herausgegeben vom Grafen Pückler von Mußkau. Erster Band. Berlin: bei Gottfr.(ied) Hayn 1811; S. 318.
9 Geißler, Horst Wolfram: Die Glasharmonika. Roman. Mit 35 Zeichnungen von W. M. Busch. Berlin: Deutsche Buchgemeinschaft 1936.
10 Ludwig August Theodor Holscher: Kurze Topographie und Geschichte der Kreis-Stadt Rothenburg in der Preuß. Ober-Lausitz. Rothenburg O./L.: Gocksch & Hentschel 1844; S. 41.
11 Menzel, Steffen: „Karl Andreas von Meyer zu Knonow – ein Lebensbild der Spätaufklärung.“ In: Görlitzer Magazin 1993. Hrsg. Städtische Kunstsammlungen Görlitz. 7. Jahrgang, S. 36–55.
12 Menzel, Meyer, S. 38.
13 Karl Leopold Röllig (1745-1804) war Glasharmonikaspieler, Komponist, Erfinder einer Tastenharmonika und eines tragbaren Klaviers. Joseph Aloys Schmittbaur (1718-1809), Cembalist und Kapellmeister, unterrichtete neben seinen Töchtern Therese und Lisette auch die blinde Marianne Kirchgeßner.
14 Leopold Friedrich Günther von Goekingk und Sigmund Freiherr von Bibra waren die Herausgeber der Gelehrtenzeitschrift Journal von und für Deutschland. (1784-1792).
15 Christoph Nathe (1753-1806), Miniaturmaler, Aquarellist und Radierer, neben Franz Gareis und Heinrich Theodor Wehle einer der drei Oberlausitzer Maler, die um 1800 gelebt und eine überregionale Bedeutung erlangt haben. Karl Andreas von Meyer zu Knonow auf Rothenburg nahm ihn (und bis an die Schweizer Grenze auch seine Glasorgel) 1783/84 „als Gesellschafter und Freund“ auf seine Schweiz-Reise mit. Mit ihm verbanden Nathe über seine Arbeit hinaus musikalische, mechanische und naturwissenschaftliche Interessen. 1795 heiratete Nathe Caroline von Meyer, die bereits 1798 verstarb.
16 Adolf Traugott von Gersdorff (1744–1807), Sozialreformer, Gelehrter, Mineraliensammler, Mitbegründer der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, seit 1756 „Herr auf Meffersdorf und Schwerta“.
17 Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier (1738-1805), deutscher Geologe, sächsischer Berghauptmann und Mineraliensammler, entstammte einer Adelsfamilie aus der Normandie.
18 Menzel, Meyer, S. 48-51.
19 Houwald, Götz von: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 1. Kreis Spremberg. Neustadt a. d. Aisch: Verlag Degener & Co. 1978. (Bibliothek familiengeschichtlicher Quellen, Band 22.), S. 54.
20 Acta […] die Glashütte Jemlitz betr. 1815-1833. StFABz. Sth. Msk. 445. Die Kosten betrafen lediglich das Gebäude und die Nebengebäude; für die Werkstellen, Werkzeuge und das Material waren die Hüttenmeister bzw. Pächter zuständig.
21 Anton, C.(arl) G.(ottlob): „Denkschrift auf Herrn Karl Andreas von Meyer zu Knonow.“ In: Lausitzische Monatsschrift. 1797, Mai. Fünftes Stück, S. 282.
22 Meyer zu Knonow, C. A. v. „Harmonica.“ In: Journal von und für Deutschland. 1784. Julius. Herausgegeben von Goekingk [...] Ellrich, auf Kosten des Herausgebers S. 1-4.
23 Von der Harmonica. Die Verfertigung derer Formen und Glocken. Ingleichen die Stimmung, Befestigung und Bewegung dererselben betreffend. 1783. Ms. in der OLBdW Görlitz.
24 In der Oper „Die Frau ohne Schatten“ (op. 65) von Richard Strauss (Libretto von Hugo von Hofmannsthal) zeigt sich Strauss’ Virtuosität in der musikalischen Psychologisierung der Figuren mit allen (damals) zur Verfügung stehenden Mitteln. Zu ihnen gehören neben einer Glasharmonika auch fünf chinesische Gongs.
25 Das Unternehmen wurde 1851 im Gebiet Williamsburg von Brooklyn, New York gegründet, wechselte aber später seinen Sitz nach Corning. Bis 1989 war das Unternehmen unter dem Namen „Corning Glass Works“ bekannt. Dazu gehört die traditionsreiche Firma Steuben Glass Works, die hochreine, vorwiegend dekorative Luxus-Glasprodukte herstellt, von denen viele im berühmten Corning Museum of Glass in New York besichtigt werden können. Die Glashütte von Tschernitz in der Oberlausitz gehörte von 2004 bis 2007 ebenfalls zur Corning Glass Ltd. Das New Yorker Corning Museum besitzt unter vielem anderen eine der reichhaltigsten Paperweight-Sammlungen der Welt.
26 S. dazu auch: Friedrich, Bernd-Ingo: Johann Andreas Tamm. 1767-1795. Ein Außenseiter der Aufklärung. Hofmeister des Grafen von Pückler. Lehrer des Dichters und Komponisten Leopold Schefer. Biographie und Dokumente. Cottbus: Regia Verlag 2007; S. 7-10 u. 26.
27 Dreyer, Ernst-Jürgen: „Salieris zweiundzwanzigster Schüler. Der Muskauer Dichterkomponist Leopold Schefer“. In: Jahrbuch des staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz 1998. Stuttgart-Weimar 1998; S. 277-297.
28 Zitiert nach: Braunbehrens, Volkmar: Salieri. Ein Musiker im Schatten Mozarts. München: Piper Verlag 1989.
29 Leopold Schefer’s ausgewählte Werke. Berlin: Verlag von Veit und Comp. 1846, S. 332.
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