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Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871)

Windbeutel, Gartengestalter, Schriftsteller

Von Bernd-Ingo Friedrich


Wie schade, daß so viele Dinge in der Welt am unrechten Platze sind, und Menschen auch.
Hermann von Pückler-Muskau.


Arthur Eloesser über Hermann von Pückler:
„[...] er spielte den Orientalen, glaubte an den Koran so gut wie an den Talmud und an David Friedrich Strauß [...]“1

... und konvertierte zum Katholizismus: „Is ja alles so schön bunt hier!“ (Nina Hagen, „TV-Glotzer“, 1977.) Von ihm tiefschürfende Überlegungen hinsichtlich der Veränderbarkeit bestehender Verhältnisse zu erwarten, wäre zu viel verlangt, denn für ihn war ja von Geburt an alles zum besten bestellt. Sein Einverständnis mit der Ordnung der Dinge drückte sich in einem wohlwollend-behäbigen Fatalismus aus, der ihn und andere auf nichts verpflichtete.


Wie Hermann von Pückler über die Annehmlichkeiten des menschlichen Lebens denkt:

Aus den Briefen eines Verstorbenen. „Sechzehnter Brief, London, den 5. Juni 1827.

[...] Meine Einbildungskraft geht, einmal angeregt, immer etwas weiter als rätlich, und so erschien mir auch jetzt aller eitle Genuß, alle jene die Armut und das Elend höhnenden raffinements des Luxus eine wahre Sünde, und recht oft fühle ich mich in dieser Stimmung. – Nicht selten hat es mir die beste Mahlzeit verbittert, wenn ich die armen Diener betrachtete, die zwar gegenwärtig sein dürfen, aber nur als zureichende Sklaven, und doch von derselben Mutter Natur geboren sind – oder an den Dürftigen dachte, der nach des langen Tages angestrengter Arbeit die karge ärmliche Nahrung am Abend kaum erschwingen kann, während wir, wie auf jener englischen Karikatur, überfüllt von Genuß, den Bettler um seinen Hunger beneiden! Darin eben liegt aber vielleicht die Kompensation und unsere Entschuldigung, daß wir aller dieser guten und gerechten Gefühle ungeachtet (ich schließe von mir auf andere) uns dennoch sehr entrüsten würden, wenn der erwähnte Diener Tantalus einmal mit uns von der wohlbesetzten Tafel zulangen, oder der Arme im unhochzeitlichen Kleide sich selbst bei uns zu Tische bitten wollte. Gott hat es selbst so angeordnet, daß die einen genießen, die andern entbehren sollen, und es bleibt so in der Welt! Jedem Ruf der Freude ertönt am andern Ort ein Echoschrei der Angst und Verzweiflung, und wo Raserei sich hier den Kopf zerschmettert, fühlt ein andrer in demselben Augenblick das höchste Entzücken der Lust!
Also gräme sich niemand unnütz darüber, wenn er auch weder verdient noch begreift, warum es ihm besser oder schlechter als andern geht. Das Schicksal liebt einmal diese bittere Ironie – drum pflückt, o Menschen, die Blumen kindlich so lange sie blühn, teilt ihren Duft, wo ihr könnt, auch andern mit, und bietet männlich dem eignen Schmerz eine eherne Brust.“ 2


Link zu einer Sammlung von Artikeln über den Fürsten Pückler

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Zitiert nach:
1 Eloesser, Arthur: Die deutsche Literatur von der Romantik bis zur Gegenwart. Berlin: bei Bruno Cassirer 1931; S. 225.
2 Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Ein fragmentarisches Tagebuch. 2 Bde. Berlin: Rütten & Loening 1987; S. 396 f.

(26.01.2012)

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