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Gottlob Immanuel Leopold Schefer (1784-1862)

Des pantheistischen Trifoliums Herzblatt

Von Bernd-Ingo Friedrich


Die Verwirrung zeigt aller Dinge Ende an, vom Thurm zu Babel bis zur Schlacht von Belle alliance.
Leopold Schefer.


Heinrich Heine „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ in Der Salon. Zweiter Band (1834).

„Deutschland ist der gedeihlichste Boden des Pantheismus; dieser ist die Religion unserer größten Denker, unserer besten Künstler, und der Deismus, wie ich späterhin erzählen werde, ist dort längst in der Theorie gestürzt. Er erhält sich dort nur noch in der gedankenlosen Masse, ohne vernünftige Berechtigung, wie so manches andere. Man sagt es nicht, aber jeder weiß es; der Pantheismus ist das öffentliche Geheimnis in Deutschland. In der Tat, wir sind dem Deismus entwachsen. Wir sind frei und wollen keinen donnernden Tyrannen. Wir sind mündig und bedürfen keiner väterlichen Vorsorge. Auch sind wir keine Machwerke eines großen Mechanikus. Der Deismus ist eine Religion für Knechte, für Kinder, für Genfer, für Uhrmacher.“1


Leopold Schefer im Laienbrevier

März XXX.

Wenn du’s so weit bringst, daß du Feinde hast,
Dann lob’ ich dich, weil Alle noch nicht gut sind.
Wenn du es auch verschweigst, doch schäme dich
Nicht, daß du Feinde hast – wer Feinde nicht
Ertragen kann, ist keines Freundes werth.
Dir müssen Feind sein: die die Knechtschaft wollen!
Dir müssen Feind sein: die die Wahrheit fürchten
Dir müssen Feind sein: die das Recht verdrehen
Dir müssen Feind sein: die von Ehre weichen
Dir müssen Feind sein: die nicht Freunde haben,
Nur Mitgenossen ihrer irren Frevel;
Dir müssen Feind sein: die nicht Feinde haben,
Weil – um für sich Verzeihung zu gewinnen
Die Welt zu leicht verzeiht. Dir müssen Feind sein:
Für welche du nicht Freund bist. Stark ertrage
Der Schlechten Feindschaft!
Sie ist schwach und nichtig.
Und stehst du da als reiner warmer Strahl
Des Himmelsfeuers, dann erwärmst du
Die Guten, und sie schließen sich an dich.
Du aber sei der Feinde wahrster Freund
Und lasse nicht von ihnen ab mit Worten,
Und Blicken, Beispiel, selbst mit langem Schweigen,
Zurückgezogenheit, dir schwerem Tadel!
Der Gute ist des höchsten Lobes wert,
Der Thoren zu gewinnen weiß zum Guten.
Und sieh – es bitten für die Unglücksel’gen
Ihr Vater ... ihre Mutter aus der Gruft!
Es bitten ihre Lieben – ihre Kinder!
Es bittet dich ihr eigner scheuer Blick!
Es bittet dich ein Gott in deiner Brust:
„Laß nicht von deinen Brüdern ab, mein Kind!“ 2


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Zitiert nach:
1 Heine, Heinrich: Sämtliche Werke. 7 Bde. Hrsg. Ernst Elster. (Meyers Klassiker-Ausgaben in 150 Bdn.) Leipzig und Wien: Bibliographisches Institut o. J. (um 1890); Bd. 4, S. 224.
2 Schefer, Leopold: Laienbrevier. 2 Bde. Berlin: Veit & Comp. 1834/35; Bd. 1, S. 125 f.

(26.02.2012)

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